Ich verstehe nicht, warum Frauen oder die Meinungen der Gesellschaft, wie Frauen leben sollten, immer von einem Extrem ins andere schwenken müssen. In diesem Buch wird Kinderkriegen und -erziehen als eine Strafe dargestellt, oder zumindest als ein Opfer, das der-, bzw. diejenige erbringt (natürlich meistens die armen Frauen), der, bzw. die diese undankbare Aufgabe übernimmt. Arbeiten zu gehen dagegen scheint das größte (und erstrebenswerteste) Glück auf Erden zu sein. Das Buch erweckt den Anschein, als würden alle arbeitenden Menschen supertolle Karrieren machen und ihre Arbeit mehr als alles andere lieben (Selbstverwirklichung und so), außer natürlich die paar Frauen, die arbeiten dürfen, aber natürlich nur in schlecht bezahlten und wenig anspruchsvollen Jobs. Dass laut einer rel. aktuellen Gewerkschaftsstudie nur ca. 13 % der Arbeitnehmer mit ihrer Arbeit wirklich zufrieden sind (SPIEGEL ONLINE-Artikel vom 26.6.08), wird dabei natürlich nicht erwähnt. Und dass die meisten meiner Bekannten mit Kindern sich eigentlich mehr Zeit mit ebendiesen wünschen (Männer und Frauen), konnten die Autorinnen natürlich auch nicht wissen.
Ich lebe als österreichische Frau in Berlin und bin es ziemlich leid, mich dauernd rechtfertigen zu müssen, bei meiner 2 1/2-jährigen Tochter 'zu Hause' zu sein. Ich erlebe die Situation also umgekehrt als im Buch dargestellt, und ich denke, dass es in anderen Großstädten sehr ähnlich ist.
Nichtsdestotrotz sehe ich mich selbst als überzeugte Feministin, denn natürlich bin ich auch dafür, dass endlich die Geschlechter wirklich gleiche Rechte haben (auf Arbeit, auf Kinderjahre, auf angemessene Bezahlung, auf Aufstiegschancen, auf Auszeiten, etc.). Revolutionär und neu fand ich diese Themen aber hier leider nicht besprochen. Was daran cool sein soll, wenn man darum kämpft, sein Kind möglichst direkt von der Geburtsklinik in die Kinderkrippe bringen zu können, um zur hoffentlich irgendwann erfolgreichen Karriere zurückzukehren, erschließt sich mir einfach nicht.
Mir sind meine Familie, meine Freunde und meine Freizeit immer noch wichtiger als meine Arbeit. Ich verstehe jeden, bei dem es andersrum ist. Toll für alle, die in ihrer Arbeit total aufgehen und glücklich werden. Die meisten tun es nunmal lt. Umfrage nicht, und ich fände es schön, wenn jeder seinen Lebensplan frei wählen dürfte (Frauen und Männer!), ohne gleich als Workaholic, Rabenmutter oder eben Heimchen vom Herd oder Glucke geächtet oder gar beschimpft zu werden. Dafür würde ich als aktive Feministin kämpfen.