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Wir bleiben in der Nähe [Gebundene Ausgabe]

Tilman Rammstedt
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 237 Seiten
  • Verlag: Dumont Buchverlag; Auflage: 2 (11. Juli 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3832179399
  • ISBN-13: 978-3832179397
  • Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 14,2 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (16 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 282.869 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Tilman Rammstedt
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Der Titel, gemeinhin als beruhigende Versicherung fürsorglicher Eltern an ihre ängstlichen Kinder gedacht, gewinnt in Tilman Rammstedts Werk eher bedrohlichen Charakter. „Lernt, loszulassen“, möchte man Felix und Konrad gerne therapeutenhaft zurufen, „klammert nicht so!“ Eine simple Einladung hatte den Jugendtraum der Freunde zum Platzen gebracht. Katharina, die frühere Jugendfreundin und Teilzeitgeliebte, war im Begriff, einen gewissen Tobias zu heiraten. Dass hier etwas zusammenwuchs, was garantiert nicht zusammengehörte, für Felix und Konrad wird es zur fixen Idee. So einfach ließen sie sich nicht abschütteln!

Die Lebenswege der drei hatten sich allmählich auseinander entwickelt. Nun geriert sich der renitente Felix als bewahrende Kraft. Er überredet den zögerlichen Konrad, zu Katharina nach Hamburg zu reisen, um ... ja, was eigentlich? Sie zur Umkehr zu bewegen? Die alten Zeiten heraufzubeschwören um sie auf immer festzuhalten? In einer lächerlichen Slapsticknummer lauern die beiden, idiotischen Hobbyschnüfflern gleich, Katharina in einem Supermarkt auf. Die, unerwartet cool, lässt die alten Freunde bald noch älter aussehen. Im Gegensatz zu ihnen scheint Katharina im Leben angekommen zu sein.

Zum Schlussakt finden wir uns in einem Haus an der französischen Atlantikküste wieder. Mit Hilfe von Schlaftabletten und Tobias' Wagen haben die selbsternannten Erziehungsberechtigten Katharina hierher entführt. Hier soll ihr klargemacht werden, dass ein richtiges Leben im Falschen nicht möglich sei, sollten die gemeinsamen Träume wieder zum Leben erweckt werden. Doch wie sahen diese Träume aus. Über ein hilflos stammelndes „alles sollte eben irgendwie anders werden“ kommt auch Ich-Erzähler Felix nicht hinaus. Rammstedt zeichnet ihn als dauerphilosophierenden, von den Zumutungen eines Lebens, das nicht hielt, was es versprach, früh Versehrten.

Doch klare Atlantikluft schafft klare Verhältnisse. Die kluge Katharina erkennt, dass die veränderungswütigen Freunde lediglich das Gestern herbeisehnen, während sie selbst den Auf- und Ausbruch wagte. Sie stellt ihre "Entführer" vor die alles entscheidende Frage! --Ravi Unger

kulturnews.de

Katharina, Konrad und Felix waren einmal eine Ménage â trois. Dass diese Beziehungsform 2005 aber ganz und gar nicht mehr geht, hat nur Katharina kapiert. Längst ist die Pragmatikerin aus dem verlotterten Berlin ins erwachsene Hamburg gezogen, von wo sie ihren Ex-Freunden eine Einladung zur Hochzeit schickt. Konrad und Felix reagieren mehr (Felix) oder weniger (Konrad) geschockt, jagen nach Hamburg, betäuben Katharina und entführen sie nach Frankreich. Wo sie erstmal nichts miteinander anzufangen wissen. Das klingt tragisch, nach Auseinanderleben, nach der hoffnungslosen Sehnsucht nach dem ganz anderen Leben - und ist doch nur wunderbarer Slapstick vor traurigem Hintergrund. Tilman Rammstedt hat ein Gespür für Pointen, für Timing, für klug gesetzte Perspektivwechsel, aber oft macht er alles (und das ist dann zuviel) richtig.(fis)

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Alles beginnt mit Hochzeitseinladungen. So hören Felix, Ich-Erzähler in Tilman Rammstedts neuem Roman "Wir bleiben in der Nähe", und sein ehemals bester Freund Konrad nach drei jahren erstmals wieder von ihrer Freundin Katharina. Sofort ruft Felix Konrad an. Auch die beiden haben seit drei Jahren kein Wort gewechselt. Einstmals waren die Drei unzertrennlich, hatten Luftschlösser gebaut und Zukunftspläne gemacht, wer wann wie zuerst heiraten würde, und jetzt das - Katharina würde heiraten, als erste, dabei war die Position doch für Felix vorgesehen. Für ihn klingt das alles nach Verrat, und so trifft er eine Entscheidung: Katharina muss entführt werden. Nach anfänglichem Zögern ist Konrad dabei, doch was als Spaß und Abenteuer geplant war, entwickelt sich zur Katastrophe: Katharina ist sauer, redet nur das Nötigste mit den beiden und selbst die aufs wesentliche komprimierte Konversation erscheint erwzungen und für alle Beteiligten höchst unangenehm.

Dem Autor ist es meisterlich gelungen, das Gefühl einer verloren gegangenen Freundschaft einzufangen: man hat sich nichts mehr zu sagen, versucht sich an Erinnerungen zu klammern und bekommt immer wieder vor Augen gehalten, dass es niemals wieder wie früher sein wird. Dies alles verpackt Rammstedt in eine amüsante, atemlose, aber immer mit einer Grundmelancholie versehene Sprache, die soviel Wahrheit in sich trägt, dass man jeden Satz mit höchster Aufmerksamkeit liest, aus Angst, auch nur das kleinste Detail zu verpassen. "Man möchte Rammstedt ständig zitieren", schreibt die Frankfurter Rundschau im Klappentext. Dass das stimmt, zeigt beispielsweise folgendes Zitat: "Wir liefen, bis wir das Meer erreicht hatten [...], und ich setzte an, um etwas zu sagen, etwas Großes am besten, etwas Entscheidendes, etwas, das der Ausnamhesituation endlich gerecht würde; es dürfte ruhig etwas pompös ausfallen, das wäre nicht schlimm, der Wind würde es sofort verwehen und nichts stände im Raum. Doch mir fiel nichts ein, beim besten Willen nicht, aber da ich schon einmal angesetzt hatte, musste ich auch auf jeden Fall etwas sagen, ich fragte: 'Ist das eigentlich der Atlantik?', und der Wind verwehte es sofort, auch Konrads 'Ja' verwehte er, nur bei Katharina hatte er wieder einmal nichts zu tun, blies ihr nur ein paar Haarsträhnen ins Gesicht, die sie sich dann hinters Ohr strich, auch wenn sie dort nicht hielten [...]."

Man ahnt, dass die Einladung nicht nur Beginn ist. Sie ist ebenso Abgesang auf etwas, das sich nicht mehr greifen lässt, als auch schleichender Neuanfang. Tilman Rammstedt, u.a. mit dem Rheinischen Kulturförderpreis und dem Kasseler Literaturförderpreis für grotesken Humor ausgezeichnet, ist mit diesem Roman ein wunderbares Stück philosophischer, poetischer, aber auch unterhaltsamer Literatur gelungen.

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Der Autor begeistert mich mit der Bildhaftigkeit seiner Sprache immer wieder aufs Neue. Die Vielseitigkeit und Varianz seiner Wortwahl ist unvergleichlich und weckt im Leser das Bedürfnis, jedes Wort, jeden Satz genau zu lesen, um nichts zu verpassen. Beinahe jeder Satz kann für sich allein stehen. Rammstedt benötigt in seinem Werk keine große, weitschweifende Handlung. Seine Königsdisziplin ist das Wort. Das einzelne Wort in immer wieder neuen, überraschenden, witzigen Abwandlungen. Dadurch entsteht eine Tiefe in der Geschichte, die keine Knalleffekte benötigt. Das Innereste eines Menschen wird beleuchtet, ausgeleuchtet. Seine Gedanken, Gedankengänge, Gedankenschlangen. Bei Rammstedt macht das Lesen einfach wieder Spaß. Ein fantastischer Erzähler.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Mal lesen, dachte ich, was der Gewinner des Bachmann-Preises 2008 da so zu bieten hat.
Und dann das: Wie kann man eine Geschichte schreiben, in der der Ich-Erzähler (Felix) im ersten Kapitel grübelnd, aber ratlos am Meer steht, und im letzten, dem 19. Kapitel, steht er dort noch immer (fast) ohne Ergebnis?
Na gut, dass Felix' Hirn nicht nur Allerweltsgedanken produziert, zeigt schon der erste Satz des Romans: >Auch das Meer ist nicht gut in Entscheidungen.< Eigentlich sollte man als Leser schon hier seine Wahl treffen, ob man sich auf so etwas einlassen möchte oder nicht.
Viel passiert wirklich nicht. Wer Action im Sinne von James Bond liebt, wird gewiss nicht auf seine Kosten kommen. Und wer einen Ratgeber für das eigene Leben erwartet, auch nicht.
Zu fesseln vermag die Geschichte erst, wenn man sich auf Felix' Art zu denken (und zu fühlen) eingelassen hat: >Das Meer muss aber auch gar nichts entscheiden, ich muss etwas entscheiden, und dabei ist das Meer keine große Hilfe.<
Interessant - und amüsant - ist aber vor allem die Bandbreite von Felix' Gedanken, seine akribische Verweigerung, sich auf inhaltsarme Redensarten einzulassen (>Um es kurz zu machen, ja.< >Und um es lang zu machen?<), seine bis ans Groteske reichende Betroffenheit (z.B. als er von der Existenz einer Nichte seines Freundes Konrad überrascht wird: >[...] wenn da dann plötzlich eine Nichte auftaucht, dann fragt man sich leicht, wovon man sonst alles nichts weiß, [...] ob Konrad vielleicht sogar eigene Kinder hatte, [...] ob Konrad überhaupt sein richtiger Name war.<)
Die Ironie des Autors macht das Lamento des Protagonisten erst erträglich, und so entsteht - wenn man sich mit Muße darauf einlässt - tatsächlich eine kurzweilige Geschichte daraus. Man wird nach der Lektüre die Welt nicht besser verstehen als vorher, aber man kann ein paar recht vergnügliche Stunden verbracht haben...
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Veröffentlicht am 18. Dezember 2005 von Carl-heinrich Bock
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