Trotz Schwächen gebe ich 5 Punkte für die kurze, konkrete und überaus verständliche Reportage über die Freundschaft von Karl Marx und Friedrich Engels. Das Beste, was ich von einem Nichtkommunisten bislang gelesen habe!
Körner ist es gelungen mit seinem übersichtlichen und spannend geschriebenen biografischen Bericht Leben und Schaffen von Marx und Engels aus der jeweiligen politischen Zeitgeschichte zu erklären. Im Gegensatz zu vielen andere Autoren zum Thema vermeidet er konsequent zu verkomplizieren oder deren Wirken gar misterös umzudeuten. Dabei orientiert er auf die wesentlichen Entwicklungen und lädt (ob nun gewollt oder nicht) dazu ein, sich selbst bei Marx und Engels einzulesen.
Schwächen treten auch auf: Statt nüchtern darzustellen, was gesicherte Erkenntnis der wissenschaftlichen Forschung und was Deutung von Marxologen aller Art mit unterschiedlicher Motivation ist, nimmt Körner sich tendenziöse Bewertung heraus. Beispielsweise bleibt die Vaterschaft des unehelichen Sohn der Haushaltsgehilfin Helene Demuth, ohne durchgeführten Gentest aus den Gebeinen Beider, trotz der erdrückenden Indizienbeweise wissenschaftlich ungesichert. Körner hält es für überflüssig unterschiedliche Deutungen anderer Biografen dazu überhaupt zu erwähnen. Vielleicht kennt er diese aber auch nicht?
Immer wieder bewertet Körner einseitig, was bei genauer Kenntnis der Sachlage umstritten ist. Warum er solche Zugeständnisse an die überwiegend streng antikommunistisch ausgerichtete Biografenschar der Neuzeit macht, bleibt offen. Weitere Schwächen sind: Fehlende Fußnoten und Quellenverweise erschweren leider eigenes Nachrecherchieren zu den ausgewählten Zitaten. Und in der Schlußbearbeitung des Verlags sind quer durch das Buch Rechtschreibfehler übersehen worden.
Ich empfehle Körners Buch jedem, der über Marx und Engels etwas handfestes wissen will. Den eigenen Kopf muss man beim Lesen von Büchern immer einschalten. Entgegen dem aktuellen antikommunistischen Zeitgeist, der zumeist mit übelster Demagogie über Lebensgeschichte der Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus herfällt, hat sich Körner eine weitgehend eigenständige Sichtweise bewahrt.