Wer interessiert sich heute für Helgoland, außer Badegästen und Lungekranken? Dass die Insel über lange Zeit Spielball von Machtinteressen war, wer kann es sich heute noch vorstellen? Und doch, vor nicht allzulanger Zeit wurde noch echte Geschichte geschrieben auf dem kleinen Eiland in der Nordsee. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Insel von den Briten, die im Kriege von der auf ihr befindlichen Seefestung bedroht worden waren, in Beschlag genommen, die Bevölkerung evakuiert und das Eiland fortan für sechs Jahre als Bombenabwurfziel mißbraucht. Man versuchte sogar, mit der größten nichtatomaren Sprengung der Welt alles dem Erd- bzw. Seeboden gleichzumachen. In die unzufriedene Stimmung der Deutschen platzte die erste friedliche Besetzung der Insel am 20.12.1950, kurz vor Weihnachten also, durch die beiden Heidelberger Studenten René Leudesdorff und Georg von Hatzfeld wie eine Bombe ganz anderen Kalibers. Sie sollte die Initialzündung für eine Welle der Unterstützung auf verschiedensten Ebenen und mit den verschiedensten Mitteln sein. Schon im Schatten des Ost-West-Konfliktes, gelang es der aus der Aktion der beiden gewachsenen Bewegung zur Befreiung der Insel, bis zum 1.3.1952 die Freigabe für die Helgoländer Bevölkerung zu erreichen. Von der großen Politik zunächst vergessen, wurden Leudesdorf und von Hatzfeld dafür mit dem Verdienstkreuz 1.Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Leudesdorff läßt in seinem Buch die Geschehnisse so plastisch und krimiartig (wie auch im Untertitel proklamiert) erstehen, dass man geradezu selbst im klapprigen Fischkutter zur Überfahrt zu sitzen glaubt. Auch als Anschauungsstück, wie weitreichend politische Veränderungen eine Vielzahl von Personen in Politik und Gesellschaft involvieren, ist das Buch zu empfehlen. Ein nahezu vergessenes Stück deutscher Geschichte - unbedingt lesenswert!