Wahrscheinlich hat sich der Ich-Erzähler Lukas in Matthias Sachaus neuestem Werk 'Wir tun es für Geld' gedacht, ich bin einfach ein netter Mensch. Warum sollte ich es Ines, meiner langjährigen Mittbewohnerin, die ich aus Studienzeiten kenne und ihrem Lebensgefährten Bernd, der mir auch schon ein guter Freund geworden ist, abschlagen, mit Ines wegen der Steuern eine Scheinehe einzugehen? Wohnen wir doch sowieso schon zusammen und mit Vanessa wird es wohl in nächster Zeit auch nichts Ernstes werden'
Soweit, so gut. Lukas ist ein ambitionsloser Karstadtverkäufer in Teilzeit, seine Angebetete (Teilzeit-)Freundin Vanessa lässt ihn zwar nach ihrer Pfeife tanzen, aber nur selten an die Wäsche. Der vorgeschlagene Deal würde ihm zumindest eine Mietersparnis und pro Woche einen Kasten Bier bringen. Alles ist ausdiskutiert und es wird schließlich sogar eine Scheinhochzeit gefeiert, mit allem Drum und Dran.
Doch dann zieht in die Wohnung unter Ines' und Lukas' WG der Finanzbeamte Ekkehard Stöckelein-Grummler ein. Die arrangierte Ehe droht aufzufliegen! Nun müssen die beiden wirklich ein Ehepaar spielen, denn sie haben den Umstand zu spät bemerkt und Ekkehard schon als neuen Nachbarn herzlich willkommen geheißen. Dieser, wie der Name schon verspricht, ist ein Beamter, wie aus dem 'Vorurteile-Buch': langweilig, tollpatschig und lebensunfähig. Das Einzige, was ihn wirklich interessiert, sind seine Hi-Fi-Anlagen. Doch irgendwie ahnt der treudoofe Nachbar, dass mit der Ehe etwas nicht zu stimmen scheint und versucht sie zu retten.
Matthias Sachau ist mit seinem neuen Comedyroman 'Wir tun es für Geld' ein wahres Feuerwerk an Lachern geglückt. An allen Ecken und Enden laufen einem beim Lesen Klischees über den Weg. Nicht nur der Bilderbuchbeamte, sondern auch noch die 'moderne' Fernbeziehung zwischen Ines und Bernd und die laszive Vanessa, die mit ihren weiblichen Reizen jeden Mann anmacht lassen uns immerfort schmunzeln. Dabei fließt die Handlung so schnell, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte, man steht immer unter Spannung und wartet, wie es wohl weitergehen wird, während die 'Helden' von einem Fettnäpfchen ins nächste tappen. Der Autor versteht es dabei geschickt, zwischen schreiend komischer Handlung und echten Gefühlen hin und her zu springen.
So begleiten wir Ines, Lukas und Ekkehart dabei, wie sie sich immer weiter anfreunden, für Ekkehard eine Katze besorgen, damit er nicht so allein ist und lachen, wenn wir lesen, wie Ines und Lukas am Boden lauschen, ob sich Herr und Tier schon zusammengefunden haben. Viele weitere Nebendarsteller machen das Buch noch lebendiger und sympathischer. Der ungebildete, muskelbepackte Fitness-Toni, der (wo) sein Studio untervermieten muss, da er sich übernommen hat, oder Lukas' alter Freund Viktor, der mit seinen Schauspieltexten jedem auf die Nerven geht.
Sie haben lange nicht mehr gelacht? Dann lesen Sie dieses Buch!