Dieses Buch fasziniert und fesselt bis zur letzten Seite. So eindringlich und tief tauchte ich als Leser in eine Zeit, von der ich - das weiß ich jetzt - fast gar nichts wusste: Hochrenaissance in Florenz, in der Toskana, in Rom.
Hier wurde im 15. Jahrhundert unsere Zeit entscheidend fundiert und geformt von Künstlern, Philosophen, Wissenschaftlern, von der Kirche.
Wer sind die Hauptfiguren?
Vordergründig ist es die Familie der Medici, die von sich sagen: „Wir sind das Salz von Florenz". Denn ihr Handeln und ihr Wirken machen Florenz zum sinnenfrohen und farbenprächtigen, gleichwohl wirtschaftlich starken Mittelpunkt.
Doch in der Tat sind es die Frauengestalten, die Tilman Röhrig so besonders differenziert und stark geschaffen hat und eingreifen lässt: „Denkt daran, nicht die Männer, wir Frauen, wir sind das wahre Salz von Florenz."
Atemberaubend, ja wirklich beklemmend ist der große Gegenspieler: Girolamo Savonarola, der Dominikanermönch. Ihm gelingt es, in Florenz in kürzester Zeit den ersten Gottesstaat der Geschichte durchzusetzen, einen christlichen (!): mit absoluter Macht und Unterwerfung, mit Bespitzelung und Kinderpolizei, mit Reinheit im Geiste und im Besitz („Scheiterhaufen der Eitelkeiten"). Fast gelingt es ihm.
Jeder Besucher von Florenz kann noch heute auf der Piazza della Signoria eine Bronzeplatte betreten, die den Ort bezeichnet, an dem dieser fanatische Prediger 1498 am Himmelfahrtstag als Ketzer verbrannt wurde.
Dieser historische Roman ist mehr „nur" erzählte Geschichte. Das ist er allemal und darüber hinaus mit reichem Faktenwissen und exakter Einordnung in die Zeit.
Tilman Röhrig ergreift diese Zeit, macht dabei Menschen und ihr Handeln so einfühlsam und differenziert lebendig, dass wir für das Heute die Botschaft spüren müssen.