Pressestimmen
"Ein erfrischendes Buch: Mehrere Jahre in die Gruppe der Essener Kommunikationsforscher und die breit gefächerte Mediendiskussion um die ›Traumhochzeit‹ eingebunden, legt Nathalie Ivanyi nun einen eigenständigen Zugriff auf das Sujet vor. Die Unterhaltungsshow dient hier als Datenquelle, um einen alternativen Ansatz von Medienwirkungsforschung empirisch zu untermauern. Dies ist in theoretischer als auch methodischer Hinsicht so notwendig wie lohnenswert. Die zentrale Idee besteht darin, Medienwirkungen zu beobachten und zu rekonstruieren, um die Wechselbeziehungen zwischen Medien- und Alttagswirklichkeit theoretisch modellieren zu könne. Der empirische Zugriff ist die Untersuchung der Wirkung der Sendung ›Traumhochzeit‹ auf die Alltagspraxis von Eheschließungen und Heiratsanträgen. Die letztendlich entscheidende Frage, wie Medienwirklichkeit Alltagswirklichkeit beeinflusst wird mit den Prozessen von Institutionalisierung im Sinne von Berger und Luckmann beantwortet. Damit stellt die Verfasserin ein alternatives Modell vor, das Medienwirkung nicht als Reaktion eines individuellen Rezipienten begreift, sondern die durch die Medien hervorgebrachten sozialen Praktiken und überindividuellen Handlungslogiken plausibilisieren will." Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KZfSS) Iványi liefert eine vielversprechende theoretische Grundlage, um künftig die Prozesse zwischen subjektiven Handlungsanforderungen, medialer Bereitstellung von Handlungsmustern und gesellschaftlicher Umgestaltung von Handlungspraktiken genauer zu beleuchten. (TV-Diskurs, 03/2005)
Kurzbeschreibung
Am Beispiel der acht Jahre lang auf RTL ausgestrahlten Sendung "Traumhochzeit" geht die Autorin der Frage nach, wie sich Prozesse der Vermittlung von Medien- und Alltagswirklichkeit theoretisch erfassen und darstellen lassen.
Nathalie Ivßnyi fiel diese Sendung auf, weil ganz offensichtlich liebende Paare sich bei der Kommunikation ihrer Liebe an der "Traumhochzeit" orientieren und diese im Alltag reproduzieren. Sie sieht in diesen Vorgängen weiter gehende Prozesse als lediglich eine individuelle Reaktion von Liebenden oder Paaren auf bestimmte mediale Praktiken. Wenn so unterschiedliche Akteure wie Gemeinden, Standesbeamte, Ratgeberautoren stärker religiös orientierte, rituelle Ziviltrauungen a la "Traumhochzeit" anbieten und so neue Dienstleistungen und Ressourcen zur Verfügung stellen, dann bedeutet dies eine gesellschaftliche Reaktion. Um diese Reaktion als Medienaneignungsprozess theoretisch darstellen zu können, erweiterte die Autorin die Medienwirkungsforschung um eine instituti onalisierungstheoretische Perspektive. Aus ihr erscheinen alltagsweltliche Praktiken wie Liebeserklärungen und Heiratsversprechen bspw. in Diskos oder Kinosälen als gesellschaftlich organisierte, kollektive Aneignung medialer Vorbilder. Erst die Tatsache, dass korporative Akteure Ressourcen, Know-How und Dienstleistungen zur Verfügung stellen, ermöglicht es den einzelnen Liebenden oder Hochzeitspaaren die medialen Handlungsmuster der "Traumhochzeit" im Alltag zu reproduzieren.