Mutter Eliane Richter (Corinna Harfouch) erteilt dem eigenbrötlerischen Maler Max Hollander (Josef Bierbichler) den Auftrag, ein Doppelporträt von ihren Kindern Lilli und Alexander anzufertigen. Das Merkwürdige daran: Alexander hat bereits vor einem Jahr Selbstmord begangen.
Hollander willigt dennoch ein und rekonstruiert den Charakter und das Aussehen des toten Jungen mithilfe der Schwester Lilli (Karoline Herfurth), die dem Projekt anfänglich skeptisch gegenübersteht. Doch zwischen den beiden verletzten Seelen, die mit Trauer und Isolation beziehungweise erzwungener Ablenkung zu kämpfen haben, entwickelt sich langsam ein Verständnis für die Last des Anderen, und schließlich wird das Projekt in Angriff genommen.
Caroline Link wechselt häufig den Blickwinkel der Akteure und zeigt somit, wie sehr und inwiefern das tragische Unglück die Beteiligten beeinträchtigt. Der Vater hat eine Affäre, die Mutter überträgt den Druck und die Trauer auf die Tochter, deren Beziehung durch ihre Anhänglichkeit ins Wanken gerät.
Die ganze Familie ist nach außen hin nur noch eine Farce, während sich die einzelnen Mitglieder zunehmend (un)bewusst in einen Strudel der Selbstschädigung begeben.
Der Film ist aber nicht etwa leise und melancholisch, wie man es von der Thematik erwarten könnte, sondern glänzt hauptsächlich durch die facettenreichen Figuren, die sich gegenseitig befördern.
Das Filmerlebnis wird einzig durch die zu häufige, zu offensichtliche Verwendung von Symbolik ein Stück weit geschmälert, allerdings nicht in dem Maße, dass man Abstriche machen müsste.
Einer der besseren deutschen Filme der vergangenen Jahre, was vor allem der Hauptdarstellerin Karoline Herfurth zu verdanken ist, für deren latent verstörten Lilli man den ganzen Film über hofft, dass sie wieder ins geordnete Leben zurückfindet.