Aus der Amazon.de-Redaktion
Mit den ersten beiden Alben,
Kinderzimmer Productions (1994) und
Im Auftrag Ewiger Jugend Und Glückseligkeit (1996), avancierte das Duo aus Ulm zu den größten Hoffnungen der deutschen HipHop-Szene. Das hohe Niveau konnten sie mit
Die Hohe Kunst Der Tiefen Schläge dann leider nicht halten. Auf ihrem vierten Longplayer kehren Quasi Modo alias Sascha Klammt und Textor alias Henrik von Holtum nun in alter Frische zurück. Auch ihr außergewöhnlicher Humor hat in den letzten Jahren keinen Schaden genommen, denn das Duo brilliert auch diesmal wieder mit Texten, die die Konkurrenz in jeder Hinsicht reichlich alt ausschauen lassen. Dabei verzichtet Kinderzimmer Productions erneut ganz bewusst auf alle im deutschsprachigen HipHop leider noch immer üblichen Klischees. Unbekümmert sampeln sich die beiden in Stücken wie " Von Links Nach Rechts" und "Quasi Modo Lost Control" durch die Musikgeschichte. Die zehn Songs klingen gewohnt leichtfüßig und elegant, allen voran das mithilfe von Switcheroony, Tek Beton und Klaus eingespielte "Deck Das Dach Ab", bei dem die Beats noch ein wenig schräger als sonst ausfallen.
--Norbert Schiegl
INTRO
Das Verhältnis zwischen Mr. HipHop und diesen netten Jungs aus Ulm ist gespannter denn je. Äußerlich, textlich sowie musikalisch stehen Textor und Quasi Modo dem Style-Diktat der Szene kritisch gegenüber. Das war schon immer so, manifestiert sich 2002 allerdings in einem ungewohnt sperrigen vierten Album. Natürlich sind ihre Beats von jeher bewusst rumpeliger angelegt, die Sounds nicht ganz so sauber gecuttet, das Sample-Spektrum breiter und die Texte meist weit gehaltvoller als bei der Konkurrenz. So wurden Kinderzimmer Productions schnell zur Lieblings-HipHop-Band aller HipHop-Muffel. Das geht natürlich zu Lasten der Club-Kompatibilität und provoziert argwöhnische Blicke seitens der selbsternannten Gralshüter des deutschen Rap. Zu Unrecht, denn diese Jungs aus dem Süddeutschen sind nicht weniger HipHop als die von ihnen gesampleten und viel zitierten Vorbilder aus den USA. Doch wer erneut ein locker-leichtes Album mit Oldschool-Attitude erwartet, wird sicher enttäuscht werden. Während der Titel-Track und auch die erste Single "Mikrofonform" noch auf die letzte Platte "Die Hohe Kunst Der Tiefen Schläge" gepasst hätten, wird ansonsten ein anderer Ton angeschlagen, werden andere Saiten aufgezogen. Was jedoch zuerst wie hyper-verschrobenes Sound- und Beatgebastel wirkt, erweist sich bei wiederholtem Anhören als eine Ausweitung der Freiheiten, die sich das Duo sowieso schon immer genommen hat. Die einengenden HipHop-Grenzen werden zu allen Seiten überschritten. Beat-Orgien Marke DJ Shadow stehen neben noch freieren und sehr komplexen Ausuferungen. Der Jazz-Aspekt rückt weiter ins Zentrum. This is Quasi Modos Definition of a boombastic Jazz-Style. Man könnte meinen, die Samples verselbständigen sich und übernehmen das Kommando über die Tracks. Aber Vorsicht: Diese Platte ist weder etwas für frühschoppende Swing-Fans noch für Freunde abstrakter Musik. Um die Balance zu halten, gleichen sie das Gefrickel durch eine beinahe brachiale Härte aus, die man bisher von ihnen nicht gewohnt war. Mitverantwortlich hierfür ist ein äußerst merkwürdiger Jugendfreund, den Textor zum Battle lud. Gewaltbereit macht dieser dann als "der große Switcheroony" so richtig auf derbe. Daneben würden Typen wie Ferris alt aussehen. So etwas möchte keine Mutter aus dem First Sony im Kinderzimmer ihres Jüngsten hören.
Joachim Schaake / Intro - Musik & so
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