Das erste Mal ...
... sieht er IHN am Flughafen in San Francisco, diesen älteren Herren, der Elliott Cooper's Leben total auf den Kopf stellt.
1976: Dr. Cooper, ein dreißigjähriger erfolgreicher Chirurg, hat neben dem besten Freund, den man sich nur vorstellen kann, auch schon seine absolute Traumfrau erobert und einem glücklichem Leben steht, außer der Frage nach evtl. Nachwuchs, nichts im Wege.
Dann taucht jedoch mehrmals ein sechzigjähriger Mann auf, der neben einer frappierenden Ähnlichkeit zum jungen Doktor, selbigem auch noch einreden will, er sei er selbst und mit Hilfe von kambodschanischen Zeitreise-Pillen aus dem Jahre 2006 zurück in die Vergangenheit gereist, um ihre gemeinsame große Liebe, Ilena, nur noch einmal wiedersehen zu können. Ungläubig aber auch neugierig recherchiert der junge Arzt und muss sich, u. a. nach einem Vergleich mit dem Fingerabdruck des Unbekannten, eingestehen, das es sich tatsächlich um sein älteres Ich handelt. Die neugewonnene Bekanntschaft ist jedoch erst der Anfang zahlreicher weiterer "Änderungen" in Elliott bisherigen Weltordung.
Im Großen und Ganzem ist dem französischem Autor eine amüsante, traurige, philosophische und gleichzeitig mitreißende Liebesgeschichte gelungen. Wenn sich da nicht im Hintergrund immer dieses Gefühl tummeln würde, als hätte man fast jeden Satz schon mal irgendwo gehört oder gelesen. Zumindest auf den ersten ca. 100 Seiten ließ mich diese Empfindung einfach nicht los. Vielleicht lag das aber auch nur an dem sehr einfach gestricktem Sprachstil Guillaume Musso's.
Und auch die zahlreichen Klischees ließen mich das eine oder andere Mal mit den Augen rollen. So ist dem Protagonisten selbst, der Patient wichtiger als die Karriere, seine große Liebe Ilena ist, selbstverständlich, Umweltaktivistin und Tierärztin, welche Orcas in Orlando betreut und Elliott's bester Freund Matt steht, natürlich, jederzeit bereit und wechselt seine weiblichen Bekannten, wie andere Leute ihre Unterwäsche.
Tröstlich war, das beide Kritikpunkte im Verlauf der Geschichte immer weniger auffielen und von den teilweise dramatischen Geschehnissen nicht weiter ablenkten.
Ein sehr schöner Einfall waren die vielen Zitate von berühmten Schriftstellern und Autoren sowie Künstlern und Naturwissenschaftlern und auch jene Idee der alternativen Zeitlinie, die teilweise aber schon sehr kitschig daher kam. Ähnlich wie dann auch das Ende.
Und obwohl die Zeitreise, durch die Liebesgeschichte, (leider) etwas in den Hintergrund gedrängt wurde, ist die Überlegung, mit schon vorhandenem Wissen über die Vergangenheit, sein eigenes Leben zu beeinflussen, ganz interessant umgesetzt.
Noch ein kleine Anmerkung: Nach den, bisher scheinbar ausschließlich weiblichen Beiträgen, handelt es sich bei dieser hier um eine männliche Rezension.