Vor ca. 14 Jahren haben wir damals im Gymnasium den Film "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" im Religionsunterricht gesehen. Der Zweck war damals, dass wir zum Thema Drogen aufgeklärt und entsprechend abgeschreckt werden.
Wenn ich an meine Gefühle von damals denke, dann erinnere ich mich daran, dass ich gar nicht wirklich abgeschreckt war, sondern dass der Film damals eine gewisse Romantik vermittelte. So ging es damals sehr vielen bei uns in der Klasse, denn wir diskutierten sehr intensiv darüber. Für eine "labilere" Person oder eine, die nicht weiß, wie sie mit den eigenen Problemen umgehen soll, wäre der Film vielleicht noch eher Ansporn gewesen. GENAU DAS war damals meine Meinung.
Nun, 14 Jahre später, habe ich mich entschlossen, doch mal das Buch zu lesen. Und von diesem war ich mehr als beeindruckt. Ich habe kaum ein anderes Buch gelesen, in dem besser beschrieben ist, wie eines nach dem anderen dazu führt, dass man immer tiefer im Drogensumpf versinkt.
Nachdem ich das Buch fertig gelesen habe, besorgte ich mir nochmal den Film "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Und nun - nach so langer Zeit - empfand ich den Film ganz anders als noch vor 14 Jahren. Ich sah keinen Funken mehr von Romantik darin, die Bilder waren ekelhaft und abstoßend.
Eine Sache war mir aber sofort klar: Ich verstand 100%ig, warum die echte Christiane F. nicht sehr zufrieden mit dem Film war.
Das Buch beschreibt nämlich wie alles begann, es beschreibt die Welt, in der Christiane aufgewachsen ist. Es zeigt, wie die Umgebung damals in Berlin in der Gropiusstadt war. Christiane erzählt in ihrem Buch das ganze Milieu, die deprimierende Grundstimmung, die Probleme in der Familie...
Auch die Beziehungen / Freundschaften werden im Film teilweise verfälscht oder ganz anders dargestellt als im Buch.
Im Film wird nicht im geringsten darauf eingegangen, wie Christiane ihren ersten Drogenkontakt hatte. Nämlich dass sie schon im evangelischen Jugendzentrum zu Haschisch und Tabletten gekommen ist - zum Teil aus Gruppendynamik, zum Teil aus Neugierde und auch weil sie eine starke Abneigung zu Alkohol hatte und Drogenkonsum im Vergleich als viel "erhabener" empfand. Der Film setzt zu einem Zeitpunkt ein, wo schon viel zu viel "für die Drogenkarriere prägendes" passiert ist, was nicht einmal erwähnt wird.
Im Buch jedoch wird genau beschrieben, was wirklich in Christiane vor ging - was sie empfand, was sie immer weiter sinken ließ... wie sie dann doch am Babystrich landete...
und wie schwer es immer wieder fiel einen Absprung zu schaffen.
Das Buch ist ein echter Klassiker, den man gelesen haben muß. Denn kein anderes Buch beschreibt den Weg zur Sucht so intensiv und bewegend.