"Wir sind das Volk" macht nicht allzu viel falsch - dafür traut sich der Film aber auch nicht viel. Auf der Habenseite steht doch einiges: Man entwirft ein differenzierteres Bild der DDR, Gut und Böse lassen sich nicht so einfach auseinanderhalten, Opportunisten und ehrlich Überzeugte, Mitläufer, Eingeschüchterte etc. werden gleichermaßen und ohne allzu steil erhobenen moralischen Zeigefinger porträtiert. Weiterhin verkneift sich der Film dramatische Liebesgeschichten, die sonst in entsprechenden Produktionen gerne das eigentliche Thema überlagern. Vor allem aber gelingt es, Horror und Alltag, Anpassung und Auflehnung so selbstverständlich nebeneinander zu stellen, dass beides gleichermaßen ahnbar wird - die Wurzeln der DDR-Nostalgie und deren entschiedene Ablehnung. Besonders bemerkenswert fand ich den starken Einstieg in den Film: Die Todesschüsse an der Mauer und das furchtbare Sterben des vergeblich Flüchtenden bestimmen ausdrücklich alles Folgende schon allein von der moralischen und emotionalen Perspektive her.
Trotz allen Lobes: Einige Kritikpunkte drängen sich mir auf, und dass die zum Abzug gleich zweier Sterne führen, ist wohl zugegebenermaßen auch dem privaten Geschmack geschuldet. Zunächst einmal ganz grundsätzlich: Der Film geht - wie schon angedeutet - letztenendes kein Risiko ein, was die Wahl der Bilder, Szenen und Kommentare angeht. Die letzte Viertelstunde ist angefüllt mit den hinlänglich bekannten Bildern - Menschen warten, Menschen stürmen hinaus, freuen sich, jubeln. Die DDR gibt (sich) auf. Mama wollte schon immer Kaffe im Kempinski trinken. Papa, staatstreuer Bürger bis dato, erkennt: "Der Sozialismus ist tot." Das wirkt alles etwas sehr schlicht und einseitig. Ich habe mich bei diesen Bildern immer gefragt: Und wie geht es weiter? Nachdem der Staat, in dem man von Geburt an lebte, den Geist aufgegeben hat? Antworten folgen auch hier nicht, denn: "Wir reden hier über die Einheit Deutschlands." Groß genug, gut genug. Aber eben auch Stoff für einen Film, den man schon vor zehn Jahren hätte drehen können. Heute wünschte ich mir etwas mehr Reflexion. Die Abbildung der DDR erschöpft sich jawohl nicht in detailgetreuer Nachbildung von Frisur und Tapete. Auch war mir etwas zu sehr Parole und etwas zu wenig Blick aufs Detail darin, wie Protest nachgespielt wurde. Kann man von einem SAT.1 - Fernsehfilm auch nicht verlangen? Na gut. Trotzdem knapp am vierten Stern vorbei.