Die 13-jährige Hetty wird 1944 zusammen mit ihren beiden jüngeren Brüdern sowie ihren Eltern ins KZ Bergen-Belsen deportiert. Dort werden die Kinder nach einigen Monaten von ihren Eltern getrennt, welche mit separaten Transporten von Bergen-Belsen mit unbekanntem Ziel weitertransportiert werden. Fortan trägt die junge Hetty die große Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister alleine. Es gilt, das eigene Leben und das der Brüder hindurchzuretten durch quälenden Hunger, durch Kälte, schwere Infektionskrankheiten, Parasitenbefall und die allgegenwärtige Lebensgefahr, die von den menschenverachtenden Nazis ausgeht. Letzere machen nicht einmal Halt davor, in einen Saal voller Kinder einzudringen und auf diese einzuschlagen.
Ob es darum geht, ausgehungerte, entkräftete und kaum bekleidete Menschen in der Kälte zum 9-stündigen Appell antreten zu lassen oder einzelne halb oder ganz totzuschlagen, als Leser gilt es, eine Menge zu verarbeiten. Umso schwerer wiegt die Tatsache, daß die geschilderten Greuel sich vor den Augen eines Kinder abspielten bzw. seiner Seele und leider auch seinem Körper widerfahren sind. Hettys Geschichte als Erwachsener zu lesen, geht an die Substanz. Sie als Hetty durchlebt haben zu müssen,
war Hölle auf Erden.
Von Hettys Mut und ihrer Hingabe an die vielen anderen Kinder, die von ihren Eltern getrennt wurden, handelt dieser Bericht. Aber auch von dem starken Zusammenhalt und der ebenso starken gegenseitigen Hilfe der Kleinen, den ich Kindern so nicht zugetraut hätte. Konnten z. B. einige der Kinder vor Entkräftung ihre Eingeweide nicht mehr in sich behalten, kamen andere ihnen zu Hilfe und verhalfen den Eingeweiden zurück ins Körperinnere. Das Wort "erschütternd" reicht bei weitem nicht aus, um den Alltag dieser geschundenen Menschenkinder zu beschreiben.
Hetty überlebt Bergen-Belsen, und besonders ergreifend empfand ich die Stelle, die von der leeren Patronenhülse handelt. Diese Patronenhülse stammt von einem Kanonengeschoß. mit welchem die Briten das Ende des Krieges feierten. Hetty streichelt diese Hülse, sie küsst sie, und sie gehört zu den wenigen Habseligkeiten, die das Mädchen am Ende in einem leeren Kissenbezug beisammenhält.
Ob ihre beiden Brüder, ihre Mutter und ihr Vater den Holocaust überleben, diese Frage trieb mich manches Mal um, während ich Seite um Seite dieses Berichtes verschlang. Diese Fragen werden beantwortet, ich möchte aber an dieser Stelle nichts vorwegnehmen.
Ein sehr gut geschriebener Bericht, der aber auch den erwachsenen Leser in der Seele zutiefst erschüttern kann. Daher möchte ich gerade den Eltern empfehlen, das Buch zunächst selbst zu lesen, bevor sie es eventuell als Lektüre für ihre Kinder auswählen, nicht zuletzt um ihnen zu helfen das als Leser zu verarbeiten, was Hetty und "Lubas Kinder" in Bergen-Belsen am eigenen Leib durchmachen mußten.
Mögen die Kinder von Bergen-Belsen viel, viel heilende Liebe in ihrem weiteren Leben erfahren haben und noch erfahren, das wünsche ich ihnen von ganzem Herzen