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5.0 von 5 Sternen
Ein Testament der Angst, 1. September 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Wir Maschine (Gebundene Ausgabe)
Der Roman, mit dem "Tristesse Royale"-Initiator Joachim Bessing nun debütiert, ist als Text zeitgemäss, modern und dabei zugleich hochmoralisch und anständig. Bessing hat seine Vorbilder Bret Easton Ellis und Michel Houellebecq nicht - wie viele andere - nur oberflächlich rezipiert, sondern sie und ihre moralisierende Botschaft ernstgenommen. Der Titel "Wir-Maschine", der sich wohl an den Blumfeld-Albumtitel "Ich-Maschine" anlehnt, deutet die Kernbotschaft des Buches an: Die individuelle Glückssuche, das Genussstreben unserer Zeit führt nur zu Verkommenheit und Untergang. Dem stellt Bessing eine Vision der kollektiven, gemeinschaftlichen Zerstörung entgegen, auf dessen Fundament etwas neues, besseres entstehen könnte. In einer bilderreichen Sprache kartographiert Bessing den Zerfall der oberflächlich-faschistischen Welt eines jungen Werbers. Die Stimmung des Romans erinnert ein wenig an Ingo Niermann, der mit seinem "Effekt" dieses Jahr ein ähnlich verstörendes Debüt wie Bessing vorgelegt hat. Hier sind junge Autoren am Werk, deren Schaffen sich nicht im Thema "Pop" erschöpft, sondern die wirklich etwas zu sagen haben. Nur haben das die Feuilletonredakteure leider noch nicht bemerkt.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sprung geschafft, 4. Februar 2002
Rezension bezieht sich auf: Wir Maschine (Gebundene Ausgabe)
Man hätte ja meinen können, dass Joachim Bessing nach der allgemein doch recht vernichtenden Kritik zu "Tristesse Royale" von so gut wie allen Seiten (sogar die Frau des Bundespräsidenten schaltete sich ein) klein beigeben würde und es bei einem popliterarischen Ausflug hätte belassen wollen. Ein Glück, dass er so nicht verfahren hat: Mit "Wir Machine" gestand Bessing, der sich immer wieder darüber beschwert hatte, von der Kritik als Schriftsteller nicht ernst genommen zu werden, wohl ein, dass der Versuch mit "Tristesse", also mit einer Mischung aus großer Traurigkeit und Unterhaltung, Gesellschaftskritik zu leisten, fehlgeschlagen war; es war wohl des (und davon bin ich überzeugt: aufgesetzten) Schnöseltums zu viel, das sich die Herren im Adlon geleistet hatten, also versuchte es Bessing ein zweites Mal, und diesesmal drastischer und nachvollziehbarer: Die Geschichte Gumbos, des Protagonisten der "Wir Machine", ist die Geschichte eines Aufstiegs aus einfachen Verhältnissen, der Prostitution in der Welt der Werbung und der anschließenden Desillusionierung, des Niedergangs, der Selbstvernichtung. Im Prinzip also ein exemplarischer Ausriss des Zustands, den Bessing und sein geladener Adlon-Kreis nicht, wie es häufig verstanden wurde, feierte, sondern sezierte. Sympathisch macht diesen zweiten Botschaftsversuch vor allem die hin und wieder selbstironische Form, die Bessing wählt. In einer Szene etwa beschreibt er den in einer Straßenbahn sitzenden Gumbo, der sich das so leere wie nervige Gefasel eines schnöseligen Jugendlichen nicht lange anhört und ihn mit den Worten "Halt doch bitte endlich die Fresse, bitte" abserviert. Souveräner gehts nicht. Glückwunsch, Herr Bessing.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
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Finsternis. Einsamkeit. Endzeit., 15. September 2003
Eines vorweg: Den deutschsprachigen Pop-Literaten bin ich persönlich mit Haut und Haaren verfallen, seit dem ich Faserland von Christian Kracht gelesen habe! Ich liebe diese hintergründige, gesellschaftskritische und sehr einfühlsame Art und Weise, in der die Autoren den Lesern ihr Anliegen verdeutlichen einfach über alles! Joachim Bessing schafft es in diesem, Ende 2001 veröffentlichten Roman, perfekt, seinen eigenen Stil zu etablieren, ohne dabei bei Christian Kracht abzukupfern, aber trotzdem dieselbe, starke Aussagekraft einzufangen, die man schon in Faserland vorfand. Jedoch sollte man nicht den Fehler begehen, Bessing`s Wir Maschine mit Kracht`s Faserland zu vergleichen, gerade wegen des unterschiedlichen Schreibstils. In Bessing`s Roman spielt kein namenloser Ich-Erzähler die Hauptrolle, vielmehr stehen hier vier Personen im Mittelpunkt des Geschehens, deren Handlungsstränge auf mehr oder weniger lohse Art und Weise miteinander verknüpft sind. Die Handlung ist angesiedelt in der Werbebranche. Der Roman spielt in Hamburg(für mich als Hamburger übrigens sehr interessant) und teilweise in München. Das regnerische, dunkle Hamburg steht in starkem Kontrast zu dem sonnigen, hellen München. Hamburg - Ort der Traurigkeit und des Verfalls. In fast schon utopischer Form prophezeiht Bessing in seinem Roman die Apokalypse, nach der nichts mehr so sein wird wie vorher. Hier und da fliegen scheinbar grundlos ein paar Gebäude in die Luft, in einem leeren und verlassenen Theatersaal spricht die Stimme eines Unsichtbaren, den es vielleicht gar nicht gibt und auch nie geben wird: Kurzum - Finsternis, Einsamkeit und Endzeit. Wir Maschine ist Joachim Bessing`s erster Roman, der sofort nach seiner Veröffentlichung heiß diskutiert wurde. Bis in das Haus des deutschen Bundespräsidenten bahnte sich Bessing`s stark linksorientierte Prosa den Weg, um schon nach kurzer Zeit ein negatives Statement der Frau des Präsidenten zu erhalten. Aber jeder Mensch hat nunmal die Möglichkeit, sich die Literatur auszusuchen, die er für richtig hält, da hilft auch kein lautes "Nein" von ganz Oben! Ich jedenfalls wünsche mir, nicht der einzige zu sein, der laut "Ja" zu dieser Art von Literatur sagt. Meiner Meinung nach ist Literatur dann gut, wenn sie dem Leser etwas gibt. Dieses Buch gibt dem Leser etwas, und zwar genau die Dinge, die das Gegenteil zu Finsternis, Einsamkeit und Endzeit sind. Ich habe in diesem Buch jedenfalls einen neuen Freund gefunden!
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