Klappentext
Als selbst Verteidigung nur noch Blutvergießen war, zwangen Unverantwortliche auch noch Schulkinder zum Dienst als Soldaten. Zur Tarnung nannten sie die Kinder "Helfer". Einer der vielen, Wolfgang von Buch, nennt sie Kindersoldaten. Er schildert den Alltag der Neuntklässler, die Diskrepanz zwischen Gelerntem und nun Gefordertem sowie ihren Überlebensinstinkt. Aus der Einleitung Richard von Weizsäckers Je länger der zweite Weltkrieg dauerte und je verlustreicher er wurde, desto hemmungsloser wurden die Rekrutierungsmaßnahmen der nationalsozialistischen Führung. Zugunsten der Front wurde die Heimat "ausgekämmt". Ohne Rücksicht auf ihre Kräfte wurden alte Männer im sogenannten Volkssturm eingesetzt. Kaum Genesene erhielten neue Marschbefehle. Und nicht nur Jünglinge, sondern Kinder wurden zu Soldaten gemacht. Über fünfzig Jahre später berichtet eines dieser damaligen Kinder von seinen Erfahrungen. Soviel wir schon selbst erlebt oder gehört, gelesen und diskutiert haben - dieser Bericht eines Kindersoldaten vermittelt uns ganz eigenartige und außergewöhnliche Einsichten, auch mir, der ich seit einem halben Jahrhundert mit dem Verfasser befreundet bin. Was wir hier lesen, ist nicht erdacht oder durch ein Sieb der Erinnerung verfremdet, nicht komponiert, sondern erlebt... Das Erstaunliche sind die inneren Kräfte, die Maßstäbe und sozialen Bezüge eines ganz jungen Menschen, die ihn die Haltung finden lassen, um den glücklicherweise heute unvorstellbar gewordenen Strapazen für Körper und Seele nicht zu erliegen. Was der Autor durchmachte, wird sich so nicht wiederholen. Keine Katastrophe ist eine Kopie der vorangegangenen. Und doch gilt sein Bericht jeder Gegenwart neu heranwachsender Generationen, weil er Auskunft darüber gibt, welche lebensspendenden Kräfte ein Kind auf dem Weg zum jungen Manne enfalten kann. Wolfgang von Buch spricht nicht über die eigene Person. Um so eindringlicher schildert er die Lebensbedingungen und die Zeiten, die ihn prägten. Er nennt sie einfach nur die "Begleiter" des Kindersoldaten. Sie werden zum Schlüsselbegriff für das Buch. "Begleiter" in seinem Sinne verlassen uns nicht, ob er sie nun der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft zurechnet. Er macht uns mit der Familie vertraut, mit ihrer Unabhängigkeit unter märkischen und dörflichen Verhältnissen, mit den Leuten auf dem Land, ihrer unbestechlichen und genauen Beobachtungsgabe, ihren Jahreszeiten, den Äckern, Früchten, Geräuschen, Gerüchen und Tieren. Für den Leser bildet sich ein unvergeßliches Bild von einer heute nur noch wenig bekannten, gelegentlich durch Vorurteile entstellten und wohl unwiederholbaren Lebensform... Kinder sind nicht nur die empfindlichsten Opfer des Krieges - bis heute werden sie immer wieder als Soldaten auf die Schlachtfelder der Welt geschickt. Wolfgang von Buch gehört zu denen, die in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges abrupt der Kindheit entrissen wurden und in eine sinnlose Kriegsmaschinerie gerieten. In seinen Erinnerungen schildert er das Leben und Überleben der "Kindersoldaten", ihre Träume und vor allem den Kampf um die eigene Zukunft. Von Buch war Schüler, Luftwaffenhelfer, Grenadier bei der "Schlacht um Berlin" und Gefangener der Roten Armee. Er erlebte Bombardements und Straßenkämpfe, Hunger und Lebensgefahr, aber auch Momente paradoxer Normalität. Was seine Erinnerungen aus der Memoirenliteratur über diese Zeit heraushebt, ist der unverstellte Blick des Kindes: Das Erleben war intensiver, die Beobachtung wacher als bei "den Erwachsenen", ohne den stumpfen Firnis der Gewöhnung. Reflexionen, Rückblenden und Assoziationen verdeutlichen, wie nachhaltig die äußeren Ereignisse das Innere prägten. "Erinnerungen begleiten uns, leben mit uns und verändern sich mit uns. Wir überleben, weil wir uns für die Zukunft entscheiden müssen, ehe wir sie kennen."