Mit diesem bereits vierten Album setzt sich der Mytos von Textor und DJ Quasimodo fort, gerade bei "Wir sind da wo oben ist" schaffen sie es wieder sehr stark, diese unheimliche Magie des zweiten und HipHop-monumentalen Albums "Im Auftrag ewiger Jugend und Glückseligkeit" erneut einzufangen. Sie lassen eine unglaubliche Vielfalt bei ihren Beats und Texten erkennen, und ein Jazz-Liebhabertum, das mir schmeichelt, da ich diese Platten auch so liebe: zum Beispiel haben sie bei "Von links nach rechts" die Basslinie und den Chorus von John Coltrane's furiosem "A Love Supreme" benutzt (von dem auch schon Maximillian von FK in "Erste Schritte" gerappt hat: "...in der Bergmannstraße kauf ich Love Supreme..."). Statt A Love Supreme singen sie Von links nach rechts, der Text dazu ist genial. Nie haben es deutschsprachige Rap-Musiker so gut verstanden, geniale Texte auf Beats zu packen. Unglaublich schön auch "Nie wieder gut", ein treibender Rhythmus, ein melancholischer Text, bei dem selbst der eigene Vater auf Krasseste gedisst wird (nicht so auf "Yo, Yo!", sondern sachlich und daher unheimlich). Bei "Merkwürdig / Unangenehm" konzentriert sich das Hadern mit dem Leben (ich sag nur: "I've Got A Right To Sing The Blues") schon in dem Titel selbst. Gigantisch.
Was Kinderzimmer Productions, auf diesem Album auch endlich wieder mal mit alten Freunden vereint (Switcheroony, Klaus, Jürgen das Tier), hier bieten, können vom dadurch hinterlassenen Kulturgut nur Tobi & Bo sowie Blumentopf und eins, zwo erreichen. Und wie gesagt, das zweite Album ist nochmal dopppelt so gut wie dieses.
Was ich mir aber wirklich frage: wo ist 63T abgeblieben? Bis 1996 hatte keiner so ein gekonntes Ächz-Stöhn-Geräusch am Ende seines Raps gebracht, wie er.