Von a-capella Freunden lange erwartet ist es nun endlich da: das vierte Album von basta.
Vorneweg war eins schon mal klar: es würde anders werden, als die Vorgängeralben. Neue Plattenfirma, neues Produzententeam und auch ein ganz neuer Anspruch der Gruppe selbst. Der Strum auf die Longplay-Charts wurde ausgerufen. Dies wiederum ließ bei einigen Freunden der puristischen a-capella Musik die Alarmglocken läuten. Verkaufen sich basta als "billiges" Deutsch-Pop Produkt am Ende unter Wert? Meine Höreindrücke unter diesen Vorzeichen:
1. Julia
Ein sehr rhythmusgetriebenes Stück bei dem es gleich so richtig zur Sache geht. Leadgesang Werner Adelmann. Textlich eine kleine Variation zum "hässlichsten Mädchen der Welt", stilistisch erinnert es etwas an die Musik von Justin Timberlake. 9 von 10 Punkten
2. Deutsche
Ein Titel von Lukas Hilbert geschrieben und produziert und gleichzeitig die Single aus vorliegendem Album. Nicht gerade das 100% typische basta-Stück. Allerdings mit hintergründigem Humor versehen und durchaus mit Ohrwurmqualitäten und radiotauglich. In der Album-Version mit Instrumenten unterlegt - für Puristen ist hier die CD-Single zu empfehlen, die auch eine a capella Version von Deutsche enthält. Mir gefällt Arrangement als auch Instrumentierung sehr gut und die Leadstimme von Rene Overmann passt perfekt zu diesen Song. 9 von 10 Punkten
3. GEZ
Erster Track, der den Wortwitz der ersten basta-Alben voll aufgreift. Lustige Story mit Pointe zum Nachdenken und wie gemacht für die Stimme von Thomas Aydintan. 9 von 10 Punkten
4. Mexico
Wow, welch ein Ohrwurm. Mexico ist so ein richtiges gute Laune mitsing Lied. Der Refrain geht sofort ins Ohr. Erstaunlicherweise der erste Song der CD, der von William Wahl als Lead dargeboten wird. Da kann ich nicht anders als volle 10 Punkte zu vergeben (und mir weitere Reime auf Mexico zu überlegen: anderswo, Gütersloh, oh-hos-loooo).
5. Sonne und Regen
Story wiederum mit dem basta-typischen Wortwitz versehen. Allerdings haut mich hier die Melodie und die Gesamtumsetzung nicht so völlig um - da kann auch der Leadgesang von Werner Adelmann nicht viel rausreißen. Ein guter Song zwar ohne Frage, aber dennoch für mich das Schwächste auf der CD. 7 von 10 Punkten
6. Was Frauen wollen
Erneut ein Song mit dem Lead-Gesang von Werner Adelmann - und der zweite Titel auf dem Album, der von Lukas Hilbert geschrieben und produziert wurde. Entsprechend nicht unbedingt der absolute Spaßtitel. Doch auch hier wieder ein wunderbares Arrangement und perfekter Satzgesang von den fünf Kölnern. Einfach schön und 9 von 10 Punkten
7. 50 Dinge
Ein Liebeslied aus der Feder und auch gesungen von William Wahl "es gibt 50 Dinge, die ich an dir hasse, und 51 die ich an Dir mag". Ist das nicht herrlich poetisch und zum dahin schmelzen? Ja, ist es und daher auch für mich eins der Highlights auf der CD. Auch nicht puristisch a capella sondern mit Piano untermalt. 10 von 10 Punkten
8. Spielerfrauen
Das nächste Highlight und der unbedingte Reinhör-Tipp. Wenn man wissen will, was basta ausmacht, dann ist dies in meinen Ohren das Paradestück dieser CD. Herrlich lustiger und leicht zotiger Text, Lead Gesang von Thomas Aydintan und ein Arrangement das an die Hoch-Zeit der Boygroups erinnert. Wenn man das dann noch live mit entsprechender Choreografie sieht, ist es absolut aus mit der Contenance! 10 von 10 Punkten mit Sternchen!!!
9. Wir wollten doch nur Freunde sein
Nach dem kurzen Ausflug in den Stil der Comedian Harmonists mit "Die Welt zu Gast bei Freunden" haben sich die Fünf noch mal an ein Stück dieser Machart gewagt. Thomas Aydintan brilliert stimmlich und theatralisch. Der Text ist herrlich komisch und somit typisch basta. Und am Ende wieder eine Pointe, für die ich mir lediglich gewünscht hätte, sie wäre von William Wahl in Falsett-Tonlage gesungen worden. 9 von 10 Punkten
10. Ich will nicht nach Paris
Song Nr. drei aus der Feder von Lukas Hilbert. Ein sehr schönes Poplied mit deutschem Text. Stimmlich und vom Arrangement her erinnert es ein wenig an die guten Sachen der Münchner Freiheit. Lead wird von William Wahl gesungen und das passt ganz wunderbar. Top für mich die Textzeile "ich werde kein Pariser". Ich glaub, das war aber eher nicht komisch gemeint. Egal, ich finde es dennoch umwerfend komisch. 10 von 10 Punkten
11. Wer hat gesagt
Und wieder so ein Titel, der einfach nur von basta stammen kann. Komisch, mitreißend, wunderschön gesungen (Lead: William Wahl) und wieder ein Grund mehr, diese fünf Sänger einfach nur gut finden zu müssen. 10 von 10 Punkten
12. Surfen gehen am Rhein
Was kommt dabei raus, wenn basta eine Songidee von Purple Schulz bekommen? Beach Boys meets Kösche Jungs - ist doch wohl klar oder? Ungewohnt hohe Stimmlage für die gesamte basta Besatzung, aber wenn man auf Beach Boys macht, muss das halt sein. Ein schöner Sommersong und dafür 8 von 10 Punkten
13. Glaubst du, ich häng noch an dir?
Bitterböse Geschichte über das Ende einer Beziehung, die von einer Seite wohl doch noch nicht als beendet angesehen wird. Lead gesungen von William Wahl, der insbesondere am Ende der ersten Strophe mit unglaublich tiefer Stimme ein an Dir" ins Mikro haucht. Da wird es Frau" ganz warm ums Herz. 9 von 10 Punkten
14. Blonde Augen
Definitiv kein a capella Stück ist Blonde Augen. Eine sehr schöne Ballade mit großer orchestraler Begleitung. Wer "Die zweite Geige" liebt, wird Blonde Augen ebenfalls mögen. Texter William Wahl hat definitiv eine sehr romantische Ader, und auch wenn der Titel "Blonde Augen" ein wenig lustig klingt, so ist dies doch ein durchaus ernstes Lied über eine unglückliche Liebesgeschichte. Geht unter die Haut und verdient 10 von 10 Punkten
Insgesamt handelt es sich bei diesem Album definitiv um eine sehr aufwändige Produktion. Der Charme des handgemachten a capella Albums haftet dementsprechend nicht sonderlich fest am vorliegenden Silberling. Allerdings sind an Stelle dessen eben auch wunderbare Arrangements gerückt, die den perfekten Rahmen für die Stimmen der fünf bieten. Und die Chancen mit dererlei Material in die Playlists der Radiostationen und auch auf eine gute Position in den Charts zu kommen, sind durchaus gegeben.
Der Wortwitz, der basta so auszeichnet, ist in meinen Augen noch immer unverändert vorhanden. Auch auf den vorherigen Alben gab es Stücke mit ernsterem Hintergrund. Hier sind eben auch Stücke aus fremder Feder vorhanden, die natürlich eine etwas andere Stilrichtung repräsentieren aber eben auch das Repertoire erweitern. Die Mischung macht's und die vorliegende Mischung ist, nicht nur in dieser Hinsicht, perfekt gelungen.
Die Konzerte der fünf mit diesem Album im Gepäck werden jedoch wieder eine ganz andere Facette der neuen Titel hervorbringen. Denn bei Ihren Live Auftritten geht es um a capella pur kombiniert mit herrlich zotigen und komischen Ansagen und Choreografien bei denen Take That zu ihren besten Zeiten einpacken können. Und der Charme der fünf Sänger wirkt eben auch primär live on stage! Also wenn sich einem die Chance bietet, sollte man basta live auf keinen Fall verpassen.
Fazit: Ein Album, an das sich puristische a capella Freunde vielleicht erst ein wenig gewöhnen müssen, bei dem sich aber wirklich genaues und mehrmaliges hinhören lohnt. Und eben auch ein Album für Menschen, die bisher mit a capella nicht so viel anfangen konnten, aber auf gut gemachte, melodiöse deutsche Popmusik stehen. Effekt bei mir: Album gekauft, in den CD-Player rein und sofort voll gepackt. Absoluter Kauftipp und nichts anderes als 5 Sterne wert!