Wer will denn das ganze Zeugs lesen? Wer will lesen,daß Charlotte Roche in bezug auf alkoholische Getränke der Promiskuität fröhnt? Wer will denn lesen, was auf der Tour so alles getrunken oder gegessen wird?Oder was allles nicht gegessen wird! Wer will denn wissen,mit welchem Bandmitglied der Autor in einem emotionalen Vakuum postkonzertanter Depression,das sich auch durch Alkohol nicht auffüllen läßt,die Nacht in diversen Hotelbetten verbringt? Natürlich wollen es die Fans wissen. Die anderen Leser aber auch,dann in diesem Buch werden allgemeingültige Mechanismen offengelegt,die sich auch auf andere Bereiche des Showgeschäfts übertragen lassen,so virtuos offengelegt,daß man die Darstellung buchstäblich mit den Händen greifen kann. Offenbar hat Thees Uhlmann dies bei seiner ursprünglichen Buchkonzeption gar nicht beabsichtigt.Umso besser ist ihm die Darstellung aber gelungen.Authentisch-dicht.Klassisch emotional,dabei jedoch nicht anbiedernd und romantisierend. Man fühlt sich in einigen Passagen massiv an die subreflexive Prosa des frühen Timophy Clarke (1878-1906) erinnert,der aufgrund seines exzessiven Lebensstils leider allzufrüh verschieden ist,und seinen Talent entsprechend nur allzuwenige,aber umso fulminantere Werke hinterlassen hat. Naturtalent Uhlmann könnte in seine Fußstapfen treten. Den ersten Beweis hat er mit diesem auch sprachlich hochinnovativen Buch angetreten. "A Class of its own".