Vorweg, meine Bewertung beruht nicht auf Spekulation, sondern ich hatte das Glück, dass Amazon meine Bestellung bereits Mittwoch auf den Postweg geschickt hat und demzufolge heute (donnerstags) die heiß ersehnte Scheibe schon im Kasten war.
Man könnte es kurz fassen - WIR - als Albumtitel - trifft das Gefühl das man beim Hören hat, absolut - kein Einzelwettstreit sondern Teamplay ist das Erfolgsrezept der neuen Platte. Die Soloprojekte der Mitglieder haben der Gruppendynamik sehr gut getan. Man spürt wieder diesen Spirit, die Jungs hatten Spaß beim aufnehmen und schreiben. Dass diesmal gemeinsam und nicht getrennt aufgenommen wurde, spürt man irgendwie. Wer die "Wir bloggen" Beiträge verfolgt hat, weiß was ich meine.
Im Vergleich zur letzten Platte "Musikmaschine" die viele Leute enttäuscht hat(mich nicht), geben die Jungs vom Topf wieder brachial Gas, und das sowohl auf musikalishcer und erst recht auf lyrischer Ebene. Sie zeigen wieder das, was bei mir damals dazu führte, dass ich mich mit dt. Hip Hop ernsthaft auseinandergesetzt habe.
Der Anfang wird von "Systemfuck" eingeleutet - was für ein Track, vollgespickt mit Metaphern aus der Computerwelt mit Bezügen zum normalen Leben. Absolut der Burner und man weiß sofort, die Jungs haben ihre altbekannte Stärke wieder gefunden - da geht was.
Ich möchte aber, um den musikalischen Überraschungseffekt nicht gänzlich zu zerstören, nicht ausführlich über jeden Song reden.
Was auf jeden Fall auffällt, die Songs sind temporeich, musikalisch kantiger aber live gut umzusetzen, was definitiv Abgehgarantie bedeutet.
Mit "Wir" bekommt man eine absolute Rap Platte serviert, die darauf verzichtet, auf Biegen und Brechen anders sein zu wollen und das freut mich echt.
Viele dt. Rapkünstler sind derzeit der Ansicht auf Songwriter, Reggae, oder gar rockig machen zu müssen - was natürlich wieder die Meinung der Leute spaltet.
Wie gesagt, "wir" ist eine 1A Rap Platte mit lyrischer Feinheit bei der auch endlich mal wieder Scratches und Samples zu hören sind - so wie sichs auch ma wieder für ne fette Rap Platte gehört.
Von wegen dt. Rap ist tot - dass ich nicht lache.
Beim Hören der Platte konnte ich es nicht verhindern sofort mit zu nicken und abzugehn.
Thematisch kriegt man wirklich viel geboten, was sich erst mit der Zeit richtig setzt, weils wirklich komplex und doppeldeutig ist. Das gibt aber wenigstens was zum "sich damit auseinandersetzen und befassen" und nicht nur sturer Musikkonsum.
Zudem sind die Themen einerseits durch die Doppelschichtigkeit lustig aber nicht in den Blödel-Rap einzuordnen. Hier geben sich Humor und Verstand die Klinke in die Hand.
Neben den angesprochenen IT-Welt Metaphern in "Systemfuck" gibt es viele Worte mit "Wir", Geschichten zum Räumungsverkauf, Hunger, Väter, nervige Frauen, und und und zu hören. Eben Storys aus dem Leben und kein pseudo Gehtto oder Gangster Getue... eine Wohltat für die Ohren und den Kopf.
Ich bin echt mega geflasht von dem Album - ich habe natürlich ne Grunderwartung gehabt und "Musikmaschine" fand ich nicht wirklich schlecht, aber "Wir" definiert ein neues Level für den Topf...
Auch froh bin ich darüber, dass die ungewisse Situation des neuen Labels - EMI Music - nicht negativ auf den kreativen Schaffensprozess gewirkt hat.
Dies ist nicht nur ein Pflicht-Album, sondern ein Must have für alle sprach- und wortspiel-verliebten Hip Hopper, die mehr als Schimpfworte und Standardfloskeln haben wollen...
Danke ihr Töpfe für dieses 2 scheibige Stück Musik ohne Skits und sonstige Filler.
Sollten sich so manche Künstler allein vom Umfang her mal n Beispiel dran nehmen.