Dieses Buch ist an Personen gerichtet, die in den 1990ern ihre Jugend verbrachten, also demnach an Menschen, die 20 Jahre jünger sind als ich. In alphabethischer Reihenfolge werden deren so genannten Jugendsünden aufgelistet und seitens der Autoren Lisa Seelig und Elena Senft näher erläutert. Die Illustrationen dazu stammen von Hedi Lusser.
Für mich war es nicht uninteressant über die Gepflogenheiten der Jugend jener Zeit Näheres zu lesen. Viele Begriffe sind mir geläufig und zeigen mir, dass die Jugend der 1990er Jahre nicht wesentlich anders in ihren Neigungen war als die der 1980er und 1970er Jahre.
Den Begriff "Interrail" gab es in den 1970ern schon, auch ich machte als junge Studentin von dem Ticket Gebrauch. Offenbar scheint es den Fahrschein in alle Welt heute nicht mehr zugeben. Das jedenfalls lässt sich dem Text entnehmen.
"Lambada", "Knutschen" und "Kuschelrock" hatten die Jugendlichen in den 1990ern nicht für sich gepachtet und die Levi`s 501 ebenfalls nicht. Der Geschmack und die Neigungen der Nachkriegs-Generationen sind ziemlich identisch.
Neulich fragte mich eine alte Freundin, weshalb für mich eine Beziehung zu einem wesentlich älteren Mann stets undenkbar gewesen sei und ich wiederholte wie so oft, dass es nicht das Alter war, das mich abschreckte, sondern die allgemeine Prägung durch die Nazis bei Männern, die vor dem Krieg in Deutschland das Licht der Welt erblickten.
Hätte man Mitte der 1970er Jahre als Jugendlicher einen Menschen, der in 1930ern seine Jugend verbracht hat, gefragt, was ihm zu Themen, wie "Masturbation", "pflanzliche Drogen" und "deutschen Hymnen" (das sind Begriffe aus dem Buch) einfällt, hätte man gewiss mit interessanten Antworten rechnen dürfen. Diese hätten selten dem Zeitgeist der Jugend ab 1970 entsprochen. Es ist keine Frage des Alters, sondern eine Frage einer völlig anderen Geisteshaltungen, die prägend für die Entwicklung der Vorkriegsgeneration gewesen ist. Es ist für Folgegenerationen schwerer geworden, sich in ihrem Jungsein abzugrenzen. Ein weites Feld....
Das Buch ist übrigens lesenswert.