Kurzbeschreibung
Nach seiner letztjährigen, als Auftaktveröffentlichung des neuen Tonträger-Labels Prestige Classics Vienna erschie- nenen, fulminanten Einspielung von Mussorgsky- und Rachmaninov-Liedern widmet sich der italienische Star-Bassist Ferruccio Furlanetto jetzt Schuberts Winterreise . Furlanetto, der die Winterreise etwa kürzlich in einem umjubel- ten Liederabend beim White Nights -Festival in St. Petersburg dargeboten hat, beweist mit dieser Aufnahme einmal mehr seine ungeheure Vielseitigkeit: Seit vielen Jahren stellt der österreichische Kammersänger mit seinen zahlrei- chen Opern- und Konzertauftritten auf allen namhaften internationalen Musiktheaterbühnen und Konzertpodien stets viel beachtete Interpretationen zentraler Fachpartien des italienischen, französischen, deutschen oder slawischen Repertoires zur Diskussion und ist darüber hinaus ein außerordentlich geschätzter Liedinterpret. Schuberts Vertonung der 24, vom Dessauer Philologen Wilhelm Müller stammenden, Liedtexte, seine Reihung und - durch die Organik und Interdependenz der musikalischen Ausdrucksmittel bedingte - Konzentration als eines Zyklus schauerlicher Lieder (so Schuberts eigene Charakterisierung der Winterreise - man ist auf Wiener Boden geradezu versucht, eine Verbindung zu Ludwig Hirschs Dunkelgrauen Liedern zu ziehen) gilt als Gipfelwerk der (Kunst)Lied- geschichte und bildet unverändert einen Fixpunkt im Programmangebot vieler maßgeblicher Festivals und Konzertver- anstalter, und zwar durchaus nicht nur im deutschen Sprachraum. Eine Reihe von Bearbeitungen wie Neufassungen und Instrumentierungen oder etwa Verfilmungen dokumentieren in den letzten Jahren zusätzlich die ungebrochene Aktualität des Werkes. Was macht dabei nun die offensichtliche Relevanz der Winterreise , ihren für Klassikinteressierte geradezu avantgar- distischen Rezeptionsspielraum, aus? - Die Situation des Protagonisten mit seiner enttäuschten, verlorenen Liebe und das (besonders durch die Wahl der kompositorischen Mittel wie z.B. den - beinahe zyklisch wiederkehrenden - Dur-/Moll-Wechsel) nuancierte Ausdrucksspektrum vermitteln eine Sogwirkung, welche die Analogie von äußeren Naturphänomenen wie Winterstarre, Eiseskälte, Schneestürmen oder gefrorenem Wasser und Seelenzuständen wie Hoffnungslosigkeit, Resignation, Verzweiflung oder Lebensüberdruss als überzeugende Realisierung des Tragischen und Melancholischen in der (Lyrik- und Musik-)Kunst stetig weiterwirken lassen. Als Beispiel für Furlanettos und Tchetuevs Musik adäquate Interpretation mag auf die Umsetzung des rhythmischen Pulsschlags - ein Stilmittel, welches sich so durch den gesamten Zyklus zieht, dass es der Musikwissenschaftler Harry Goldschmidt geradezu als Ausdrucksmittel für den "einförmigen Gang durch Nacht und Winter" bezeichnet hat - in der vorliegenden Aufnahme hingewiesen sein (vgl. u.a. die Lieder Gute Nacht [1], Gefrorne Tränen [3] , Auf dem Flusse [7], Rückblick [8], Die Krähe [15], Täuschung [19] oder Der Wegweiser [20]).