Im umfang- und aufschlussreichen Nachwort von Manfred Papst wird Fitzgerald folgendermaßen zitiert: "Stories, erklärt er (Fitzgerald), schreibe man am bsten in einem Zug oder, wenn es sich um längere Texte handle, an drei aufeinanderfolgenden Tagen, allenfalls mit einem zusätzlichen Tag für die Überarbeitung. Dann aber weg damit!"
Daraus spricht schon ein bisschen die Geringschätzung, die der erfolgreiche amerikanische Autor für diese literarische Kurzform empfand. Allein die Romane zählten und ließen den "erfolgreichen Geschichtenschreiber" eigenen Aussagen zufolge, zu einem "seriösen Schriftsteller" avancieren. Dabei schrieb der jung Verstorbene Fitzgerald nur 5 Romane - gegenüber etwa 160 Erzählungen.
"Winterträume" enthält zweiundzwanzig Erzählungen aus den Jahren 1920-24 und das 1937 entstandene autobiografische Zeugnis "Früher Erfolg".
Die Geschichten versprühen alle jenen Charme, für den ich Fitzgerald so schätze. Mal handelt es sich um "romantische Märchen" (z.B. "Kopf und Schultern"), mal um sentimentale Stories mit überraschendem Ausgang (z.B. Myra lernt seine Eltern kennen"). Stets geht es um die Liebe und es kommt ein Lebensgefühl zum Ausdruck, das ich als "rotzfreche Eleganz" bezeichnen würde. Fitzgerald schafft es einfach, scheinbare Gegensätze, die sich eigentlich auszuschließen scheinen, perfekt zu verbinden. Das Melodramatische mischt sich mit dem Komischen, arm und reich, Intellekt und Unbedarftheit finden finden zusammen.
Die flappsige Sprache, die dem Autor als bevorzugtes Mittel dient, einige seiner Figuren zu charakterisieren, wurde hier auch hervorragend ins Deutsche übertragen.
Fazit: 23 leichtfüßige Texte voller Eleganz, über die man sich amüsieren und immer wieder wundern kann. Eine schöne Lektüre!