Vielleicht bin ich nicht "indie" genug, um dieses Buch zu verstehen...
Peterlicht, dieser wohl genialste deutschsprachige Musikpoet, hat "Ein Buch vom Ende des Kapitalismus" veröffentlicht, das mit seinem Titel naja nicht wirklich viel zu tun hat. Vielmehr sammelt er Einfälle, Impressionen, kurze Geschichtchen, Träume, Beschreibungen, Liedtexte undsoweiter, ohne dass sich ein inhaltlicher Zusammenhang oder ein Thema ergäbe. Es sind schlicht rohe Fetzen, aus denen ein Autor nach längerer Reflexionsphase dann ein Buch machen würde. Peterlicht dagegen hat das Rohmaterial Rohmaterial sein lassen - und bleibt bis auf einen wunderbaren Aphorismus über die Liebe ("Die Liebe wohnt 2000 Kilometer unter dem Meer. Hin und wieder steigen Blasen auf.") ohne Aussage.
Wenn man die Jubelrufe des Feuilletons besieht, wird einem klar, dass dieses Buch nicht die zartfühlige Weltsicht eines zartfühligen Autors ist, sondern vornehmlich eine Sammlung von Unsinn, an dem sich die vom gängigen Hochliteratur-Trott ermattete Feuilletonisten-Riege ergeifern kann. 'Uuuh, ein Autor, der es wagt, die klassischen Erzählformate zu brechen. Der Unsinn schreibt und der vor sich herträumt.` Natürlich ist es Unsinn, vielleicht sogar anarchischer Unsinn. Doch so sehr der Unsinn unser allzu oft nüchternes Leben aufheitert, bleibt dieses Buch unzugänglich, da es geradezu darin erstickt.
So sehr ich Peterlichts Musik liebe, so sehr bedaure ich sagen zu müssen, dass WIR WERDEN SIEGEN! nicht wert ist gelesen zu werden. Denn den einen Schritt, den seine Musik auszeichnet, hat er hier nicht gemacht - den Übergang von Idee zu Kunst.