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Ian Bostridge singt Schubert wie Händel - mit sehr instrumental geführter Stimme und fast ohne jeden eigenen Ausdruck - modisch, nicht modern. Von Bitterkeit höre ich hier gar nichts, von Verzweiflung, Weltschmerz oder Resignation schon gar nicht.
"Gute Nacht" wird so zum freundlichen Wanderlied, die "Gefrohr'nen Tränen" plätschern dahin, die "Wasserflut" klingt gar neckisch, selbst der "Leiermann" wird zum Kindermärchen. Bostridge klingt immer wie ein Dandy, der Bonmots absondert, statt sein Innerstes und die Schmerzen einer gescheiterten Liebe auszubreiten.
Einzig in der "Wetterfahne", im "stürmischen Morgen" und der "Krähe" kommt so etwas wie Ausdruck auf, wobei der Sänger dann allerdings an musikalische Grenzen kommt. Seine sonst angenehme, wenn auch körnige und nicht sehr große Stimme klingt dann grell und meckernd.
Zudem stört mich bei Bostridge wie immer, wenn er eine andere Sprache als Englisch singt, sein nicht starker, aber immer hörbarer Akzent.
Insgesamt die verzichtbarste Winterreise, die ich seit langem gehört habe. Und das, obwohl es ja eigentlich lobenswert ist, wenn sich endlich mal wieder ein Sänger findet, der den Zyklus in der originalen Tenorlage singt. Aber da werden wir wohl weiterhin auf die älteren Aufnahmen von Ernst Haefliger und v. a. Peter Schreier zurückgreifen müssen.
Schade um die wunderbare und unglaublich farbige Begleitung von Leif Ove Andsnes.
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