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Wir müssen über Kevin reden
 
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Wir müssen über Kevin reden (Broschiert)

von Lionel Shriver (Autor)
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Produktinformation

  • Broschiert: 560 Seiten
  • Verlag: List Tb. (Juli 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 354860742X
  • ISBN-13: 978-3548607429
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (47 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 6.767 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Kurz vor seinem sechzehnten Geburtstag richtet Kevin in der Schule ein Blutbad an. Innerhalb weniger Stunden ist das Leben seiner Mutter Eva nicht mehr, wie es war. Von allen verurteilt und ab sofort auf sich selbst gestellt, findet sie den Mut, sich in aller Offenheit quälenden Fragen auszusetzen: Hätte sie ihre Ehe retten können? Hätte sie ihr Kind mehr lieben sollen? Hätte sie das Unglück verhindern können?


Über den Autor

Lionel Shriver arbeitet als Schriftstellerin und Journalistin u. a. für The Wall Street Journal und The Economist. Sie lebt in London und New York. Ihr Roman Wir müssen über Kevin reden wurde mit dem renommierten Orange Prize ausgezeichnet.

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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen unglaublich eindringlich und schrecklich wahr, 9. Mai 2007
Von L. Seifert - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Mir wurde das Buch von einer Freundin empfohlen und ich habe es geradezu verschlungen, obwohl es manchmal wirklich schwer auszuhalten ist. Von der ersten Seite an wird von der Erzählerin auf schlichte, ungeschönte, und völlig unpathetische Weise geschildert, wie sich ein Puzzelteil zum anderen fügt und wie im Grunde schon vor der Geburt von Kevin eine Entwicklung ins Rollen gerät, die über die kommenden Jahre immer dramatischer und pathologischer wird und schließlich an "dem Donnerstag" ihren folgerichtigen Höhepunkt findet. Das schreckliche an dem Buch ist, mitzubekommen, wie die Mutter von Kevin sich über die Jahre hinweg Gedanken macht und auch im Nachhinein Erklärungen dafür sucht, wie es zu Kevins Tat kommen konnte, aber im Grunde wenn überhaupt erst am Ende zu den richtigen Schlüssen kommt. Ich habe bisher kein Buch gelesen, das so eindrucksvoll deutlich macht, dass man Taten wie die von Kevin nicht auf einzelne Faktoren wie das "böse" Videospiel schieben kann, sondern dass sie immer das Ergebnis einer lebenslangen Entwicklung sind, aus der am Ende kaum noch eine andere Handlung resultieren kann, als ein Amoklauf. Ohne es extra zu betonen macht die Autorin klar, was für eine entscheidende Rolle die Beziehung zwischen Kind und Eltern und zwischen den Eltern selbst spielt und dass die Art wie die Eltern über ihr Kind denken schon vor der Geburt einen Einfluss auf das Leben ihres Kindes hat. Die Art wie die beiden Erwachsenen an ihre Beziehung und an das Thema Kinder kriegen heran gehen ist leider überhaupt nicht übertrieben, genauso wenig wie die Tendenz, die Dinge nicht auszusprechen, die im Verlauf des Romans immer wieder eine Rolle spielt.

Ein Buch mit wahnsinnigem psychologischen Tiefgang, dass ich jedem nur empfehlen kann.
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28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Verstörender und beklemmender Roman, psychologisch und literarisch höchst anspruchsvoll, 5. Dezember 2007
Wir müssen über Kevin reden ist ein Roman, der sich mit dem Leben einer Mutter beschäftigt, deren Sohn ein furchtbares Verbrechen beging und das nicht einmal aus den typischen Gründen heraus.

Eva und Franklin leben ein glückliches Leben zusammen. Sie ist Firmenleiterin eines Unternehmens, das Reiseführer für Globetrotter herausbringt, und daher viel unterwegs, er ist selbstständiger Location-Scout. Während sie mit Beruf und Ehe ausgefüllt und glücklich ist, wünscht sich Franklin mehr. Eher, um ihm einen Gefallen zu tun, als aus dem Wunsch heraus Mutter zu werden, wird Eva schwanger. Doch spätestens bei der Geburt merkt sie, dass dies ein Fehler war. Sie kann ihr Kind nicht lieben, und auch ihr Sohn Kevin scheint sie abzulehnen, der Säugling will um keinen Preis von ihr gestillt werden.
Über die Jahre hinweg steigert sich die Ablehnung der beiden hin zu Feindschaft, eine seelische Gemeinheit jagt die nächste, doch stets scheint Kevin der überlegene in dieser Konfrontation zu sein. Franklin sieht Kevins Bösartigkeit nicht - wenn andere Kinder wegen ihm weinen und Eva mit ihm schimpfen will, schlichtet Franklin immer und tut jede Gemeinheit als kleine Jungen-Streich ab, entschuldigt seinen Sohn, wo immer es auch geht. Eva hingegen glaubt, ihn besser zu durchschauen. So lebt Eva ein Leben vor sich hin, in dem sie immer unglücklicher wird, ihre Ehe langsam kaputt geht, sie sich von ihrem Sohn terrorisiert sieht und in dem ihr einziger Lichtblick ihre kleine Tochter Celia ist, sieben Jahre jünger als Kevin und von ihrer Mutter geliebt und vergöttert. Aus Liebe zu Franklin versucht Eva, auch Kevin eine gute Mutter zu sein, doch Kevin hält nichts von diesen Bemühungen und unterläuft sie, wo er nur kann. So steuert alles langsam auf eine Katastrophe zu, deren Ausmaß keiner außer Kevin erahnen kann. Kevin nimmt eines Morgens nach langer Planung seine Armbrust mit in die Schule und lockt die beliebtesten und begabtesten Schüler in einen Hinterhalt.
Eva ist nach der Tat allein, wird vor Gericht gestellt und muss mit allen Schuldzuweisungen selbst fertig werden. In ihren Briefen an Franklin berichtet sie mit schonungsloser Offenheit alle Details ihres Lebens mit Kevin und ihres Weiterlebens nach dem Donnerstag, der ihr Leben so brutal und drastisch veränderte.

Wir müssen über Kevin reden ist äußerst bewegend und eindringlich geschrieben. Auch wenn man alles lediglich aus Evas Sicht durch ihre Briefe erfährt, wird es nicht langweilig. Die Sprache ist immer dicht und packend, gut gewählte Metaphern und Bilder intensivieren das Erlebnis beim Lesen noch. Diese Intensität ist aber auch für den Leser belastend, manchmal muss man das Buch weglegen, weil die Geschichte zu beklemmend, zu real und beängstigend wird.
Kevin ist anders als das Bild, das sonst immer von Amokläufern gezeichnet wird. Er kommt aus einer reichen Familie, zumindest sein Vater vergöttert ihn, seine Mitschüler haben Angst vor ihm und lassen ihn in Ruhe, er hat ein paar Freunde, ist also auch kein kompletter Außenseiter. Er ist höchst intelligent, dass er nicht dauernd Einsen schreibt liegt nur daran, dass er nicht auffallen will. Das Bild, das von diesem Jugendlichen, der zum Mörder wird, gezeichnet wird, ist beklemmend.
Der Ansatz der Autorin, zu überlegen, ob ein Mensch schon als Baby böse sein kann, ob dieses Kind dann zu einem grausamen Menschen aufwächst, ist äußerst interessant. Auch die Gedanken Evas, ob Kevin nicht möglicherweise ihren eigenen Unwillen über ihre Schwangerschaft und seine Geburt spürte und daher so wurde, wie er ist, ist ein neuer Ansatz. Weiß man denn, wie viel Säuglinge von ihrer Umwelt mitbekommen und wie diese Erlebnisse in frühester Kindheit sie prägen?

Die Geschichte ist nicht nur durch die Katastrophe, deren wahre Ausmaße der Leser erst fast am Ende des Buches ermessen kann, faszinierend, sondern auch durch die Schilderungen Evas der vielen kleinen oder größeren Gemeinheiten, die Kevin während seiner Kindheit begeht und durch die Art, wie sie die Schuld an allem zunächst bei sich selbst sucht. Hätte sie ihr Kind mehr lieben sollen? Oder hat sie die Feindschaft Kevins ihr gegenüber einfach zu ernst genommen, sich davon zu sehr leiten lassen? Was hat sie falsch gemacht, wo hat sie so sehr versagt, dass es sie ihre Ehe, ihr Glück und eigentlich auch ihr gesamtes Leben kostet?

Sie versucht nicht, sich zu entschuldigen, sie erklärt lediglich und macht dadurch dem Leser klar, dass die Schuld immer zuerst bei den Eltern gesucht wird, egal wie berechtigt oder unberechtigt das auch sein mag. Ihr Umgang mit Schuld und Vergebung, mit der Liebe zu ihrer Familie, vor allem zu ihrem Mann, und mit dem Verlust von allem Geliebten, ist ehrlich und schmerzhaft.

Lionel Shriver muss auch für die Charakterzeichnung Kevins gelobt werden. Kevin bleibt seiner Mutter und somit auch dem Leser gegenüber immer verschlossen und geheimnisvoll, man kann seine Handlungen nicht durchschauen und begründen. Nur hin und wieder fällt die Maske. Dies sind eindringliche Momente, in denen man beginnt, ein wenig zu verstehen.

Doch auch wenn ein wenig Verständnis erwacht, die Tat bleibt immer noch ohne Begründung und Entschuldigung. Ein verstörender und beklemmender Roman, psychologisch und literarisch höchst anspruchsvoll, über ein Szenario, das leider mittlerweile zu unserer Gesellschaft gehört, von dem sich aber jeder wünscht, dass es ihn nie persönlich treffen möge.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Verstörend, beklemmend, gut, 18. September 2007
Von Valentine (AB) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REVIEWER)   
Eva Khatchadourians Leben hat sich von einem Tag auf den anderen brutal verändert. Sie ist eine dieser Mütter, über die man überall spricht: ihr Sohn Kevin hat an seiner Schule mehrere Mitschüler getötet oder schwer verletzt. Sie zieht sich vor den gaffenden Blicken und den betroffenen Konversationsversuchen ihrer Mitmenschen zurück, lebt alleine, ohne den Ehemann und die Tochter und natürlich ohne Kevin. In Briefen an ihren Mann rekapituliert sie das Geschehene.

Einst hat sie sich quasi aus dem Nichts einen Verlag für alternative Reiseführer aufgebaut, ihr Mann Franklin ist Location Scout für die Werbe- und Eventbranche. Eva jettet für ihre Recherchen um die Welt, sie und Franklin treffen Freunde, gehen aus, genießen das Leben. Doch eines Tages spürt Eva wider jedes Erwarten ihre biologische Uhr ticken und möchte doch noch schwanger werden. Was auch klappt. Doch von Anfang an empfindet sie ihre Schwangerschaft als beschwerlich und unangenehm, kommt mit den körperlichen und seelischen Veränderungen nicht zurecht.

Und dann, am 11. April 1983, wird Kevin geboren. Ein seltsames Baby - ständig brüllt es wütend, lehnt seine Mutter ab, trinkt nicht an der Brust. Als er größer wird, hockt er apathisch auf dem Boden, statt zu spielen, zerstört liebgewonnene Dinge, ist nach wie vor kalt und abweisend zu seiner Mutter, kann nicht mit anderen Kindern umgehen und hat nur zu seinem Vater einen gewissen Draht. Eva ist entsetzt und weiß nicht, wie sie sich verhalten soll. Franklin glaubt ihr nicht, wenn sie ihm die schlimmsten Episoden des Tages erzählt, weil Kevin anders ist, wenn sein Vater in der Nähe ist - worunter die Beziehung zwischen den Eltern natürlich leidet.

Acht Jahre nach Kevin kommt Celia zur Welt, ein süßes, anhängliches Baby, all das, was Kevin niemals war. Auch zu seiner Schwester findet er keine Beziehung. In der Schule bleibt er ein Außenseiter und hat nur wenige, schwache Freunde. Und eines Tages kommt es zu der schrecklichen Tat, die keiner kommen sah.

Das Buch ist wirklich keine leichte Kost. Schonungslos gewähren uns die Briefe Einblick in Evas Leben und lassen sie dabei wahrlich nicht immer sympathisch erscheinen. Diese unglaubliche Negativität während der Schwangerschaft, die drastischen Beschreibungen, wie sie ihren Körper hasst und auch das "Ding", das die Veränderungen hervorruft, machten mir schwer zu schaffen, ich war sogar nahe daran, das Buch wegzulegen.

So wenig ich Evas ablehnende Haltung in ihrer Schwangerschaft begreifen konnte, so sehr habe ich mit ihr unter Kevins Wesensart gelitten. Dieses Kind war nie ein knuddeliges, süßes, liebes, lustiges Kerlchen, sondern ein zorniges, abweisendes, berechnendes Wesen, ein Alptraum von einem Jungen, der genau zu wissen scheint, wie er anderen Leid zufügen kann.

Das Buch entwickelt einen unheimlichen erzählerischen Sog. Die Geschichte schlägt unerwartete Haken, erzählt von Brutalität, Ablehnung, Ängsten, Sehnsüchten, ohne pathetisch oder gar schmalzig zu werden. Abgesehen von Kevins Bluttat gibt es einige schlimme Ereignisse in dem Buch, aber die sachliche, scharf beobachtende Erzählweise ließ es nie zuviel werden, wie es oft bei schicksalsgebeutelten Tränendrüsenbüchern passiert.

Man fragt sich mit der Protagonistin, ob man das hätte verhindern oder voraussehen können. Woher kommt Kevins Wesen? Ist es angeboren, anerzogen, hat er die negativen "Schwingungen" in der Schwangerschaft gespürt? Eine Horrorvorstellung, ein solches Kind zu bekommen, das mich teilweise an Ben aus "Das fünfte Kind" von Doris Lessing erinnert hat.

Das einzige, was mich gelegentlich wirklich gestört hat, waren Fäkalausdrücke, die nicht immer hätten sein müssen. Ansonsten lautet mein Fazit: Kein schönes, aber ein gutes und lesenswertes Buch, das mir an die Nieren ging und das ich so schnell sicher nicht vergessen werde.
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KEVIN 1 August 2009
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