"Wir leben SM"... ein Titel, der Erwartungen weckt. Denn einerseits sind sadomasochistische Lebens- und Liebesformen an sich schon spannend, sofern man überhaupt ein Interesse oder eine Affinität daran verspürt, und das sei jedem unterstellt, dem eine DVD zu diesem Thema in die Hände fällt. Und gerade weil es ein Film ist, erweitern sich die Erwartungen dann andererseits auch dahingehend, dass es hier etwas zu SEHEN gibt; z.B. Einblicke in das Miteinander gelebter Beziehungen, der Umgang von SMlern untereinander, szenetypische Partys, Sessions etc.. Soweit - so gut! Also kaufte ich diese DVD...
Nun ist SM ganz sicher eine Thematik, die visuell eine Menge zu bieten hat. Zahlreiche Künstler - so wie manche der Protagonisten selbst - schaffen tagtäglich unzählige Werke, die SM auf ganz unterschiedliche Weise und in all seinen Facetten in Szene setzen. Und vielleicht weil eben jene Protagonisten wie Grimme und Woschofius keine ganz Unbekannten in der Szene sind, waren meine Erwartungen durchaus hoch gesteckt. Leider wurde ich enttäuscht.
Denn das was es zu sehen gibt sind Menschen, die erzählen. Da sehen wir eine Domina, die uns durch ihr Studio führt und uns erklärt, was man dort alles tun kann. So etwas hat man auch zu damaliger Zeit (denn der Film entstand 2004) schon zigmal in den Boulevard-Magazinen der Privatsender gesehen, dort allerdings spannend inszeniert, schließlich muss man sein Publikum unterhalten. Hier begnügt man sich mit einer einzigen Kameraeinstellung, die Aussagen mit tatsächlichen Sessions oder zumindest mit Close-ups der genannten Gerätschaften zu unterschneiden, die das Gesagte anschaulich zu illustrieren - Fehlanzeige.
Solche Unterschnitte gibt es dafür mehr als genug, als Woschofius dann in der Küche über sein SM-Leben erzählt, während er dabei ist, die Häppchen für eine selbstarrangierte SM-Party vorzubereiten. Und so sieht man ihn denn auch fleißig Zwiebeln schneiden oder Hähnchenschenkel auf dem Grill wenden und sucht verzweifelt nach einer Verbindung zum Gesagten... die es leider nicht gibt. So hofft man zumindest, dass man später die Partygäste dabei beobachten kann wie sie diese Häppchen verspeisen (und natürliches noch so einiges andere mehr) - aber da war das Kamerateam dann wohl nicht eingeladen.
Tja... und so setzt sich das dann fort. Getreu dem Motto 'Sie sehen ein Hörspiel' wird geredet und geredet, und irgendwann fühlt es sich so an als würde "Wir leben SM" für die Protagonisten bedeuten, nur darüber zu reden. Dabei werden unzählige Bereiche thematisiert, die - jeder für sich - schon den Stoff für einen eigenen Film hergegeben hätten. Und immer dann, wenn es gerade interessant wird, wenn sich Fragen nach dem Warum und Wieso stellen, die der Zuschauer gern beantwortet haben möchte... bricht das Thema ab. Insofern bleibt alles Gesagte denn auch nur an der Oberfläche, zumal die illustrierende Bildebene fehlt weil man eben meistens nur erzählende Köpfe sieht.
Meistens: Denn fairerweise sei gesagt, dass hin und wieder schon der Versuch gemacht wurde, die filmischen Möglichkeiten einzusetzen und das eine oder andere zu visualisieren. Aber schnell wird hier die alte Problematik allzu offensichtlich, die jeder Filmemacher kennt: Ein pikantes Thema zu entwickeln ist leicht - Menschen, die das vor der Kamera dann auch darzustellen bereit sind, finden sich nur schwer. Einem Redakteur, der allwöchentlich ein neues Thema recherchieren und realisieren muss mag man solche Unzulänglichkeiten verzeihen (obwohl sie meist erheblich besser / professioneller gemacht sind). Insidern wie Woschofius mit jeder Menge Kontakte in die Szene und einem Kamerateam, das (nach eigenen Angaben) ein Jahr lang auf die Dreharbeiten verwenden konnte, kann man an dieser Stelle nur ein Armutszeugnis ausstellen. Die "FSK 18" ist dann wohl auch mehr Werbung als Notwendigkeit - das alles kann man sich auch sicher schon ab 12 Jahren anhören und anschauen.
Fazit: Alles in allem ein sehr enttäuschendes Werk. Handwerklich in der Produktion schlecht, mit liebloser / unprofessioneller Kameraführung, teilweise katastrophaler Ausleuchtung und miserablem Ton, Mängel, die auch in der Postproduktion nicht beseitigt wurden. Eine ebenso konzeptlose wie schlechte Regie, die am Set offenbar nicht die richtigen Bilder fand und in der Montage später jegliche künstlerische und dramaturgische Raffinesse vermissen lässt. Und schließlich Darsteller, denen ich all samt zugetraut hätte, dass sie einem wie auch immer gearteten Publikum weitaus mehr zu sagen hätten als das, was dieser Film transportiert. Schade eigentlich...