Oh je! Das war meine erste Reaktion auf die Ankündigung, dass im Zuge des "Twilight"-Booms auch ein deutscher Vampirfilm entstehen soll. Doch keine Angst: "Wir sind die Nacht" ist keineswegs ein deutscher Twilight-Abklatsch, er ist deutlich härter, düsterer und besser und hat in seiner schonungslosen Auseinandersetzungen mit dem Vampirmythos mehr mit "Interview mit einem Vampir" gemein, als mit Stephanie Meyers weichgespülten Glitzervampiren.
Statt allzu beschaulichem Hinterwäldleridyll haben sich Dennis Gansel und Co für das wilde Leben in der Großstadt entschieden, um die allesamt weiblichen Blutsauger in der Unterwelt von Berlin auf die Männerherzen (und -nacken) loszulassen. Der Film ist schnell, sexy und hart inszeniert, dabei aber auch auf hohem Niveau humorvoll und durchaus einfallsreich im Detail. Zwar sind einige Sequenzen in den Discos sehr redundant, dennoch langweilt der Film an keiner Stelle sondern bleibt immer für die eine oder andere Überraschung gut.
Es gibt sehr bewegende, traurige Szenen aber auch fröhlichere Momente, beides niemals klischig oder schmalztriefend wie die leider unsterbliche Twilight-Saga und obwohl von Männer inszeniert, dabei tausendmal femininer und emanzipierter als Meyers genderkonservatives, ultraprüdes Heimchen-Epos. Das hier ist Vamps in the City, mit Blut statt Cosmopolitan und dennoch auch für Männer ein bitterböser Kinogenuss.
Die Rollen sind allesamt perfekt besetzt, besonders Karoline Herfurth ("Im Winter ein Jahr", "Mädchen, Mädchen") spielt wiedereinmal granatenstark.
Für eine deutsche Fantasy/Horror-Produktion eine absolut positive Überraschung, die in ihrer coolen Rafinesse eher an so manche skandinavischen Glanzlichter erinnert. Endlich einmal großes deutsches Kino jenseits der Dreiohrschweigers oder jener endlosen Reihe von Filmen, die zwischen 1933 und 1945 spielen. Einer der wenigen gelungenen deutschen Filme des letzten Jahrzehnts, in dem es nicht um Jugendbanden und Fußballteams geht.
Mitbekommen hat es fast niemand, weshalb der Film an den Kinokassen durchfiel...vollkommen zu unrecht meiner Meinung nach.