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Winterreise. Roman aus dem Jahre 1953
 
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Winterreise. Roman aus dem Jahre 1953 [Gebundene Ausgabe]

Meinrad Braun
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • Verlag: Dielmann; Auflage: 1., Aufl. (31. März 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3933974593
  • ISBN-13: 978-3933974594
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 16 - 16 Jahre
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.601.691 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Wir schreiben das Jahr 1953. Der Pathologe August Brenner begegnet nach fünfzehn Jahren seinem emigrierten Schulfreund Heinrich wieder: Dessen Leichnam liegt vor ihm auf dem Sektionstisch. Brenner sah zu den Reihen der Studenten hinauf. Noch immer bildeten die Gesichter, durch die steilen Stuhlreihen übereinander gestaffelt, ein schwer lesbares aber einheitliches Muster, gebannt vor der Endgültigkeit des Todes. – Es war so still, dass die Geräusche der Sektionswerkzeuge den Hörsaal beherrschten, das Klappen einer Schere, ein leises Klingen von Glas. – Die unbewegten Gesichter verschwammen vor Brenners Augen. Er wandte den Blick ab. – »Herr Professor.« Meßner hatte die Rippenschere in seiner einen Hand, die linke Hand des Toten in der anderen. »Schauen Sie mal.« – Er legte die Schere auf der Brust des Leichnams ab. – »Sonderbarer Vogel«, kommentierte Meßner und hob den steifen Arm des Toten am Ringfinger in die Höhe, so gut es ging. – Brenner beugte sich vor. Auf dem Ringfinger war eine Tätowierung zu erkennen. Eine Schlange. In dunkelblauen Linien, amateurhaft gemacht, aber gut zu erkennen. Eine Schlange, die sich am Grundgelenk um den Finger wand, an der Stelle, an der man einen Ring zu tragen pflegt. – »Herr Professor?« Meßner hielt immer noch den Finger fest. – Brenner sah Meßner einen Augenblick lang an, als erkenne er ihn nicht … Kurz danach wird Brenner vermißt. Er hat sich mit der Schallplatte von Schuberts »Winterreise«, einer Schachtel Veronal und einem Pappkoffer mit Heinrichs letzten Utensilien auf den Weg gemacht. Brenner kann keine Leichname mehr sezieren, er sucht die Spuren seines eigenen Lebens, vielleicht aber auch den Tod. – Auf dieser Reise durch die Trümmerlandschaft Nachkriegsdeutschlands begegnet er abgebrühten Kriegsteilnehmern, einer verrückten Artistin, Erfindern und einer charmanten Diebin, einem zwanghaften Schrottsammler und der ehemaligen Geliebten, die ihn nicht erkennt. So alt wie das Jahrhundert ist Brenner – und ist Zeuge der Utopien seiner Generation und ihrer Wirkungen. In diesen Jahren nach der Zerstörung und vor dem neuen Aufschwung scheint das Land selbst, durch das er reist, ein sezierter Leib, sein aufgeschnittenes Gewebe tritt zutage. Am Ende der Reise scheint sein Verschwinden erklärbar und Brenner mag wieder zu Hause sein – zurückgekehrt aber ist er nicht.//In seinem Debüt-Roman »Eine Winterreise« rollt Meinrad Braun ein Road-Movie vor uns Lesern aus, das unter anderem von den vielen eingebetteten Episoden lebt. Traumhaft, wie die gesamte Reise verläuft, stolpert der Protagonist Brenner in die Welt eines nächtens kampierenden Zirkusses und begegnet einer ebenso verstörten wie betörenden Artistin: »Sie war ihm so nahe, dass er, wäre die Scheibe nicht gewesen, ihren Mund hätte küssen können. Gleichzeitig konnte er sich der Tatsache nicht verschließen, dass ihn das Mädchen gar nicht sah. Er fasste mit der Fingerkuppe leicht an das Glas. Da schloss sie die Augen, als habe sie die Berührung gespürt und Brenner sah staunend, dass ihre geschlossenen Lider von einem zarten bläu- lichen Geäder überzogen waren, das ihm wie von fremder Hand aufgemalt erschien.« – Den ganzen Roman entlang staunt Brenner mit seinem Autor Braun zusammen über die feinziselierten Eigen- heiten der ihm begegnenden Menschen, ist davon so verblüfft wie über die Grobklotzigkeiten, die sie immer wieder an den Tag legen.

Über den Autor

Meinrad Braun, geboren 1953, ist Psychotherapeut und lebt in Mannheim. Er schreibt Romane und Erzählungen.

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein großer Winter-Roman - Reise im Jahr 1953, 6. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Winterreise. Roman aus dem Jahre 1953 (Gebundene Ausgabe)
Hat der Pathologe August Brenner das alles am Schluß nur geträumt? Fand dieser ganze mitreißende Roman einfach nur in einem Narkose-Traum Brenners statt? - Im Jahr 1953 liegt Deutschland noch in den Trümmern der Nachkriegszeit, und das Wirtschaftswunder hat noch nicht begonnen. Eine kalte Zwischenwelt, in der keiner so recht weiß, was die Zukunft bringen wird. Obendrein ist es Winter.

Eine gigantische Wolke von Erinnerungen, an die gemeinsame Schulzeit, an das Studium, eine beinahe geteilte Geliebte, in geistige Höhen aufsteigende Gespräche und Menschen steigt auf. Sie drängt August Brenner, die Habseligkeiten des toten Freundes von einst zu schnappen, sich mit einem selbstmörderischen Röhrchen Veronal-Schlaftabletten und Franz Schuberts Zyklus Die Winterreise auszustatten und in ein selbstgewähltes Ende zur reisen.

Mehr und mehr jedoch erhält diese Fahrt quer durch das kalte und sich durchwurstelnde Deutschland ein recht weltliches Ziel: Brenner sucht den ehemaligen Professor, der als Nazi-Scherge seine zu sezierenden Leichen aus KZs bezog, wohl auch selbst an jenen Forschungen teil hatte, die mit dem Namen Dr. Mengele verbunden sind. Diesen ehemaligen Universitäts-Lehrer will er zur Rede stellen, oder am liebsten überhaupt stellen, auch vor Gericht - aber es wird anders kommen, die Verhältnisse haben sie so radikal nicht geändert, als daß er so einfach dem gut getarnten Verbrecher zu Leibe rücken könnte.

Zunächst besucht er eine frühere Lehrerin. Dann seine und Heinrichs vormalige Liebe, die auf einem Landgut von besseren Zeiten, heißt von schmucken Vertretern der Herrenrasse träumt. In einer Tankstelle begegnet man Kleinformen neu aufkommender Privatwirtschaft, deren Umtriebigkeit und Geschäftssinn einmal das Wirtschaftswunder bringen wird, welches auch bei einem Schrotthändler sich schon anbahnt, der dem inzwischen ziemlich abgerissenen Pathologie-Professor gegen die teure Uhr eine notdürftige Behausung eintauscht. Und dann weiter und groß, wie selten in einem Roman, die Welt eines Zirkus, in dem August Brenner sich fast in eine wie aus ETA Hoffmanns Geschichten weggelaufene Artistin verliebt. Unglaublich dichte, ergreifende Geschichten rollt dieser Roman da wie im Vorbeifahren auf seiner Winterreise aus.

Aber es geht weiter, Meinrad Braun kann seinem Leser Hunger bereiten auf weitere Episoden und Bilder eines Landes zwischen allen Stühlen ? oder hat es seinen Weg doch schon gefunden? Ist es zum Land der Cleverles geworden, die sich - eine Hotelbar-Szene von Weltformat ? in Gestalt einer aparten Diebin an Brenner heranmacht? Oder als ein Erfinder auftritt, der im Zug von seinen Plänen spricht, halb Europa unter Wasser zu setzen, um einen gigantomanen Staudamm zu bauen, der alle zukünftigen Energie- und damit auch Wirtschaftsprobleme lösen zu können?

Ergreifend sind sie alle, diese Figuren, ganz gleich, ob sie Geschlagene sind oder Gangster. Nur der letzte, den Brenner aufsucht, den ehemaligen Pathologie-Lehrer von Brenner, den läßt Meinrad Braun nicht sympathisch werden. Er ist der Cleverste und Berechnendste, derjenige, der sich die Zukunft am mächtigsten ausmalt und dabei über mehr Leben und Leichen hinwegzugehen bereit ist, als je in ein Pathologen-Leben hineinpassen würden - und wäre nicht all das Großartige auf dem Weg hierher schon zu lesen gewesen, so würde das Buch Winterreise allein wegen dieser Abschluß-Szene ein seltenes literarisches Erlebnis sein. - Kurz gesagt, ein ganz großartiger Roman ist das!

Jakob Fürchtegott, Bremen
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5.0 von 5 Sternen Spät hab ich Dich gefunden, 7. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Winterreise. Roman aus dem Jahre 1953 (Gebundene Ausgabe)
Spät nach Erscheinen habe ich dieses Buch gelesen, endlich kann ich jetzt behaupten. Denn es ist ein ausgezeichneter Roman, und ich bin sehr froh darüber, dass es für solch gute Bücher kein Datum gibt, an dem sie nicht mehr genießbar sind. Danke Meinrad Braun für diese Reise!
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