Das Interview der TAZ mit Stefan Wisniewski, dass hier in Buchform komplett wiedergegeben ist, stellt sicher eines der bedrückendsten Dokumente zur Geschichte der Rote Armee Fraktion dar.
Hier hat ein Täter die Chance, sich zu seinen Taten zu äußern, sie zu erklären und vielleicht auch Worte des Bedauerns für die Opfer zu finden.
Doch Stefan Wisnieswki zeigt lediglich, wie fanatisch er immer noch letzlich an der Ideologie des bewaffneten Kampfes festhält. Hier und da ein bisschen Kritik an den alten Genossen, aber eher um taktische Fragen denn um die generelle Frage des Einsatzes von Gewalt.Die historische Realität, dass die RAF letztlich nur gesellschaftlich autoritäre Strukturen befördert und einem aufgeblähten Sicherheitsapparat Kompentenzen zugeschustert hat, blenden sowohl Wisniewski wie übrigens auch die Intervier/innen aus.
Ein ums andere Mal wird Wisniewski im Gespräch seinem RAF-internen Spitznamen Fury (Wut, Furie) gerecht, wenn er z.B. zum Tode der Begleiter von Hans-Martin Schleyer erklärt, dass diese als Personenschützer ja die Möglichkeit hatten, sich zu wehren. Auf den unbewaffneten Fahrer Schleyers angesprochen, entblödet sich Fury nicht, auf dessen Werkschutzausbildung zu verweisen. So kann man sich natürlich seine Wirklichkeit zurechtbiegen.
Nach neuesten Erkenntnissen war Wisniewski ja wahrscheinlich auch für die tödlichen Schüsse auf Generalbundesanwalt Buback und dessen unbewaffnete Begleiter Wurster und Göbel direkt verantwortlich. In diesem Gespräch, das ja lange vor den neuen Ermittlungen im Fall Buback geführt wurde, drückt er sich sehr auffällig um dieses Thema herum.
So bleibt letztlich der Eindruck, dass hier ein Mensch zu feige und ideologisch zu verbohrt ist, das Leid wahrzunehmen, dass er angerichtet hat. Stattdessen wird das kaltblütige Schiessen auf Unbewaffnete als konsequente politische Tat schöngeredet. Insofern ist das Interview ein politisch hochwichtiges Dokument, zeigt es doch, wie wirklichkeitsfremd und abgehoben der deutsche Terrorismus agiert hat. Und was die Brutalität und die Fähigkeit zur Verdrängung der eigenen Schuld angeht stehen die Terroristen der RAF in deutlicher Kontinuität zu den Tätern des NS-Regimes.
Leider fehlte den Interviewer/innen der TAZ, die oft die richtigen Fragen stellen, letztlich dann der Mut, die unmenschlichen Wörthülsen Wisniewski anzugreifen.
Aber wer die Denkweise der RAF nachvollziehen will, der sollte dieses Buch lesen.