Die hilfreichsten Kundenrezensionen
73 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
TOP SERIE, 26. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: The Wire - Die komplette erste Staffel [5 DVDs] (DVD)
The Wire" (5 Staffeln, 2002-2008) ist eine US-amerikanische Fernsehserie des Pay-TV Senders HBO. Das Setting der Serie ist Baltimore und so konzentriert sich jede Staffel auf einen anderen Aspekt der Stadt, rund um das Polizei-Department und diverse Kriminelle im Drogenhandel. The Wire" stammt maßgeblich aus der Feder des Showrunners David Simon, der beim Konzept der Serie auf seine Erfahrungen als Polizei - Journalist für The Baltimore Sun zurückgreift. Auch Co-Creator Ed Burns besitzt einschlägige Erfahrungen: Er war selbst lange Polizist in Baltimore. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird The Wire" oft als sehr realistische, quasi-dokumentarische Serie beschrieben. In der Tat werden in The Wire" soziale, ökonomische und politische Themen viel tiefer und ausführlicher behandelt als in anderen Cop-Serien. Auch auf die Entwicklung von realistischen, vielschichtigen Figuren wird überdurchschnittlich viel Wert gelegt. Die Serie folgt über fünf Staffeln der Arbeit des Baltimorer Police-Departments und dessen kriminellen Gegenspielern. In jeder Staffel verschiebt sich allerdings der Fokus auf andere Facetten der Stadt, der Probleme und der Figuren. Während in der ersten Staffel noch primär der Drogenhandel auf der Straße behandelt wird, geht es in der zweiten Staffel eher um die Hafenarbeit, in der dritten werden politische Zusammenhänge beleuchtet, während sich die vierte auf das Schulsystem und die fünfte auf die Medienwelt beziehen. Die Figuren werden teilweise beibehalten, viele kommen aber auch neu dazu oder tauchen nach der Staffel nicht mehr auf. Aus diesem Grund ist es schwer, aus einem großen Ensemble-Cast, der weitestgehend aus unbekannten Charakterdarstellern besteht, eine oder mehrere Hauptfiguren auszumachen. Ästhetische Besonderheiten, die The Wire" von einem Großteil anderer US-Serien abheben, sind der Hang zum Realismus und zum anti-klimatischen Erzählen. Die Figuren der Serie werden oft Opfer von Institutionen und Bürokratie, sodass keine Figur die typische Heldenrolle einnehmen kann. Einen Jack Bauer, der im Alleingang die Welt rettet oder fast schon futuristische Fahndungstechnologien wie bei CSI Miami" sucht man bei The Wire" vergebens. The Wire" ist dreckig. Die Sprache, die sehr oft aus Straßen-Slang besteht, ist durchweg authentisch. Musik wird nur in Ausnahmefällen eingesetzt und die Kameraführung ist sehr naturalistisch. Während viele Serien mit Cliffhanger am Ende der Episode, der Staffel oder vor Werbeunterbrechungen arbeiten, verzichtet The Wire" fast vollständig auf diese Erzähltechnik. Aufgrund dieser eher unkonventionellen Techniken erreichte The Wire" zwar nur niedrige Einschaltquoten, aber das Lob viele Kritiker, sodass die Serie von einigen als die beste Fernsehserie aller Zeiten beschrieben wird.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Keine Krimiserie!, 8. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: The Wire - Die komplette erste Staffel [5 DVDs] (DVD)
Man kann es für Interessierte gar nicht deutlich genug ausdrücken. 'The Wire' ist keine Krimiserie. Ich würde sie noch am ehesten als eine Polizei-Dramaserie bezeichnen. Andere Rezensenten, die der Serie die maximale Bewertung gaben, haben diese hinsichtlich ihrer dramaturgischen Qualitäten bereits in hervorragender Weise beschrieben und charakterisiert. Man muss für diese Serie allemal Zeit und Geduld aufbringen. Die Handlung wird - man könnte fast sagen - in narrativer Weise geradezu "abgearbeitet". Interessant, wenn auch nicht neu ist dabei vor allem, dass Polizeiarbeit und die Arbeit des Drogenrings gegeneinander gesetzt werden. Auf diese Weise weiß der Zuschauer natürlich immer mehr, ohne aber wirklich umfängliches Wissen zu besitzen. Außerdem gibt es dann auch immer wieder überraschende, aber nicht unrealistische Wendungen. Die beteiligten Personen auf beiden Seiten werden sowohl in beruflichen wie auch privaten Bezügen gezeigt - hinsichtlich letzterer wären einige Dinge dabei auch verzichtbar gewesen. Mit Fortschreiten der Handlung verdichten sich sowohl die personellen Bezüge wie auch die Handlungsstrukturen der Serie. So entsteht dann eine ganz eigene Art von Spannung, auch wenn dezidiert nicht mit Spannungsbögen gearbeitet wird. Dabei sind wichtigen Handlungsentwicklungen immer wieder unbedeutende Vorgänge gegenübergestellt, sodass aufkommende Spannungsmomente auf diese Weise auch regelrecht gebrochen werden. Letzteres verärgert bisweilen, gehört aber zum Konzept dieser Serie. 'The Wire' ist tatsächlich eine im höchsten Maße zeitgeschichtliche, sozialkritische und politische Serie als groß angelegtes Panorama um den Niedergang der Stadt Baltimore, Maryland, durch Korruption und (Wirtschafts-) Kriminalität. Für meine Begriffe wurde das Entstehen von, das Leben in Slums, das Organisieren des Drogenhandels, die Schattenseiten der Drogensucht, aber auch die Abläufe der Polizeiarbeit in den Strukturen ihrer Bürokratie nie eindringlicher, nüchterner, so unpathetisch und realistisch dargestellt wie hier. Der "Charme" dieser Serie erwächst gerade aus der ihr eigenen Sprödheit und Ungeschliffenheit, und hinsichtlich ihres Formats kann wohl ohne Übertreibung bereits von einem amerikanischen Zeit- und Gesellschaftsgemälde gesprochen werden. Ich verstehe allerdings auch die kritischeren Stimmen, die sich hier äußern. Auch ich hätte mir bisweilen ein höheres Maß an Verdichtung gewünscht. So verlangen gerade die ersten drei Episoden dieser ersten Staffel einem wirklich einiges an Geduld ab, da man für geraume Zeit nicht erkennen kann, wohin die Reise geht. Da muss man sich tatsächlich ein bißchen zwingen dranzubleiben. Richtig interessant wird es, sobald man tiefere Einblicke in die Geschichte, die Zusammenhänge wie auch über die beträchtliche Personenzahl gewonnen hat. Bei mir begann das nach der fünften Episode, also dann doch fast erst nach der ersten Hälfte der Staffel, wo die Handlung aber tatsächlich an Fahrt aufnimmt. Als ideal empfinde ich es hinsichtlich des inhaltlichen Aufbaus insoweit ebenfalls, wenn man sich zwei bis drei Episoden hintereinander ansieht. Die Serie ist meines Erachtens hinsichtlich ihrer Dramaturgie, ihres sozialkritischen, gesellschaftspolitischen Anspruchs und in ihrer Gesamtqualität durchaus mit ' Breaking Bad - Die komplette erste Season [3 DVDs]' vergleichbar. Doch fand ich, dass es auch bei dieser Längen und Durststrecken gab. Im Vergleich dazu empfinde ich, dabei überhaupt nicht negativ gemeint, etwa ' The Shield - Die komplette erste Season [4 DVDs]' doch als vordergründiger, da man bei 'The Wire' bestrebt war, auch gesellschaftliche Zusammenhänge mit zu thematisieren. Insoweit gilt der ersten Staffel dieser Serie hier meine (fast) uneingeschränkte Empfehlung. Ähnlich beeindruckt, wenn auch hinsichtlich ihrer Erzählweise glatter und konventioneller, hat mich die zuvor gesehene Serie ' L.A. Crash - Die Serie - Staffel 1 (3 DVDs)' (allemal empfehlenswert für Fans von Dennis Hopper, der hier in geradezu glanzvoller Weise seine letzte Rolle bestritt).
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42 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Epochal, 22. November 2010
Rezension bezieht sich auf: The Wire - Die komplette erste Staffel [5 DVDs] (DVD)
Getarnt als einfache Polizeiserie erklärt uns "The Wire" in epischer Breite, wie dysfunktionale Strukturen ein Gesellschaftssystem ruinieren können. Die lebenswichtigen Institutionen der Großstadt Baltimore, allen voran die Polizei und die Politik, sind in einem schwer zu durchschauenden Teufelskreis der Selbstzerstörung gefangen. Die wenigen engagierten Individuuen scheitern an geradezu kafkaesken Barrieren. Auf der Straße herrscht der Mob und zerfrisst das System von unten. Es scheint als sei ein "Point of no return" überschritten worden, ab dem eine Korrektur von innen nicht mehr möglich ist. Das echte Baltimore, eine Arbeiterstadt an der Ostküste, hat seit den 1960er Jahren über ein Drittel der Bevölkerung verloren. 88 Prozent des Schulsystems sind schwarz, bei 63 Prozent schwarzer Bevölkerung. Die Mordrate ist sechsmal höher als in New York City. So dramatisch sich schon diese paar Fakten anhören, erst der Umstand, dass ein Insider mit erzählerischem Talent eine Fernsehserie daraus gemacht hat, verschafft uns einen Einblick in was dort abläuft. Noch nie ist eine schleichende gesellschaftliche Katastrophe im Fernsehen so erbarmungslos und so überzeugend seziert worden. Wer bis zur letzten Folge der fünften Staffel durchhält, wird sich fragen, was die Protagonisten eigentlich falsch gemacht haben, und keine überzeugende Antwort finden. In angelsächsisch geprägten Unternehmen bekommen unzufriedene Mitarbeiter gelegentlich zu hören: "Love it, change it or leave it". Wer verstehen will, warum Teile Amerikas für "change it" nicht mehr zugänglich sind, sollte sich "The Wire" anschauen.
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