Wer Val McDermids Romane gelesen hat wird sehr gespaltener Meinung über das Können der Autorin sein. Die Tony Hill-Reihe ist absolut hervorragend, doch leider hat McDermid auch noch zwei weitere Reihen begonnen und diese flachen derart ab und driften hilflos im Gewäsch der Klassen dahin das sogar die meist unter 300 Seiten liegenden Bücher schon zu viel verlangt sind.
Doch dann wurden die deutschen Erstausstrahlungen im ZDF der Verfilmung der Anthony Hill-Reihe angekündigt und ich war doch recht gespannt wie man den sehr zerrissenen Charakter der Hauptrolle, des Psychologen Anthony Hill darstellen würde. Und ich kann nur sagen: Die Engländer haben es einfach drauf. Ob man nun die Fitz-Serie, Helen Mirren in Heißer Verdacht, die Serie Waking the dead, oder auch die Lynley-Reihe betrachtet, hier wird bodenständiger Krimi noch in Perfektion umgesetzt. Keine unnötige, wie auch häufig nervige proforma Actionszenen, keine pausenlosen Nacktszenen und kein Supercoolgelabere wie in amerikanischen Serien.
Robson Green scheint die Rolle auf den Leib geschneidert und auch wenn man viel Sympathie für ihn empfindet, verkörpert er doch genau das was Anthony Hill ausmacht, eine gewisse Unnahbarkeit und Abgeschlossenheit in seiner eigenen, manchmal verdrehten Welt.
285 Minuten sind nur leider viel zu wenig, man möchte am liebsten ein ganzes verregnetes Wochenende die Vorhänge zuziehen und in die kaltblütige Welt dieser Mörder eindringen um Tony Hills Methoden folgen zu können und mehr über ihn, seinen Charakter, seine Vorgehensweisen und seine eigenen Unzulänglichkeiten zu erfahren.