Tele setzten die Gesetzmäßigkeiten ausser Kraft: Nach einem Superalbum MUSS einfach Mist kommen. So war es bisher...
Anders bei Tele: Da bekommt der Titel "Falschrum" aus dem letzten Album eine ganz neue Bedeutung...
Zugegeben: Am Anfang habe ich die Synthies vermisst, doch nach dem dritten Mal hören war das vergessen. Klasse Nummern, voller Ideen, raffinierte Arrangements und kluge Texte machen diese Platte ebenfalls zu einem Hörgenuss.
Doch man wird nachdenklich: Tele kommen aus Freiburg und sind vor einigen Jahren nach Berlin gezogen. Der Song "F. R. E. I." ist eindeutig eine Liebeserklärung an Freiburg ("In allen Städten mit F.R.E.I. vorne..."). Der Song "Bye bye Berlin" hingegen klingt fast wie ein Abschied von Berlin. Was planen die Jungs?
Genial allerdings die Wortspiele mit denen Tele immer wieder zu überraschen wissen (Es geht ein Riss durch die Welt - und die Sonne scheint rein). Die Unüberwindbarkeit von zwischenmenschlichen Barrieren mit der Hoffnung, dass trotzdem irgendwann einmal Friede und Einigkeit herrscht. Der Song "Fieber" scheint ohnehin Tele's Beitrag zur globalen Erwärmung zu sein. Listig ist hier auch die weitverbreitete Wegschaumentalität karikiert: "Wir können genau so weiter machen wie bisher - nur haben wir ab heute Fieber. (... wir reagieren nicht drauf - vielleicht hört's ja von alleine auf)."
Grandios auch die Gegensätze in "Wo soll das Hinführen" - obwohl sie sich am Ende ja doch noch treffen "Ich sage Halt und Du bleibst stehen".
Fantastisch auch der Song "Li la lass mich in Ruhe": Wir sind nur ein kleines Rädchen im System, keiner von den Mächtigen sieht seine Fehler ein - von daher: soll die Welt sich doch im Kreis drehen, wenn ich schon nichts bewegen kann, lasst mir doch wenigstens meine Ruhe. Selten so einen schönen Protestsong gehört!
Schön traurig auch der Song "So weit weg", der beschreibt, wie eine eingespielte Ehe zerbricht, weil sich die Partner auseinander gelebt haben. Trotz allem der sensible Blick auf das Zwischenmenschliche: "Wenn wir reden, dann kurz und leise - wir wollen uns nicht mehr wehtun - es reicht irgendwann. - Ich hab' es kommen sehen, sagst Du und weinst..." Und dann das Endgültige: "Ich kann nicht mehr zurück...".
Tele allerdings ob solcher Texte mit der "Münchner Freiheit" oder anderen Schlagerbarden zu vergleichen grenzt schon an Ketzerei. Zum Schlageridyll sind die Texte einfach zu anspruchsvoll...