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Wir sind alle Neandertaler: Warum der Mensch nicht in die moderne Welt passt
 
 
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Wir sind alle Neandertaler: Warum der Mensch nicht in die moderne Welt passt [Taschenbuch]

Jürgen Brater
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch; Auflage: 2 (Juni 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492251404
  • ISBN-13: 978-3492251402
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (14 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 175.105 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Jürgen Brater
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

#187;Ein unbedingt lesenswertes Buch für den Leser, der an Alltagsphänomenen interessiert ist.« Gießener Allgemeine

Kurzbeschreibung

Warum finden wir ein Kaminfeuer so behaglich? Weshalb bekommen wir vor Angst kalte Füße? Und wieso schlagen wir uns häufig unvernünftigerweise den Bauch voll? Jürgen Braters Antwort lautet: Weil wir im Grunde alle Neandertaler sind. Kenntnisreich und unterhaltsam zeigt er, was die neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse aus Biologie, Anthropologie und Verhaltensforschung für unseren Alltag bedeuten – vor allem für den Steinzeitmenschen, der in uns allen schlummert und in den überraschendsten Situationen das Kommando über unser Handeln übernimmt.


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Der Mensch kann einfach nicht aus seiner Haut. Und die ist noch dieselbe wie vor einigen tausend Jahren, als sich der Neandertaler darin wohlgefühlt hat. Deshalb, so die Überzeugung von Jürgen Brater, kann auch kein modernes Gewand, kein Schlips und kein Kragen verbergen, dass der Mensch ewig von gestern sein wird. Am Beispiel alltäglicher Phänomene entschlüsselt der Mediziner und Sachbuchautor in seinem neuen Buch "Wir sind alle Neandertaler", das soeben erschienen ist, weshalb der Erdenbürger sich mitunter seltsam verhält, den Grund für sein Benehmen aber oft nicht kennt.

Verkürzt man die Entwicklung der Gattung Homo", deren letztes Glied wir sind, auf einen 24-Stunden-Tag, so hat der Mensch weit über 23 Stunden als Jäger und Sammler verbracht."

Kein Wunder also, dass er sich als Nostalgiker erweist und bei jeder passenden Gelegenheit Elektrizität gegen altvertrauten Flammenschein eintauscht. Ob Grillen oder Candlelight-Dinner, keine Glühbirne kann die Gemeinschaft und Wärme rund ums Lagerfeuer ersetzen, die schon die Neandertaler zu schätzen wussten. Der Mensch betreibt Mobbing, um sich und seine Gruppe vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Er gähnt, um dazuzugehören und im Restaurant wählt er immer den Tisch an der Wand, um einem Angriff aus dem Hinterhalt vorzubeugen. Der Jetlag, die Babysprache, selbst das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom: Alle haben sie ihren Ursprung in grauer Vorzeit. Sie werden den Menschen sicher noch lange begleiten, aber endlich erfährt er nun weshalb.

"Wir sind alle Neandertaler" entlarvt eine klaffende Lücke zwischen dem ambitionierten Fortschrittsglauben und der tatsächlichen Anpassungsfähigkeit des Menschen. Jürgen Braters Buch eröffnet eine neue Perspektive auf menschliches Verhalten und erläutert anschaulich verblüffende Sachverhalte rund um das spannendste Geschöpf dieser Erde.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sehr zu empfehlen! 19. April 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Der Mensch hat diverse Stadien der Entwicklung durchgemacht, was sein Erscheinungsbild und sein Handeln mit der Zeit verändert hat. Viele Verhaltensmerkmale jedoch sind geblieben, wie beispielsweise der Blindarm, das Gähnen oder die Weisheitszähne, die uns heute eher hinderlich sind, den früheren Menschen jedoch beim Überleben hilfsam waren.

Der Autor geht auf verschiedene Punkte ein, die seiner Meinung nach Überbleibsel sind und erklärt damit unser Verhalten .

Dabei geht er nach einem bestimmten Muster vor.

Er wählt verschiedene Themen und damit Oberkapitel aus: - Ursprung und Entwicklung, - Feuer und Licht, - Aberglaube und Mystik, - Körper und Sinne, - Angst und Schrecken, - Nervenkitzel und Action, - Essen und Trinken, - Krankheit und Leid, - Misstrauen und Anteilnahme, - Männer und Frauen und schließlich natürlich - Liebe und Sex.

Nehmen wir das Kapitel zu "Feuer und Licht". Wie bei allen weiteren Kapiteln auch, folgt nun erst einmal eine kurze Episode, wie es in früherer Zeit gewesen sein könnte. Die beiden Hauptpersonen sind dabei Ugur und seine Frau Wala, die in einer recht großen Sippe mit Schamanen leben. Hier wird erzählt, was das Feuer für die Sippe bedeutet und wie man Feuer mit primitivsten Mitteln herstellen kann. Des weiteren folgen diverse Denkansätze und Erklärungen zu Themen, die damit in Zusammenhang stehen. Als erstes wird die "Lagerfeuerromantik" besprochen. Hier wird erklärt, warum Menschen sich einem Lagerfeuer nicht entziehen können, obwohl Feuer im Grunde etwas Böses und Schmerzhaftes ist. "Der Mann am Grill" als Statussymbol - die meisten Frauen können sich nicht einmal vorstellen, den Grill bedienen zu müssen, "Traumhaus mit offenem Kamin", "Candlelight-Dinner", aber auch das "Feuerwerk", das eine ungebrochene Faszination, vor allem für Kinder auslöst.

Die einzelnen Aufsätze sind wirklich interessant, zwar hat man einiges davon schon einmal ansatzweise irgendwo gehört oder gelesen, jedoch noch nie in diesem direkten Zusammenhang. Die Episoden aus Ugurs Leben machen das Ganze dann auch immer noch verständlicher für den Leser.

Nimmt man Beispielsweise das Gähnen. Jeder muss ab und zu gähnen, obwohl dies keine Funktion erfüllt. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass wir aus Sauerstoffmangel gähnen uns der Akt des Gähnens selbst jedoch nicht mehr Sauerstoff einbringt. Auch hier liegt wohl ein Rudelverhalten vor. Wenn der Anführer ein paar mal herzhaft gegähnt hat, zogen sich auch die anderen Rudelmitglieder zum Schlafen zurück, da sie von seinem Gähnen angesteckt worden sind. Dasselbe gilt für die Gänsehaut. Heute ist sie nutzlos, doch zu einer früheren Zeit, in der man den Gegenüber womöglich noch einschüchtern musste, wirkte man dadurch größer und gefährlicher. Der Autor vergleicht das mit dem Sträuben des Fells bei einem Hund, wenn er die Zähne fletscht und in Angriffsposition geht.

Die Geschichten und Aufsätze sind allesamt unterhaltsam geschrieben, sodass es Spaß macht, sie zu lesen. Man ist auch nicht gezwungen jedes Kapitel zu lesen, sondern kann zu jenen weiterblättern, die einen besonders interessieren, da sie unabhängig voneinander sind.

Das Inhaltsverzeichnis gibt Auskunft über die Oberkapitel, jedoch nicht über die Unterteilungen.

Im Anhang findet man dafür ein Register, in dem die Hauptpunkte wie "Gute Tat, Gähnen, Haare, Rückenschmerzen" und so weiter, mit Seitenzahlen aufgeführt werden.

Die Sprache ist leicht verständlich, sodass man kein Fremdwörterlexikon benötigt, um dieses Buch lesen zu können.

Das Buch ist gebunden, hat einen Schutzumschlag, der in grau gehalten ist und einen Neandertaler auf dem Cover trägt und dem Buch einen edlen Eindruck verleiht.

Das Buch ist in der neuen deutschen Rechtschreibung gehalten, wobei ich hier gerne den Satz aus dem Einband zitieren möchte Die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung ist in den letzten Jahren ohne Not zerstört worden. Dieses Buch orientiert sich überwiegend an der neuen Orthografie, folgt bei der Getrennt- und Zusammenschreibung aber den Regeln der sprachlichen Vernunft".

Alles in allem liegt hier ein interessantes und durchaus spannendes Buch vor, von dem man noch einiges lernen und neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln kann. Dieses Buch ist sehr zu empfehlen!
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Irgendwie tröstlich 2. März 2007
Format:Gebundene Ausgabe
«Raser mit Tempo 205 gestellt», vermeldeten am 9.Februar die Schweizer Tageszeitungen. Da war ein Mann an Stelle der erlaubten 120 Kilometer mit 85 Kilometern zu viel auf dem Tacho auf der Autobahn A1 erwischt worden. Vermutlich hatte er es eilig oder wollte mal wieder seinen Wagen so richtig ausfahren. Würde man den Wissenschaftsautor Jürgen Brater fragen, hätte der noch eine andere Antwort parat gehabt: Der Urmensch, der in jedem von uns steckt, hatte das Steuer übernommen und das Gaspedal bis zum Anschlag durchgedrückt.

Wir leben zwar in einer hoch technisierten Umwelt, aber entsprechend zivilisiert verhalten wir uns deswegen noch lange nicht, meint Jürgen Brater und liefert in seinem neu erschienenen Buch «Wir sind alle Neandertaler» zahlreiche interessante Beweise.

Das Auto als WaffeDer Urzeitmensch mit dem dominanten Kiefer und den Überaugenwülsten verschwand erst vor zwanzig- bis dreissigtausend Jahren von der Bildfläche, während die Evolution unter Umständen Millionen Jahre benötigt, bis sie Lebewesen verändert. «Somit blieb für die Anpassung an unser heutiges Leben mit all seinen komplizierten Begleitumständen viel zu wenig Zeit», schreibt Brater. «Unsere Erbanlagen, die nicht nur unser Aussehen, sondern auch all unsere Körperfunktionen und nicht zuletzt unser Verhalten steuern, sind mit denen unserer steinzeitlichen Urahnen noch immer weit gehend identisch.»

Also sollte es niemanden verwundern, wenn wir uns ab und zu wie Urmenschen verhalten, zum Beispiel beim Autofahren. Da wird gedrängelt und gerast, als ob dem Fahrer ein Säbelzahntiger im Nacken sässe. Und wehe, einer wagt es, uns zu überholen. Dann sehen wir oft rot. «Da werden dieselben urzeitlichen Instinkte wach wie in den einstigen Steppenjägern, deren Leben davon abhing, sich bloss nicht von einem Konkurrenten die Beute abjagen zu lassen.» Und weil die Evolution mit der Technik nicht Schritt halten konnte, stellt das Auto für den Urjäger im Menschen eine Waffe dar, «die er einsetzt, wenn er sich bedroht fühlt», zitiert Brater den deutschen Sozialpsychologen Hardy Holte. Angesichts dieser Erkenntnisse verwundert es, dass die Autobahnen nicht wie Schlachtfelder aussehen.

Wer grillt, ist der Anführer

Dass Männer beim Gartenfest so gerne das Kommando am Grill übernehmen, kommt ebenfalls nicht von ungefähr. In dieser Situation lässt der Neandertaler besonders grüssen und gibt dem Mann von heute beim Hantieren mit rohem Fleisch das Gefühl, ein steinzeitlicher Jäger zu sein, der seine Sippe mit der mühsam erlegten Beute versorgt. Und: «Wer Feuer anzündet, steht in der Sozialhierarchie ganz oben», wird die Freiburger Soziologieprofessorin Nina Dengele im Buch zitiert.

Bei der Lektüre von Braters Buch wird auch klar, warum immer mehr Menschen den ganz besonderen Kick bei extremen Sportarten wie Apnoetauchen, dem Tauchen ohne Sauerstoffflasche, oder Einhandsegeln suchen. Unsere steinzeitlichen Vorfahren mussten, schon allein um die tägliche Mahlzeit zu beschaffen, viele Gefahren auf sich nehmen. Der heutige Alltag ist, zumindest in der westlichen Welt, für die meisten Menschen alles andere als aufregend. Allerdings ist der Drang von damals, den Körper an seine Grenzen zu führen, immer noch vorhanden. Deshalb sucht mancher - nachdem wir keine Mammuts mehr fürs Nachtessen erlegen müssen - seinen ganz persönlichen Adrenalinstoss im Sport.

Küssen statt beschnüffeln

Interessant ist auch der Zusammenhang, den Brater zwischen unserer Vorliebe für Film- und Fernsehstars und dem steinzeitlichen Wesen in uns herstellt. Warum verschieben wir Termine, nur damit wir sehen können, wie Dr. House die Ursache für eine seltsame Erkrankung findet oder Thomas Lüthi seine Beziehung zu Urs kittet? Und warum scheinen uns manche Stars so vertraut, als würden wir sie tatsächlich kennen? Dafür sind «unsere extrem langsam verlaufenden evolutionären Anpassungsprozesse verantwortlich, die keine Chance hatten, mit der rasanten Entwicklung der Medien Schritt zu halten», so Brater. Unser Gehirn kann ganz einfach nicht zwischen realen Figuren und Kunstfiguren unterscheiden.

Selbst der Kuss erscheint in einem ganz anderen Licht, wenn man weiss, wie er vermutlich entstanden ist. Verhaltensforscher glauben, dass sich das gegenseitige Berühren der Lippen im Lauf der Evolution aus dem bei Vierbeinern üblichen Beschnüffeln und Belecken des Hinterteils entwickelt hatte, mit dem Tiere ihre sexuelle Bereitschaft erkunden. Als sich der Mensch aufrichtete, verlagerte sich auch diese Form der Kontaktaufnahme nach oben. «Der Kuss ist ein symbolischer Geschlechtsakt», zitiert Brater die Bremer Kulturwissenschaftlerin Ingelore Elberfeld. Das erklärt auch, warum sich beim Küssen der Puls erhöht und Glückshormone ausgeschüttet werden.

Jetzt wissen wir also, warum wir manchmal seltsam reagieren und dass es nicht an unserem vielleicht eigenartigen Charakter liegt, sondern am Urmenschen in uns. Irgendwie tröstlich.
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