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Wir nennen es Arbeit: Die digitale Boheme oder: Intelligentes Leben jenseits der Festanstellung
 
 
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Wir nennen es Arbeit: Die digitale Boheme oder: Intelligentes Leben jenseits der Festanstellung [Taschenbuch]

Holm Friebe , Sascha Lobo
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (26 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Wann hat ein Buch der Jugend so viel Hoffnung auf gutes Gelingen gemacht?" (FAZ )

Kurzbeschreibung

Die digitale Bohème verzichtet dankend auf einen Arbeitsvertrag und verwirklicht mit neuen Technologien den alten Traum vom selbstbestimmten Leben. Laptops und Weblogs sind ihre Werkzeuge, eBay und MySpace ihre Plattformen. Ihre Produktionsweisen verändern den Charakter des Internets, der Märkte und längst auch der Gesellschaft.

Holm Friebe und Sascha Lobo porträtieren einen zeitgemäßen Lebensstil und erklären die wirtschaftlichen, technischen und sozialen Hintergründe. Ihre spannende Analyse inspiriert dazu, so zu arbeiten, wie man leben will.

Klappentext

"Wann hat ein Buch der Jugend so viel Hoffnung auf gutes Gelingen gemacht?"
FAZ

Über den Autor

Holm Friebe, ist Volkswirt, Journalist und Geschäftsführer der Zentralen Intelligenz Agentur in Berlin. Seine Texte erscheinen u. a. in "Titanic", "taz" und "Neon". 2006
erschien im Heyne-Verlag sein Buch "Wir nennen es Arbeit“, welches er mit Sascha Lobo zusammen schrieb.

Sascha Lobo ist freier Werbtexter mit den Schwerpunkten Internet, Markenstrategie und ungewöhnliche Kommunikation. Für Aufsehen sorgte zuletzt seine Kampagne für die MTV-Serie "Popetown“ und seine Agentur für Werbung in Blogs, adical.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Als Maulwurfshaut, englisch: "Moleskin", bezeichnete man früher einen billigen Bezugsstoff aus Wachs und dunkler, angerauter Baumwolle, der von Ferne tatsächlich an das samtige Stoppelfell von Maulwürfen erinnerte. Ursprünglich wurde das strapazierfähige Material etwa als Sitzbezug für die harten Holzbänke in Pariser Kneipen und Kaschemmen verwandt. Aber auch die preiswerten Notiz- und Skizzenbücher der Künstler und Literaten, die sich in diesen Etablissements aufhielten, waren mit Maulwurfshaut bezogen, was ihnen auch die umgangssprachliche Bezeichnung verlieh. "Moleskine ist das legendäre Notizbuch der Künstler und Intellektuellen der vergangenen zwei Jahrhunderte: von van Gogh bis Picasso und von Ernest Hemingway bis Bruce Chatwin. Ein handlicher, zuverlässiger Reisegefährte für Skizzen, Notizen, Geschichten und Eindrücke, bevor sie zu berühmten Bildern oder zu Seiten von geliebten Büchern werden sollten." So steht es in sechs Sprachen auf dem Beilegezettel zum heute unter gleichem Namen angebotenen Notizbuch. Ursprünglich "von kleinen französischen Betrieben hergestellt, die die von der internationalen Avantgarde frequentierten Pariser Schreibwarengeschäfte belieferten", sei es irgendwann verschwunden und lange Zeit unauffindbar gewesen.
Bis 1998, um genau zu sein, als die italienische Firma Modo & Modo sich die Markenrechte sicherte und das ehedem spottbillige Büchlein in gehobener Ausstattung wieder auflegte, zwar ohne Maulwurfshaut, dafür in chinesischem Kunstleder mit Fadenheftung, Lesebändchen und Gummiband zum Arretieren. Weltweit wird es in zahllosen Varianten über Schreibwarenläden, Buchhandlungen, Museumsshops und das Internet vertrieben und ist allem Anschein nach trotz eines Preises von über zehn Euro für die Basisversion ein echter Verkaufsschlager. Zur Erklärung noch einmal der Marketing-Waschzettel: "Das legendäre schwarze Notizbuch kehrt zurück, um von einer Tasche in die andere zu wandern, und begleitet mit seinen unterschiedlichen Seitenlayouts die kreativen Berufe und die Ideenwelt unserer Zeit."
Ganz offensichtlich trifft das Moleskine-Notizbuch einen Nerv der Zeit, wenn nicht nur Schriftsteller und Künstler es benutzen (denen es nicht selten zu teuer ist), sondern immer mehr ganz normale Menschen in Angestelltenberufen. Es scheint ein Symptom zu sein fragt sich nur, für was? Nils Minkmar von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (27.11.2005) meinte darin ein kollektives Auflehnen gegen die Übertechnisierung des Alltags zu erkennen: "Das Neue kostet zu viel Zeit. Immer verlangt es nach Aufmerksamkeit und Strom. Moleskine-Notizbücher stellen sich diesem Wahn entgegen." Aber so ganz kann das auch nicht stimmen, denn häufig begegnet man dem Büchlein in Begleitung technischer Gegenstände und Gadgets wie Mobiltelefon und Digitalkamera. Tobias Kniebe argwöhnte deshalb im SZ-Magazin (13.4.2006), dass es sich um ein reines Prestigeobjekt handelt: "Es spielt nicht die geringste Rolle, was Sie in ein Moleskine hineinschreiben. Entscheidend ist, dass Sie es im richtigen Moment aus der Tasche ziehen, dass Sie es souverän zu handhaben wissen und dass Sie den simplen Vorgang, das Ergebnis einer Hirntätigkeit zu notieren, auffällig und vor Publikum erledigen."
Auch das ist natürlich journalistisch überpointiert, denn tatsächlich sind die Büchlein praktisch und verfügen als analoges Speichermedium und perfekte Ergänzung zu Rechner und Laptop über einen hohen Gebrauchswert. Hat man sich einmal daran gewöhnt, möchte man nicht mehr darauf verzichten. Darüber hinaus aber liefern sie einen symbolischen Mehrwert, indem sie den Verwender und seine Aufzeichnungen in die Tradition großer Künstler und Schriftsteller stellen, die das Arbeiten außer Haus perfektioniert haben. Die viel bemühte Forderung von Joseph Beuys "Jeder Mensch ein Künstler!" wird auf diese Art schleichend in den Alltag übersetzt. Das Moleskine-Notizbuch ist der Bohème-Gegenstand schlechthin. A

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Als Maulwurfshaut, englisch: »Moleskin«, bezeichnete man früher einen billigen Bezugsstoff aus Wachs und dunkler, angerauter Baumwolle, der von Ferne tatsächlich an das samtige Stoppelfell von Maulwürfen erinnerte. Ursprünglich wurde das strapazierfähige Material etwa als Sitzbezug für die harten Holzbänke in Pariser Kneipen und Kaschemmen verwandt. Aber auch die preiswerten Notiz- und Skizzenbücher der Künstler und Literaten, die sich in diesen Etablissements aufhielten, waren mit Maulwurfshaut bezogen, was ihnen auch die umgangssprachliche Bezeichnung verlieh. »Moleskine ist das legendäre Notizbuch der Künstler und Intellektuellen der vergangenen zwei Jahrhunderte: von van Gogh bis Picasso und von Ernest Hemingway bis Bruce Chatwin. Ein handlicher, zuverlässiger Reisegefährte für Skizzen, Notizen, Geschichten und Eindrücke, bevor sie zu berühmten Bildern oder zu Seiten von geliebten Büchern werden sollten.« So steht es in sechs Sprachen auf dem Beilegezettel zum heute unter gleichem Namen angebotenen Notizbuch. Ursprünglich »von kleinen französischen Betrieben hergestellt, die die von der internationalen Avantgarde frequentierten Pariser Schreibwarengeschäfte belieferten«, sei es irgendwann verschwunden und lange Zeit unauffindbar gewesen.Bis 1998, um genau zu sein, als die italienische Firma Modo & Modo sich die Markenrechte sicherte und das ehedem spottbillige Büchlein in gehobener Ausstattung wieder auflegte, zwar ohne Maulwurfshaut, dafür in chinesischem Kunstleder mit Fadenheftung, Lesebändchen und Gummiband zum Arretieren. Weltweit wird es in zahllosen Varianten über Schreibwarenläden, Buchhandlungen, Museumsshops und das Internet vertrieben und ist allem Anschein nach - trotz eines Preises von über zehn Euro für die Basisversion - ein echter Verkaufsschlager. Zur Erklärung noch einmal der Marketing-Waschzettel: »Das legendäre schwarze Notizbuch kehrt zurück, um von einer Tasche in die andere zu wandern, und begleitet mit seinen unterschiedlichen Seitenlayouts die kreativen Berufe und die Ideenwelt unserer Zeit.«Ganz offensichtlich trifft das Moleskine-Notizbuch einen Nerv der Zeit, wenn nicht nur Schriftsteller und Künstler es benutzen (denen es nicht selten zu teuer ist), sondern immer mehr ganz normale Menschen in Angestelltenberufen. Es scheint ein Symptom zu sein - fragt sich nur, für was? Nils Minkmar von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (27.11.2005) meinte darin ein kollektives Auflehnen gegen die Übertechnisierung des Alltags zu erkennen: »Das Neue kostet zu viel Zeit. Immer verlangt es nach Aufmerksamkeit und Strom. Moleskine-Notizbücher stellen sich diesem Wahn entgegen.« Aber so ganz kann das auch nicht stimmen, denn häufig begegnet man dem Büchlein in Begleitung technischer Gegenstände und Gadgets wie Mobiltelefon und Digitalkamera. Tobias Kniebe argwöhnte deshalb im SZ-Magazin (13.4.2006), dass es sich um ein reines Prestigeobjekt handelt: »Es spielt nicht die geringste Rolle, was Sie in ein Moleskine hineinschreiben. Entscheidend ist, dass Sie es im richtigen Moment aus der Tasche ziehen, dass Sie es souverän zu handhaben wissen und dass Sie den simplen Vorgang, das Ergebnis einer Hirntätigkeit zu notieren, auffällig und vor Publikum erledigen.«Auch das ist natürlich journalistisch überpointiert, denn tatsächlich sind die Büchlein praktisch und verfügen als analoges Speichermedium und perfekte Ergänzung zu Rechner und Laptop über einen hohen Gebrauchswert. Hat man sich einmal daran gewöhnt, möchte man nicht mehr darauf verzichten. Darüber hinaus aber liefern sie einen symbolischen Mehrwert, indem sie den Verwender und seine Aufzeichnungen in die Tradition großer Künstler und Schriftsteller stellen, die das Arbeiten außer Haus perfektioniert haben. Die viel bemühte Forderung von Joseph Beuys »Jeder Mensch ein Künstler!« wird auf diese Art schleichend in den Alltag übersetzt. Das Moleskine-Notizbuch ist der Bohème-Gegenstand schlechthin. An seiner Verbreitung lässt sich ablesen, wie weit ein Idealbild der Bohème - unterwegs und dabei schöpferisch kreativ sein - in die Gesellschaft eingesickert ist. Es ist ein unverkennbares Symptom für ein geheimes Sehnsuchtsfeld namens Bohème, das sich bis weit hinein ins bürgerliche Lager erstreckt.Bourgeoisie vs. BohèmeÜberall kann man von der »neuen Bürgerlichkeit« lesen. Das Spießige gelte auf einmal nicht mehr als spießig, sondern als schick. Klassische Umgangsformen und Sekundärtugenden stünden wieder hoch im Kurs. »Die Deutschen suchen das Bourgeoise«, befand Thomas E. Schmidt schon vor Jahren in der Zeit (11.4.2002): »Aus vielen kleinen Partikeln entsteht ein Mosaik des Neubürgerlichen, auch wenn dessen Konturen noch unbestimmt sind und vieles nicht zueinander passen will.« Mittlerweile hat sich das Bild scheinbar konkretisiert. Mariam Lau unternahm im SZ-Magazin (1.7.2005) einen Annäherungsversuch: »Wie hat man sich die jungen Konservativen heute vorzustellen? Junge Menschen, die in großen blühenden Villengärten auf Decken sitzen, Spargel essen und Weißwein trinken, dabei Furtwänglers Einspielung von Beethovens Egmont-Ouvertüre lauschend, wie ein Kollege von mir vermutet? Die Mädchen könnten enge Stüssy-T-Shirts und Evisu-Kleider tragen, dazu Turnschuhe oder Loafer, die Jungs helle Beach Pants, alte Rolex-Uhren und Flip-Flops. Und alle sind in den jüngsten Verästelungen der Popkultur ebenso zu Hause wie in den Schinkel-Gemälden der alten Nationalgalerie. Dort sitzen sie dann bei einem Wasser und überlegen sich, eine Gipsstatue für das Arbeitszimmer zu kaufen.« So angreifbar überkonkret, wie die Verortung des Neu-Konservativen bei den modischen Details bis hin zur Marke ausfällt, so diffus und schwammig bleibt sie, wenn es um das Inhaltliche und Ideologische geht, das man eigentlich von einer weltanschaulichen Position erwarten dürfte.
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