Kapitän Paul Watson ist ein Held der Umweltbewegung, ein charismatischer, unbeirrbarer Charakterkopf, der den einen Schritt weiter geht als unsere übliche Feld-, Wald- und Wiesen-Umweltschutzgruppe. Seine Sea Shepherd Conservation Society protestiert nicht einfach gegen den Walfang und die Robbenjagd, sie schreitet ein, rammt Walfangboote oder versenkt sie im Hafen zum Beispiel (immer ohne Menschen zu verletzen natürlich). Für das Buch "Wir schreiten ein" hat der Journalist Paul Heller eine von Watsons Kampagnen gegen Walfäger in der Antarktis begleitet: Sechs Wochen auf einem Seelenverkäufer von Kutter im Eis der Antarktis, mit einer Crew, die sich eher durch Entschlossenheit als durch Erfahrung auszeichnet (und selbstverständlich vegan isst). Dabei zeichnet Heller ein tiefes, feines Portrait des komplizierten, klugen, einnehmenden und in seiner Konsequenz überlebensgroßen Gestalt Watson, des perfekten Anti-Ahab, weil er dem verrückten Walfänger aus "Moby Dick" in vielen Punkten so ähnlich ist. Als er nach einer elend langen Suche die Walfänger findet und es zur Konfrontation kommt zeigt sich, dass nichts an Watson Show ist: Er beherrscht das Spiel der großen Töne, aber wenn es darauf ankommt, dann steuert er das Schiff ohne zu zögern dahin, wo es den anderen weh tut. Ohne zu viel zu verraten: Wenn Sea Shepherd auftaucht, dann wird an diesem Tag kein Wal mehr getötet.
Ich gebe dem Buch nur deshalb keine fünf Punkte, weil es vielleicht einen Tick zu lang ist: So viel unterschiedliches Material geben sechs Wochen, von denen fünf einfach nur das Fahren auf hoher See beschreiben, dann einfach doch nicht her. Und es verblasst ein bisschen neben Watsons eigenen, sehr lesenswerten Büchern. Aber lesen kann (und sollte) man "Wir schreiten ein" auf jeden Fall.