Es handelt sich um die interessante Lebensgeschichte der ehemaligen Herausgeberin der „Washington Post", die nach dem Selbstmord ihres Mannes im Jahre 1963 praktisch ins kalte Wasser geworfen wurde und danach mehr oder weniger gezwungen war, die Geschicke des Blattes zu lenken. Auf 700 Seiten berichtet sie über ihr langes, aufregendes und interessantes Leben; zu ihren Lebzeiten kannte sie so ziemlich alle Präsidenten der USA persönlich, war mit Lyndon B. Johnson gar lange Jahre befreundet. Sie stammte aus einer zur damaligen Zeit sehr wohlhabenden, privilegierten deutsch-jüdischen Familie von der amerikanischen Ostküste und lernte schon in jungen Jahren durch ihre kulturell und politisch sehr engagierte Mutter u.a. Thomas Mann, Albert Einstein und diverse andere berühmte Künstler, Musiker, Politiker etc. persönlich kennen. In Anbetracht ihres abwechslungsreichen und erfüllten Lebens kann sie auf viele Aspekte wohl gar nicht so weit eingehen, wie man sich das vielleicht wünschen würde, also werden nur die wirklichen Meilensteine ihres Lebens wie z.B. ihre Ehe und der tragische Selbstmord ihres Mannes, die Affären um die Pentagon-Papiere und Watergate sowie die Probleme während der Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften und dem daraus resultierenden, sehr langen Druckerstreik in den siebziger Jahren etwas ausführlicher behandelt. Vieles andere wird daher nur angerissen. Wie ein roter Faden zieht sich durch das ganze Buch, dass sie bis zum Schluss in fast jeder Situation immer ein eher zurückhaltender, fast schüchterner, sogar manchmal von sich und ihren Fähigkeiten nicht ganz überzeugter Mensch gewesen ist. Erst spät in ihrem Leben setzt sie sich mit den Themen der Frauenbewegung auseinander und stellt fest, dass sie in dieser Beziehung einen ziemlichen „Nachholbedarf" hat. Mein Fazit: Auch wenn die Spannung in diesem Bericht auf Dauer ein wenig fehlt und der Humor für meinen Geschmack ein bisschen zu kurz kommt, hat man es doch mit der durchaus interessanten Geschichte einer sympathischen, bescheidenen Frau zu tun, die in ihrem Leben wirklich so einiges erlebt hat und an politisch bedeutenden Geschehnissen aktiv beteiligt war. Katherine Graham verstarb im Jahre 2001.