Caroline Winter ist eine von drei Töchtern der Familie Winter. Einer Familie, die geprägt ist vom verschwinden einer der Töchter, der kleinen Ellie, vor ca. fünfzehn Jahren. Ein Verschwinden, mit dem alle Familienmitglieder in ihrer eigenen Art umzugehen versuchen, das aber letztlich bei allen den weiteren Lebensweg wesentlich beeinflusst hat, zumal sich alle die Schuld an diesem Ereignis geben. So versucht Carolines Mutter mit betriebsamer Aktivität den Verlust zu kompensieren, Carolines Vater stirbt gewissermaßen wort- und kommentarlos, Madeline, Carolines Schwester hat einen konservativen, sicherheitsbetonten Lebensweg eingeschlagen und Caroline versucht mit aller Macht die Nabelschnur zum Elternhaus zu kappen, ist weit weggezogen, treibt aber dennoch eher orientierungslos vor sich in.
Als Madeline ihre Schwester Ellie tot erklären lassen möchte, um endlich mit der Vergangenheit abzuschließen, zeigt die Mutter Caroline einen Zeitungsausschnitt in dem nicht nur sie sondern auch Caroline glauben Ellie wieder zu erkennen. Erst als ihre Mutter stirbt macht sich Caroline auf die Suche nach Ellie, nicht ahnend, daß der Schlüssel zu Ellies Verschwinden in der Vergangenheit ihrer Mutter zu suchen ist.
Amanda Eyre Wards "Winterschwestern" ist ein Buch über Liebe, Hoffnung und Glauben, aber auch gleichzeitig ein Buch über disfunktionale Familien, Einsamkeit und Orientierungslosigkeit. Ihre Geschichte erzählt die Autorin aus mehreren Perspektiven, die sich wie Mosaiksteinchen ineinander fügen und ein Bild ergeben. Mit der Entwicklung der Charaktere erzählt uns die Autorin aber auch einiges über den amerikanischen Alltag (auch wenn ich nicht glaube, dass die im Roman genossenen Alkoholmengen typisch sind...), ich würde sogar sagen, der Roman ist ein zutiefst amerikanisches Buch. Die Charaktere sind glaubwürdig, die Dialoge realistisch und könnten zum Teil einer jeden Familie entnommen sein.
Weshalb der Verlag auf dem Buchrücken schreibt, es sei ein Frauenroman, ist mir vollkommen unklar, denn m. E. sind die Themen der Autorin genauso für Männer interessant wie für Frauen.
"Winterschwestern" ist ein spannender, mit knapp 300 Seiten kurzer, flüssig und schnell gelesener, beeindruckender Roman über drei Schwestern auf dem Weg zu ihrer Vergangenheit und zu sich selbst und über das, was Familie ausmacht.