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Schon 1920 entwarf Samjatin (1884-1937), von der Revolution enttäuscht, in seinem Roman die alptraumhafte Welt eines totalitären Staates. D 503, Bürger des Einzigen Staates und Konstrukteur des Raketenweltraumschiffes Integral, berichtet in seinem Tagebuch vom Leben in einer strahlenden, kristallen durchsichtigen Stadt, in der die Bürger als uniformierte Nummern leben. Von der Arbeit bis zur Liebe ist das Leben streng nach mathematischen Gesetzen organisiert, jede Regung wird beobachtet und kontrolliert. Doch D 503 entdeckt in sich dunkle Triebe aus einer längst vergangenen Zeit - bei ihm hat sich "eine Seele gebildet". Die ganze seelische Ordnung der technischen Welt gerät durcheinander.
»Ein Buch, das allen Dogmatikern und Menschheitsbeglückern gleich welcher Couleur sowie ihren Anhängern zur Pflichtlektüre gemacht werden sollte.«
Die Zeit
Wie "1984", "Brave New World" und "Fahrenheit 451" gehört - nein begründet! - Samjatins Roman die Tradition kulturkritischer Zukunftsromane, in denen es um die Bedrohung des Individuums in einer vollkommen technisierten und totalitären Welt geht.
Die Parallelen zu Orwells "1984" sind unübersehbar. Beide, Samjatin wie Orwell, sind enttäuschte Sozialisten und Revolutionäre, die sich von ihrem Staat abgewandt haben. Beide fordern das Recht auf Glück. Die irreguläre Liebe des Konstrukteurs und Mathematikers D-503 zu der Revolutionärin I-330 kehrt bei Orwell in der Liebe von Winston Smith und Julia wieder.
... Lesen Sie weiter... ›In diesem Szenario wird dem Konstrukteur D-503 - Menschen haben keine Namen mehr - bewusst, dass es außerhalb der Mathematik noch mehr Dinge geben muss. Er lernt in I-330 eine Revolutionärin kennen, die ihm nicht nur in der Natur die Irrationalitäten des Lebens aufzeigt. D-503 schließt sich einer Untergrundbewegung an und nimmt an einem Putschversuch teil, der jedoch fehlschlägt. Er wird verhaftet, wieder konditioniert und in die mathematische Welt zurückgeführt.
Die Parallelen zu Orwell's "1984" sind frappierend - die beschriebenen totalitären Umstände sind ähnlich, "Big Brother" entspricht dem "Wohltäter", Winston Smith entwickelt sich exakt wie D-503 und mit Julia zeigt sich auch hier die Revolution durch eine Frau: Liebe und Begehren lassen sich durch rationale Parteiargumentation nicht unterdrücken. Da "WIR" in den damaligen politisch interessierten Kreisen ein Bestseller war, kann man mit Sicherheit sagen, dass Orwell durch diesen Roman inspiriert worden ist. Vom reinen Lesen her gefiel mir "1984" besser, Orwell hat die Idee von "WIR" übernommen, feingetuned und bestimmte Situationen noch mehr zugespitzt.
... Lesen Sie weiter... ›Es gefiel mir besser als "Orwel, 1984" und "Huxley, schöne neue Welt" die ich schon vorher gelesen hatte. Das liegt wahrscheinlich auch daran, daß man dem Autor anmerkt, daß er nicht nur Schriftsteller, sondern auch Ingenieur ist. Das mag negativ klingen, für mich war und ist es positiv, weil sich für mich (auch Ingenieur) manche Gedankengänge oder auch nur Bezeichnungen auf eine besondere Weise erschließen.
Faszieniert hat mich auch der Zusammenhang zu den anderen genannten Büchern (1984, brave new world). Man sieht Sie nachher in einem anderen Licht.
Nachden ich noch einmal hineingeschaut habe, muß ich zugeben daß "WIR" objektiv gesehen nicht besser ist als "1984" und "Brave new world". Eine besondere Faszination übt es aber nach wie vor auf mich aus. Ich bleibe bei fünf Sternen und werde gleich wieder darin lesen.
Das Leben in der Welt von "Wir" ist fest durchgeplant. Jeder Bürger steht zu einer bestimmten Zeit auf und geht auch zu einer festgelegten zeit schlafen, die Häuser sind zum Zwecke der Selbstüberwachung gläsern, genau wie die Menschen, die in ihnen Leben. Ihr Leben läuft in einem vom Staat festgelegten Plan ab und selbst die Liebe wurde staatlich geregelt. Auf diese Weise soll es möglichst keine "Andersartigkeit" oder "Querdenker" geben und wenn es doch mal so sein sollte, so gibt es auch in dieser Utopie staatliche "Truppen" bzw. "Wächter", die solche Ausflüchte verbieten.
Dieses Buch zeigt auf wundervolle Weise auf, wie wichtig uns das Chaos der Freiheit sein sollte. Gewisse sinnnvolle Regeln und Gesetze sollten nicht einer totalen Kontrolle weichen. Hier sidn die Menschen Gefangene eines Systems und jeder Ausbruchsversuch aus diesem wird ohne eigene Rechte hart verurteilt. Interessant auch die Idee des emotionalen Gefängnisses in dem die Bürger dieser Welt leben. Sogar die Liebe wird ihnen vorgeschrieben, für mich eine Art "Worst case" Szenario.
In einer welt, in der gerade in neuester Zeit um staatliche Konstrollen gestritten wird und sich die Frage aufwirft, wie weit diese gehen dürfen, so zeigt "wir" auf in welche Richtung man sich mit einem solchen Schritt bewegen würde.
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