Das Buch ist in der Überzeugung geschrieben, dass die naturwissenschaftliche und religiöse Deutung der Welt und des Menschen miteinander in Einklang zu bringen sind und das hier eine Harmonisierung ebenso notwendig wie überfällig ist. Der Autor ist (genaugenommen: war, weil leider 1989 verstorben) sowohl renomierter Wissenschafter und Schriftsteller mit sehr breit angelegter Wissensbasis als auch (nach eigenen, wiederholten Aussagen im Buch) ein gläubiger Mensch.
Das Buch ist aus meiner Sicht denn auch für religiöse Menschen verschiedener Ausprägung (sofern sie keine Fundamentalisten sind, die jedes Wort der Bibel wörtlich auslegen möchten), Agnostiker und Atheisten von gleichem hohem Wert, da es Hoimar von Ditfurth gelingt, seine Ansichten unter umfassender Berücksichtigung beider Weltbilder darzulegen. Hierbei gelingt es ihm, aufzuzeigen, dass manche Konflikte zwischen den unterschiedlichen Weltbildern nur auf Unkenntnis und Vorurteilen beruhen. Er ist auch der Meinung, dass manche wissenschaftlichen Erkenntnisse bestimmte religiöse Vorstellungen stützen. Ohne erhebliche Umbauten lässt sich die Harmonisierung der Weltbilder allerdings nicht bewerkstelligen.
Zum Inhalt:
Erster Teil: Evolution und Schöpfungsglaube
Hier wird die wissenschaftliche Sichtweise der Entstehung des Universums, unserer Erde und des Lebens dargelegt und schrittweise mit religiösen Schöpfungsvorstellungen abgeglichen. Auch häufig angeführte Argumente des einen Lagers gegen die Sichtweise des anderen Lagers werden jeweils erwähnt und diskutiert.
Sein Fazit: Vereinbar wäre, den Schöpfungsaugenblick als einen Prozess zu begreifen, der mit dem Urknall begann, sich in der Evolution fortsetzt und der noch lange nicht abgeschlossen ist.
Zweiter Teil: Objektive Realiät und Jenseitserwartung
Im Zentrum der wissenschaftlichen Argumentation steht hier die evolutionäre Erkenntnistheorie sowie die aus ihr abgeleitete Annahme, dass hinter der von uns subjektiv wahrgenommenen Wirklichkeit eine umfassendere objektive Realität steht: Die Evolution hat unsere Gehirne nur zum Überleben in unserer unmittelbaren Umwelt optimiert und nicht für ein umfassendes Verständnis der Welt. An die Grenzen dessen, was wir verstehen können, stoßen wir bereits bei verschiedenen Naturphänomenen, u.a. bei der Gravitation/Krümmung der Raumzeit und beim Welle/Teilchen-Dualismus. Neben Fakten und "handfester" Argumentation führt Hoimar von Ditfurth auch immer wieder Indizien an, die aus seiner Sicht für eine religiöse Dimension der Welt sprechen. In wie weit man hier folgt, hängt natürlich vom eigenen Standpunkt ab.
Sein Fazit: Die Existenz eines Jenseits auch in einem religiösen Sinn ist (wie die Existenz Gottes) theologisch sowie wissenschaftlich weder beweisbar noch widerlegbar.
Dritter Teil: Evolutive Zukunft und Jüngster Tag
In diesem Teil diskutiert er zunächst das Verhältnis zwischen Geist und Materie. Wärend man in den Naturwissenschaften dem bewährt-materialistischen Ansatz folgend von einer Einheit von Geist/Bewußtsein und Gehirn ausgeht (Monismus), wählt Hoimar von Ditfurth die dualistische Position, d.h. er ist der Auffassung, das menschliche Bewußtsein existiere unabhängig vom Gehirn. Neben den Indizien, die er für diese Annahme zu haben glaubt, zählt er auch die wissenschaftlichen Gegenargumente für seine Sichtweise so gewissenhaft auf, dass der Leser durchaus vor der Wahl steht, ihm in dieser Ansicht zu folgen. Anschließend wird er nach eigener Aussage metaphysisch: Die Existenz des Bewusstseins sei seiner Auffassung nach als Folge der Tatsache anzusehen, dass die Menschen nicht mehr ausschließlich der dreidimensionalen Welt ihrer Alltagserfahrung angehören (siehe Buchtitel!). Da es sich hier um die zentrale These seines Buches handelt, hätte ich mir insbesondere an dieser Stelle eine schlüssigere und ausführlichere Argumentation gewünscht, die diesen Standpunkt stärker von Wunschdenken differenziert. Schließlich folgert er, der Jüngste Tag könne dem Zeitpunkt entsprechen, an dem der Geist/das Bewusstsein sich so vollständig entwickelt hat, dass das heutige Diesseits und Jenseits verschmelzen. Dies sei auch in Einklang mit Aussagen in der Bibel, sofern man nicht den Fehler begeht, die mythischen Sprachbilder wörtlich zu nehmen. Seiner Ansicht nach war die ganze Bibel bei ihrer Niederschrift ursprünglich nicht wörtlich gemeint und wurde nur in späteren Epochen irrtümlich wörtlich ausgelegt(?).
Sein Fazit: Die Evolution als universeller Prozess erschließt ihren Geschöpfen immer weitere Bereiche der Transzendenz. Der Jüngste Tag kann gleichbedeutend sein mit dem Ende der Evolution. Dieser Zeitpunkt ist erreicht, wenn die Geschöpfe den höchsten Grad der Transzendenz erreicht haben, der das Diesseits mit dem Jenseits verschmelzen läßt.
Im Hinblick auf seinen Anspruch weist das Buch aus meiner Sicht eine weitere kleine Schwachstelle auf: Hoimar von Ditfurth diskutiert intensiv die Vereinbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse mit der Schöpfungsidee, dem Glauben an ein Jenseits und an einen Jüngsten Tag, klammert aber weitgehend die zentrale Frage aus, welche Gottesinterpretation mit wissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbar ist. Die deistische Interpretation (d.h. Gott ist Schöpfer des Universums, nahm aber im folgenden keinen weiteren Einfluss auf die Geschehenisse im Universum) steht nicht in offensichtlichem Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, aber der theistische Standpunkt (d.h. der Glauben, es gibt einen persönlichen, transzendenten, über alles herrschenden Gott, der die Welt auch erhält und lenkt) hätte einer deutlich intensiveren Diskussion bedurft. Immerhin glauben nach neueren Umfragen etwa 30% der Deutschen an einen persönlichen Gott, der ihre Gebete erhört und ggf. ihre Wünsche erfüllt. Soweit diese Gebete konkrete Dinge im Diesseits betreffen ist das eine mit naturwissenschaftlichen Methoden statistisch überprüfbare Annahme und wie Wissenschaftler sind, haben sie sich dieser Frage auch schon angenommen. In keiner seriös durchgeführten, statistich ausgewerteten Studie konnte der kleinste Hinweis gefunden werden, das Gebete erhört werden, seien die das Diesseits betreffenden Wünsche auch noch so berechtigt. Dies sei nur erwähnt, um zu verdeutlichen, dass die Harmonisierung der Weltbilder auch und insbesondere im Hinblick auf die Frage, wie wir uns Gott vorstellen sollten, eine große Baustelle ist.
30 Jahre nach Erscheinen dieses Buches stehen sich die Weltbilder noch ebenso unversöhnlich gegenüber wie zum Zeitpunkt der Drucklegung. Auch wenn sich Hoimar von Ditfurth mit seinen Ansichten nicht allgemein durchsetzen konnte, so ist sein Scheitern, wenn man es denn so nennen will, ein ehrenhaftes Scheitern, denn er hat es sich mit keiner seiner Argumentationen leicht gemacht, sondern war um Ausgewogenheit bemüht und führte auch immer die naheliegenden Gegenargumente zu seiner Position auf. Wenn er noch am Leben wäre, würde er vielleicht sagen, dass die jetzige Entwicklungsstufe der Menschheit es zumindest der Mehrzahl der Individuen noch nicht ermöglicht, diese Sichtweise zu teilen.
Wie auch immer man zu diesem Buch und den Ansichten seines Authors steht, es zeigt zumindest mögliche Ansätze für eine Harmonisierung der Weltbilder auf. Ein unbestreibarer Verdienst des Buches ist, dass es dem Leser ermöglicht, unabhängig von der eigenen Weltanschauung das Verständnis der Weltsicht der Anderen zu vertiefen und somit seinen eigenen Standpunkt zu hinterfragen.