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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein großer Winter-Roman - Reise im Jahr 1953,
Von Jakob Fürchtegott (Bremen) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Winterreise. Roman aus dem Jahre 1953 (Gebundene Ausgabe)
Hat der Pathologe August Brenner das alles am Schluß nur geträumt? Fand dieser ganze mitreißende Roman einfach nur in einem Narkose-Traum Brenners statt? - Im Jahr 1953 liegt Deutschland noch in den Trümmern der Nachkriegszeit, und das Wirtschaftswunder hat noch nicht begonnen. Eine kalte Zwischenwelt, in der keiner so recht weiß, was die Zukunft bringen wird. Obendrein ist es Winter.Eine gigantische Wolke von Erinnerungen, an die gemeinsame Schulzeit, an das Studium, eine beinahe geteilte Geliebte, in geistige Höhen aufsteigende Gespräche und Menschen steigt auf. Sie drängt August Brenner, die Habseligkeiten des toten Freundes von einst zu schnappen, sich mit einem selbstmörderischen Röhrchen Veronal-Schlaftabletten und Franz Schuberts Zyklus Die Winterreise auszustatten und in ein selbstgewähltes Ende zur reisen. Mehr und mehr jedoch erhält diese Fahrt quer durch das kalte und sich durchwurstelnde Deutschland ein recht weltliches Ziel: Brenner sucht den ehemaligen Professor, der als Nazi-Scherge seine zu sezierenden Leichen aus KZs bezog, wohl auch selbst an jenen Forschungen teil hatte, die mit dem Namen Dr. Mengele verbunden sind. Diesen ehemaligen Universitäts-Lehrer will er zur Rede stellen, oder am liebsten überhaupt stellen, auch vor Gericht - aber es wird anders kommen, die Verhältnisse haben sie so radikal nicht geändert, als daß er so einfach dem gut getarnten Verbrecher zu Leibe rücken könnte. Zunächst besucht er eine frühere Lehrerin. Dann seine und Heinrichs vormalige Liebe, die auf einem Landgut von besseren Zeiten, heißt von schmucken Vertretern der Herrenrasse träumt. In einer Tankstelle begegnet man Kleinformen neu aufkommender Privatwirtschaft, deren Umtriebigkeit und Geschäftssinn einmal das Wirtschaftswunder bringen wird, welches auch bei einem Schrotthändler sich schon anbahnt, der dem inzwischen ziemlich abgerissenen Pathologie-Professor gegen die teure Uhr eine notdürftige Behausung eintauscht. Und dann weiter und groß, wie selten in einem Roman, die Welt eines Zirkus, in dem August Brenner sich fast in eine wie aus ETA Hoffmanns Geschichten weggelaufene Artistin verliebt. Unglaublich dichte, ergreifende Geschichten rollt dieser Roman da wie im Vorbeifahren auf seiner Winterreise aus. Aber es geht weiter, Meinrad Braun kann seinem Leser Hunger bereiten auf weitere Episoden und Bilder eines Landes zwischen allen Stühlen ? oder hat es seinen Weg doch schon gefunden? Ist es zum Land der Cleverles geworden, die sich - eine Hotelbar-Szene von Weltformat ? in Gestalt einer aparten Diebin an Brenner heranmacht? Oder als ein Erfinder auftritt, der im Zug von seinen Plänen spricht, halb Europa unter Wasser zu setzen, um einen gigantomanen Staudamm zu bauen, der alle zukünftigen Energie- und damit auch Wirtschaftsprobleme lösen zu können? Ergreifend sind sie alle, diese Figuren, ganz gleich, ob sie Geschlagene sind oder Gangster. Nur der letzte, den Brenner aufsucht, den ehemaligen Pathologie-Lehrer von Brenner, den läßt Meinrad Braun nicht sympathisch werden. Er ist der Cleverste und Berechnendste, derjenige, der sich die Zukunft am mächtigsten ausmalt und dabei über mehr Leben und Leichen hinwegzugehen bereit ist, als je in ein Pathologen-Leben hineinpassen würden - und wäre nicht all das Großartige auf dem Weg hierher schon zu lesen gewesen, so würde das Buch Winterreise allein wegen dieser Abschluß-Szene ein seltenes literarisches Erlebnis sein. - Kurz gesagt, ein ganz großartiger Roman ist das! Jakob Fürchtegott, Bremen Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5.0 von 5 Sternen
Spät hab ich Dich gefunden,
Von T.N. "neckarkult" (Ludwigshafen) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Winterreise. Roman aus dem Jahre 1953 (Gebundene Ausgabe)
Spät nach Erscheinen habe ich dieses Buch gelesen, endlich kann ich jetzt behaupten. Denn es ist ein ausgezeichneter Roman, und ich bin sehr froh darüber, dass es für solch gute Bücher kein Datum gibt, an dem sie nicht mehr genießbar sind. Danke Meinrad Braun für diese Reise!
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