Mit Wintermond hat Tanja Heitmann nun ihren zweiten Roman abgeliefert und ich kann durchaus sagen, dass er gelungen ist.Da der Inhalt schon oft genug und ausführlichst erzählt wurde, werde ich mich nur darauf beschränken das Werk an sich zu beschreiben.
Zunächst einmal kann man feststellen dass der Klappentext anders als bei Morgenrot keine falschen Erwartungen hervorruft: es steht Wolf drauf, es ist Wolf drin! So weit so gut. Dennoch ist diese Interpretation eines Wolfes ein wenig anders als vielleicht gewöhnlich. Kein Vollmond, kein wildes Tier, kein Silber und kein Infizieren mit einem Biss des Wolfes. Dieser Wolf ist ein Dämon der im inneren des Menschen haust, äußerlich erkennbar an den strahlenden blauen Augen, doch genau genommen zeigt sich der Wolf nur als des Menschens Schatten.
Wie genau man jetzt zum Werwolf wird ist Spekulation, es wird lediglich einmal erwähnt, dass es angeboren ist, also vermutlich ist es eine Art Gendefekt, man weiß es nicht.
Das bringt mich auch zum ersten Kritikpunkt: vage Andeutungen! Oftmals muss der Leser selbst spekulieren wie etwas zustande kommt oder wo sich etwas abspielt. Ich hab ja nichts dagegen wenn sich der Leser stellenweise seinen Teil dazu denken muss, aber selbst schwammige Vermutungen anstellen zu müssen, die sich auf der nächsten Seite dann auch schon widerlegen lassen bringen die Geschichte nicht weiter, sind nervig und verwirren doch eher. Dennoch muss ich zugegeben, dass in Wintermond weniger Spielraum dafür gelassen wurde, (anders als in Morgenrot wo ich die Hälfte der Zeit damit beschäftigt war herauszufinden wo sich dieser kalte Ort, der anfangs so ziemlich auf jeder zweiten Seite erwähnt wurde, befindet), also immerhin eine Verbesserung.
Weiter mit den Protagonisten: da wäre zum einen Meta und zum anderen David, zwei sehr unterschiedliche Characktere.
Sie lebt im Nobelviertel, er im Untergrund, sie arbeitet in einer Kunstgalerie, er ist der Fußabtreter seines Rudels und erledigt die Drecksarbeit. Kurz gesagt: zwei Gegensätze treffen aufeinander. Aber wie das leben so spielt gehen beide eine Beziehung ein. Ich finde gerade ihre Verbindung macht die Protagonisten erst sympatisch. Meta, die von ihrer Schickimickiwelt doch eher gelangweilt ist und immer verkrampft auf ihr Äußeres und das was sie tut und sagt fixiert ist, verwandelt sich durch David in eine glücklichere, viel sympatischere Frau die sich weniger darum kümmert was andere von ihr halten könnten. David wird vom stets aggressiven und harten Wolf zum verliebten Hündchen der eine Gefahr in sich trägt, aber mit ihr umgehen kann.
Auch an der Erotik zwischen den beiden hat Frau Heitmann nicht gespart. Teilweise fand ich die Beschreibungen ihres Liebesspiels so detailgenau, dass ich mich ein wenig fremdgeschähmt habe. Nichtsdestotrotz kann man auch darüber hinwegsehen, da es nich allzu häufig auftritt.
Die Geschichte des Buches ist insgesamt nich brandneu, aber dennoch gelungen, da nichts Altes mit der Mikrowelle aufgewärmt wurde, sondern neu und jung inszeniert wurde.
Das Konzept ist stimmig augrund guter Protangonisten, einem guten Leitfaden der Story und beim Lesen selbst kommt nicht einmal Langeweile auf, kurz gesagt: es passt einfach.
Daher gibt es 3,5 Sterne von mir für Wintermond!