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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
41 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Nahe am Wasser...,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wir Ertrunkenen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Jensen erzählt die Geschichte, oder besser gesagt, die Geschichten der Stadt Marstal und ihrer Bewohner in der Zeit von 1848 bis 1945. Wie schon im Klappentext beschrieben, beginnt das Ganze mit dem Flug von Laurids Madsen in den Himmel. Mitten im ersten Seegefecht gegen die Deutschen beobachten die Marstaler aus ihrem Rettungsboot, wie bei der Explosion ihres Schiffes Laurids eben diesen beschriebenen Flug vollführt und danach auf beiden Beinen wieder an Deck landet. Es kommt, wie es kommen muss: Laurids wird dadurch zu einer lebenden Legende. Diese und sehr viel mehr Geschichten werden erzählt und es sind so viele, das Buch ist so prall damit gefüllt, dass es schwer fällt, sie auch nur ansatzweise zu schildern oder anzureißen.Das Buch ist in vier Teile gegliedert und nicht nur in diesem ersten Teil beweist Carsten Jensen ganz großes Erzähltalent. Immer ist da ein versteckter Humor zu spüren, wo man eigentlich nur ernste Sätze erwartet - der Leser liest nicht nur die Anekdoten der Marstaler, nein, er erlebt ihre Entstehung mit. Leider kann Jensen diesen Humor nicht bis zum Ende des Buches durchziehen, aber er schafft es meisterhaft, viele verschiedene Handlungen, Zeitstränge und Personen so geschickt miteinander zu verknüpfen, dass man der Geschichte gut folgen kann, ohne sich zu irgendeinem Zeitpunkt zu fragen, wer denn gleich wessen Sohn oder Tochter war. Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist schnörkellos und wenig emotional gehalten, doch gerade dadurch gewinnen die Geschichten an Authentizität und ich fühlte mich als Leserin in die Rolle der interessierten Beobachterin versetzt, die ihre Augen überall hat und die sich aussuchen kann, bei welcher Handlung, welcher Person sie länger verweilen möchte. Ein bemerkenswerter Einfall ist das kollektive"Wir" als Erzählerstimme. Das "Wir" steht für die Bewohner der kleinen Stadt. Es weiß ja alle Dinge, hört und sieht alles und was es nicht weiß, dass wird eben dazu gedichtet und so erfährt man alles von einer "Gesamtstimme", die einem sozusagen den Platz in der ersten Reihe reserviert. Es ist ein Buch, dass vom Leben und vom Sterben erzählt, von Jungen, die zuerst in der Schule und dann an Bord ihrer Schiffe geprügelt wurden, deren Väter nur einmal im Jahr zu Besuch kamen und die ihnen oft seltsam fremd blieben und deren Tod nur allzu oft in einem nüchternen Brief der Reederei mitgeteilt wurde. Es erzählt von den Frauen, die ihre Kinder allein großziehen mussten und von den leeren Friedhöfen der Stadt, da die wenigsten Seemänner ihr Grab an Land fanden - Von der Einsamkeit der Frauen, berichtet es ebenso wie von der Sehnsucht der Männer nach dem Meer und von vielen Abenteuern auf See, wie wir sie aus den großen alten Seefahrergeschichten kennen. Leider wird die Geschichte zum Ende hin immer unglaubwürdiger und da die Handlung bis weit über die Buchmitte sehr realistisch dargestellt wird, ist das mein großer Kritikpunkt. Irgendwann war alles nicht mehr glaubhaft und wirkte auf mich, als habe selbst der Autor nun genug und würde versuchen irgendwie zum Ende zu kommen, was ja auch nach 780 Seiten dann endlich der Fall ist.Trotzdem ein großes und unterhaltsames Buch. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Das letzte Wort gehört dem Meer!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wir Ertrunkenen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Marstal ist die Stadt der Seefahrer - oder vielmehr die Stadt der Kinder und Jugend, jene der Frauen und Witwen, der Abenteurer, der Alten, die schon zulange gelebt haben, der Räuber, Schänder und Unruhestifter, der Mörder und ihrer Rächer, der Verschollenen, der Ertrunkenen und ihrer Hinterbliebenen.Von 1848 bis 1945 erzählen uns die zahlreichen Ertrunkenen - die WIR Erzähler - die Geschichte ihrer Stadt und vor allem ihrer Einwohner - einige davon sollen uns besonders ans Herz wachsen, sie sind schlau, kräftig und von der See häufig verschont. Wir begleiten den Aufschwung Marstals, ihren Gewinn durch die Entwicklungen der Seefahrt während des ersten Weltkrieges, und auch ihren schlussendlichen Verfall - doch dieser soll weder von Zufall noch Welt- und Wirtschaftspolitik herrühren. Schließlich haben die Frauen und Witwen genug von der Trauer um Ehemänner, Söhne und Brüder und boykottieren das Vorankommen der Marstaler Seemannstradition - sehr klug eingefädelt. Dennoch, das letzte Wort gehört dem Meer!!! Der Roman ist sowohl Seefahrer- und Entdeckergeschichte als auch Generationen- und Schelmenroman, er beginnt und endet als Kriegsgeschichte. Die unterschiedlichsten Stimmungen werden hier nicht gemischt, sie treten vielmehr aufeinander folgend in Szene und verwöhnen zumal mit Herzlichkeit und gerissenen, liebenswürdigen Angriffen auf die Lachmuskeln, zumal verbittern sie mit Ungerechtigkeit, Härte und Trauer - sehr bewegend! Das letzte Kapitel ist für mein Verständnis etwas zu lange geraten und wäre ohne klassische Kitschelemente (Wiederbegegnung und große Liebe - hmmmpfff) in den Ausgängen des zweiten Weltkrieges wirkungsvoller. Dennoch ein ganz spannender, erbauender und fließender Abenteuerroman, der bis zur Danksagung nicht loslässt! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
einfach Faszinierend und mitreißend,
Rezension bezieht sich auf: Wir Ertrunkenen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zum Inhalt dieses Buches muss ich nicht mehr viel schreiben. Das haben meine Vorredner ja bereits ausführlich getan. Trotzdem möchte ich es mir nicht verkneifen, dieses Buch mit meiner ersten Amazon-Rezension zu bedenken. Oder, genauer gesagt, mit einer angemessenen Huldigung.Als im Norden geborener und im Süden lebender habe ich die Bindung zu maritimen Themen nie ganz verloren, sie aber auch nicht besonders gepflegt. Das Buch von Carsten Jensen hat diese Bindung wieder aufleben lassen und mir ein Stück Heimat gegeben. Nein, ich bin kein Däne, aber ich kenne den Geschmack von Meersalz auf den Lippen, den Geruch der Ostsee und das Klatschen von Meerwasser am Bug eines Schiffes. Diese Empfindungen und noch viele mehr sind es, die ich durch den Genuss dieses Buches wieder aus meiner Erinnerung hervorholen konnte und wieder leben darf. Ich kann jedem, der mit dem Gedanken spielt, "wir Ertrunkenen" zu lesen, wärmstens raten, dies zu tun. Es nimmt jeden mit auf eine wundervolle Reise durch die Zeit und durch die Welt, in der wir heute noch leben! Es ist kein durchweg schönes Buch, kein durchweg romantisches Buch und auch kein durchweg abenteuerliches Buch. Es ist aber immer ein bisschen was von allem und in allem etwas ganz Besonderes! Also: bestellen, bei leicht gedämpften Licht in eine Wolldecke kuscheln und einfach abtauchen. Ich wette, Sie hören schon nach wenigen Minuten das Knarren der Schiffsbalken und den Wind, der um die Ziegel streicht... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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