Al Gore ist durch seine erfolgreichen Bemühungen, das Thema Klimawandel einem möglichst großen Personenkreis nahe zu bringen so etwas wie ein Popstar unter Politikern geworden. Wo sonst, wenn nicht in der USA wäre es möglich gewesen, das ein Politiker einen Oscar für einen von ihm produzierten Dokumentarfilm erhält? Beim Lesen dieses Buches drängte sich mir irgendwann die Frage auf, ob es Al Gore gelungen wäre, die vielen guten Ideen und Ansätze in diesem Buch tatsächlich umzusetzen, wenn nicht George Bush sondern er die denkbar hauchdünnste Entscheidung aller Präsidentschaftswahlen im Jahre 2000 für sich entschieden hätte. Spekulation, natürlich, aber was für ein verlockender Gedanke!
Dieses Buch fasst den Informationsstand einer großen Bandbreite klimarelevanter Themen kurz vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 zusammen. Im Großformat und sehr schön illustriert sowie mit vielen gelungenen Fotos ergänzt, bekommt man wahrscheinlich derzeit keine bessere und verständlichere Einführung geboten. Natürlich gedruckt auf FSC zertifizierten Papier und unterteilt in 6 Rubriken, widmet sich Al Gore nach der erklärenden Einführung über die Effekte der Luftschadstoffgruppen, dabei primär natürlich CO2, den Energiequellen zu. Während die Abschnitte über konventionelle Kraftwerke, Photovoltaik und Windkraft sehr oberflächlich bleiben, gehen die Erläuterungen über Geothermie, Biomasse und das Thema CO2 Abscheidung und Speicherung erfreulich ins Detail. Auf diesem Niveau bleibt auch der Abschnitt Lebende Systeme, der den Einfluss der Waldrodungen, der Bodenbearbeitung und des Bevölkerungswachstums beleuchtet. So war mir nicht bewusst wie hoch der Anteil des CO2 in der Atmosphäre durch längst vergangene Brandrodungen ist und wie groß die Rolle, die der Boden im Kohlendioxidkreislauf der Erde spielt.
Ebenso wird die Notwendigkeit eines länderübergreifenden Stromnetzausbaus beschrieben und vorbildlicher Weise kommt auch das allgemein stark vernachlässigte Thema Energieeffizienz nicht zu kurz, nicht nur meiner Meinung nach die wichtigste Energiequelle. Energie die nicht benötigt wird muss weder erzeugt noch transportiert werden.
Das letzte Drittel des Buches erläutert welche politischen Hindernisse derzeit hemmend wirken und wie man sie beeinflussen kann und sollte. Al Gore appelliert an einen Wechsel der Denkweise, der z.B. dadurch erreicht werden kann, wenn man die wahren CO2 Kosten auf die fossil-atomaren Energieträger umlegen würde. Den Abschluss bildet ein Ausblick in die Zukunft, und die Frage ob man der nachfolgenden Generation irgendwann erklären muss, warum man gescheitert ist oder ob man beschreiben darf, wie es der Menschheit gelungen ist, das Ruder tatsächlich noch herumzureißen. Bei aller Phantasie die ich aufzubringen vermag, klang dieser Absatz eher wie ein Märchen, zumal heute bekannt ist, dass der Klimagipfel in Kopenhagen kein rechtlich verbindliches Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll beschließen konnte.
Auch wer den Klimawandel immer noch für ein Gerücht hält wird kaum leugnen können, dass es viele weitere gute Argumente für den Umstieg auf regenerative Energiequellen und eine nachhaltige und umweltschonende Lebensweise gibt. Wer bei diesen Themen mitreden möchte, findet in diesem Buch einen umfassenden Einstieg und eine gelungene Zusammenfassung um jedem Gegner der Klimawandeltheorie mit guten Argumenten Paroli bieten zu können. Nicht nur deswegen 5 Sterne von mir.