Häufig sehen wir nur die Resultate bahnbrechenden Handelns. Was aber treibt Menschen an, Großes zu tun? Warum bricht der Entdecker in unbekannte Welten auf, warum klettern manche Menschen in die Todeszone jenseits von 8.000 Metern und was treibt den Erfinder an, für eine Idee, für die ihn seine Mitwelt nur belächelt, Vermögen und Reputation aufs Spiel zu setzen?
Manchmal sind es vermeintlich kleine Begebenheiten, die eine Glut entfachen, die einen Menschen ein Leben lang Brennen lässt. Und wie gewunden manch ein Lebenslauf mitunter geraten kann, deuten schon die gewundenen Linien auf dem Cover des Romanes an.
Diesen Gedanken geht K.-H. Ott in seinem jüngsten Roman am Beispiel des Philosophen und aufklärerischen Vordenkers der Erziehungswissenschaft, Jean-Jacques Rousseau, nach.
Der junge Jean-Jacques kommt nicht über die Schmach hinweg, dass, als er von einer Kur zurückkehrt, sein Platz im Bett seiner attraktiven Pflegemutter "Maman" von dem aus Rousseaus Sicht subalternen Friseur und Perückenmacher Wintzenried besetzt, bzw. belegt ist.
Nun hat der junge Jean-jacques selbst auch noch keine all zu großen Erfolge in der Welt vorzuweisen, aber um Maman zu beschämen und um ihr zu beweisen, was für eine tolle Partie er gewesen wäre, zieht er hinaus in die Welt.
Bis zu diesem Punkt ist "Wintzenried" eine wundervolle, pointiert und humorvoll geschriebene kleine Geschichte. Leider gerät das Leitmotif der ersten Hälfte zusehends in den Hintergrund und der Roman wird zusehends zu einer einfachen Biographie eines überaus unsympathischen, hypochondrischen Zeitgenossen - immer noch nett zu lesen und mit einem Augenzwinkern formuliert, ohne dabei seine Figuren für eine Pointe zu verraten.
Aber eben leider ohne die ganz besondere Note des Anfangs.