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Wir sind Gefangene: Ein Bekenntnis
 
 
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Wir sind Gefangene: Ein Bekenntnis [Sondereinband]

Oskar Maria Graf
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Sondereinband: 544 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag; Auflage: unveränderter fotomechanischer Nachdruck, (1. Januar 1981)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423016124
  • ISBN-13: 978-3423016124
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,1 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 353.708 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Die Autobiographie Oskar Maria Grafs über die Jahre von 1905 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs.

Autorenporträt

Oskar Maria Graf gehört zu den großen deutschen Volksschriftstellern. 1894 in Berg bei Starnberg geboren ging er 1938 ins Exil nach Amerika, wo er 1967 in New York starb. Grafs Geschichten zeichnen sich vor allem durch wortgewaltige, urwüchsige Komik aus.

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53 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein Leben zwischen Bauerntum, Proletariat und Boheme, 3. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Wir sind Gefangene: Ein Bekenntnis (Sondereinband)
Oskar Maria Graf beschreibt in "Wir sind Gefangene" seine Kindheit in einem kleinen oberbayerischen Bauerndorf als Sohn eines Bäckers Anfang des 20. Jahrhunderts, seine Erlebnisse in München zwischen Proletariat und Boheme, die ersten Schritte des jungen Schriftstellers, den 1. Weltkrieg sowie die Zeit der Revolution 1918 und der Münchener Räterepublik 1919. Die Ereignisse der Jahre 1918/ 1919 nehmen dabei bei weitem den größten Raum ein.

Grafs Erinnerungen sind sehr viel mehr als nur eines unter vielen Memoirenbüchern, welche die Welt des Deutschen Kaiserreichs und der (in diesem Fall: beginnenden) Weimarer Republik aus der eigenen Biographie heraus beschreiben. Hier fehlt jede Selbstbeweihräucherung, schonungslos geht Graf mit seinen Handlungen und Ansichten ins Gericht, analysiert mit geradezu schmerzhafter Klarheit seine Zeit. Ob es sich um die Verlogenheit der Müchener literarischen Boheme, die Naivität der Anarchisten (denen er nicht nur in diesem Lebensabschnitt nahe stand), die fast unglaublichen Arbeitsbedingungen des Bäckergesellen, die Schmarotzereien und Schiebereien Grafs oder den Wahnsinn des 1. Weltkriegs handelt, um die Begeisterung angesichts der Revolution oder die Enttäuschung über deren unzureichender Verwirklichung, Graf beschönigt oder verschweigt nichts. Eine schonungslosere Biographie hat man selten gelesen, auch wenn Graf die eigenen Schwächen und die eigene Bedeutungslosigkeit etwas zu nachdrücklich unterstreicht, als daß sie in diesem Umfang glaubhaft wären.

Das erstaunliche an diesem Buch ist, daß es bei aller geschichtlichen Genauigkeit ("Wir sind Gefangene" diente schon manchem Zeithistoriker als Quelle) und psychologischen Offenheit eine enorm fesselnde Lektüre abgibt, die man so schnell nicht vergißt. Ein wesentlicher Grund dafür ist Grafs erdverbundene, dialektgefärbte Sprache, die das Geschehen derart lebendig beschreibt, daß man sich um Jahrzehnte zurückversetzt fühlt. (Übrigens dürfte Graf auch jenseits des Weißwurstäquators noch gut verstanden werden.)

Selten wurden schöne Literatur, Biographie und Geschichtsanalyse überzeugender vereinigt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Die Rebellion als Überlebensprogramm, 7. Juli 2010
Von 
Gerhard Mersmann "GM" (Mannheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wir sind Gefangene: Ein Bekenntnis (Sondereinband)
Es ist eine Geschichte, wie sie dramatischer nicht sein könnte. Sie handelt von einem Jungen, der in eine oberbayrische Bäckerfamilie am Starnberger See hineingeboren wird und endet, im frühen Mannesalter, mit der Existenz eines Mannes, der Krieg, Psychartrie und Revolution durchlebt hat, als Nachkriegsschieber überlebt und sich die Frage nach der Zukunft stellt. Oskar Maria Graf hatte mit seiner Autobiographie den eigenen Lebensweg bis zum Ende der Münchner Räterepublik beschrieben und wurde mit diesem Werk über Nacht berühmt. Der Roman wurde in alle Weltsprachen übersetzt und galt als eines der großen Epen über den Ersten Weltkrieg und das Zeitalter der Revolution. Oskar Maria Graf, der gelernte Bäcker und Autodidakt, verfügte über die große Gabe des mündlichen Erzählens und er nahm kein Blatt vor den Mund. In der zeitgenössischen Rezeption überwog in der vielfältigen positiven Bilanz vor allem eines: Die bis zur Selbstentblößung reichende Ehrlichkeit.

Oskar Maria Graf beschreibt in Wir sind Gefangene seine Kindheit in Berg, zusammen mit seinen vielen Geschwistern, von denen einige den 'Kindstod' erlitten, von seinem Vater, der bald starb und dem ältesten Bruder, der verdorben war durch das Militär und die Bäckerei übernahm. Oskar musste als Kind mitarbeiten und wurde geschlagen. Schon früh entdeckt er seine Liebe zur Literatur, bestellt sich heimlich Bücher über einen Nachbarn, liest Heine, Schiller und vor allem Tolstoi. Quasi in der familiären Illegalität sucht er seine Emanzipation in der literarischen Bildung. Als sein Bruder davon erfährt, schlägt er ihn windelweich. Oskar flieht, kaum siebzehnjährig, nach München und sein Entschluss steht fest: Er will Schriftsteller werden. Graf landet in Schwabing, lebt von Gelegenheitsarbeiten, tut sich mit dem Maler Georg Schrimpf zusammen und die beiden tauchen in das wilde leben der Boheme ein und saugen mit ihr das Rebellentum noch mehr in sich auf. Er lernt Erich Mühsam kennen und begibt sich in anarchistische Kreise. Als der Krieg ausbricht, wird er gezogen, landet an der Ostfront und erleidet einen Nervenzusammenbruch. Ein Jahr lang spricht er nicht und wird kurz vor Kriegsende aus der Nervenheilanstalt Haar entlassen. Zurück in München, kurz vor dem militärischen Zusammenbruch, deuten die Zeichen auf Revolution. Graf, der sich nach wie vor nicht mit dem Schreiben über Wasser halten kann, führt eine Wechselexistenz zwischen Revolutionär und Schieber, mal ist er auf Versammlungen, und dann, als es los geht, mit Kurt Eisner beim Sturm auf das Regierungsviertel dabei. Andererseits handelt er mit Seidenstrümpfen, Kognak, Schokolade und Zigaretten säuft Champagner und geht zu den Huren. Als die Räterepublik im Blut erstickt wird, weiß er, wo er steht, ohne zu leugnen, wo seine menschlichen Schwächen zu suchen sind.

Wir sind Gefangene ist bis heute ein atemberaubendes Buch, weil es befeuert durch die ungezügelte Wahrheit, die in ihm steckt. Eine exzellente Erzählung, eine Hommage an die autodidaktische Bildung und ein unbarmherziges Bekenntnis zur Menschlichkeit.
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5.0 von 5 Sternen Verkannt und unbekannt, 19. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Wir sind Gefangene: Ein Bekenntnis (Sondereinband)
Stark, echt, lebendig, warm, herzlich: wenn OMG das alles über sich lesen würde, da müsste er gleich zur nächsten Maß greifen. OMG - er ist und war ein ewiges Talent. Oft habe ich ihn gelesen, eine Weile nicht mehr im Sinn gehabt und wenn dann eines seiner Bücher mir wieder in die Hände fiel, beim Umzug, beim Abstauben, hielt ich es oft und fragte mich: warum hab ich das so begeistert verschlungen? Naja, einfach aufgeschlagen, ein paar Zeilen gelesen - und dann war es wieder da: das Feuer, das gefesselt sein von dem spannenden Erzähler, der auch tatsächlich etwas zu sagen hat. In bester Tradition, in allerbester Eigenständigkeit.
Wenn heutzutage Menschen wie der Grüne Sepp Daxenberger sterben und alle um Worte ringen, um etwas auszudrücken was Verlust umschreiben könnte - dann gelingt es niemandem, dann kann man einfach nur empfehlen: die Texte lesen, erinnere dich an die Essenz. Genauso ist es bei Graf: lies ihn, erfreue dich an dem Erzähler, an der Person. Es ist nichts lustig daran, nichts bauerntheaterhaft Vertölpeltes, so wie man sich die Bayern gerne hält in der BRD-WG. Alles atmet einen Humor des Schicksals - und betracht das Leben, auch seine eigenen wie die Fehler der anderen aus dem Winkel des Herzens. Graf, Oscar Maria: Danke! Und Goethe-Institute: macht damit die Welt bekannt.
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