Eines vorweg: Den deutschsprachigen Pop-Literaten bin ich persönlich mit Haut und Haaren verfallen, seit dem ich Faserland von Christian Kracht gelesen habe! Ich liebe diese hintergründige, gesellschaftskritische und sehr einfühlsame Art und Weise, in der die Autoren den Lesern ihr Anliegen verdeutlichen einfach über alles!
Joachim Bessing schafft es in diesem, Ende 2001 veröffentlichten Roman, perfekt, seinen eigenen Stil zu etablieren, ohne dabei bei Christian Kracht abzukupfern, aber trotzdem dieselbe, starke Aussagekraft einzufangen, die man schon in Faserland vorfand.
Jedoch sollte man nicht den Fehler begehen, Bessing`s Wir Maschine mit Kracht`s Faserland zu vergleichen, gerade wegen des unterschiedlichen Schreibstils. In Bessing`s Roman spielt kein namenloser Ich-Erzähler die Hauptrolle, vielmehr stehen hier vier Personen im Mittelpunkt des Geschehens, deren Handlungsstränge auf mehr oder weniger lohse Art und Weise miteinander verknüpft sind. Die Handlung ist angesiedelt in der Werbebranche. Der Roman spielt in Hamburg(für mich als Hamburger übrigens sehr interessant) und teilweise in München. Das regnerische, dunkle Hamburg steht in starkem Kontrast zu dem sonnigen, hellen München. Hamburg - Ort der Traurigkeit und des Verfalls. In fast schon utopischer Form prophezeiht Bessing in seinem Roman die Apokalypse, nach der nichts mehr so sein wird wie vorher. Hier und da fliegen scheinbar grundlos ein paar Gebäude in die Luft, in einem leeren und verlassenen Theatersaal spricht die Stimme eines Unsichtbaren, den es vielleicht gar nicht gibt und auch nie geben wird: Kurzum - Finsternis, Einsamkeit und Endzeit.
Wir Maschine ist Joachim Bessing`s erster Roman, der sofort nach seiner Veröffentlichung heiß diskutiert wurde. Bis in das Haus des deutschen Bundespräsidenten bahnte sich Bessing`s stark linksorientierte Prosa den Weg, um schon nach kurzer Zeit ein negatives Statement der Frau des Präsidenten zu erhalten. Aber jeder Mensch hat nunmal die Möglichkeit, sich die Literatur auszusuchen, die er für richtig hält, da hilft auch kein lautes "Nein" von ganz Oben! Ich jedenfalls wünsche mir, nicht der einzige zu sein, der laut "Ja" zu dieser Art von Literatur sagt. Meiner Meinung nach ist Literatur dann gut, wenn sie dem Leser etwas gibt. Dieses Buch gibt dem Leser etwas, und zwar genau die Dinge, die das Gegenteil zu Finsternis, Einsamkeit und Endzeit sind. Ich habe in diesem Buch jedenfalls einen neuen Freund gefunden!