Dieses Buch von Joachim Gauck ragt unter den vielen Veröffentlichungen, die in diesem Jahr zum 20.Jahrestag des Mauerfalls und des Ende des Kalten Krieges auf den Markt gekommen sind, in einzigartiger Weise heraus.
Vielleicht hängt es damit zusammen, dass hier ein absolut integrer Mann sich an sein Leben in der DDR erinnert, dass schon 1951,als sein Vater "abgeholt" wurde, als Joachim gerade mal 11 Jahre alt war, geprägt war von Opposition gegen kommunistisches Unrecht. Für Joachim Gauck war nicht nur dieses Erlebnis prägend. Später, als er schon evangelischer Pfarrer war und in den achtziger Jahren Kirchentage als Keimzelle dessen, was sich später entwickeln sollte zum großen, gewaltfreien Bürgerprotest, organisierte, wurde er selbst zum Dissident.
Nach der Wende war Joachim Gauck ab dem Jahr 2000 der erste Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, danach auch die "Gauck-Behörde" genannt.
Neben seinen lesenswerten Erinnerungen an die Zeit in der DDR, die bewegenden Monaten vor und nach der Wende, ist an diesem Buch eines ganz besonders wichtig: Gauck beschreibt aus einer detaillierten Innenkenntnis das Wesen des Stasisystems. Unglaubliches ist da zu lesen über den Umfang und die Intensität des staatlichen Spitzelwesens.
All dies bringt ihn immer wieder in diesem Buch zu dem Schluss, dass die Freiheit und die Grundrechte ein so hohes Gut sind, das die Bürger im Westen, aber auch diejenigen ehemaligen DDR-Bürger, die ihren damaligen Staat heute noch schön reden wollen, oft gar nicht recht ermessen können oder wollen. In der DDR, so schreibt er, konnte man nur wählen zwischen dem jeweiligen Grad der Anpassung. Nun leuchte die Freiheit, Frühling im Herbst . Diese Botschaft wird er im ganzen Buch nicht müde immer wieder denen zuzurufen, die kleinmütig sind und zweifeln, hier und dort.
Ein beeindruckendes Leben wird hier lesenwert und mit der Unterstützung von Helga Hirsch beschrieben. Solche furchtlosen, mutigen und hoffnungsfrohen Menschen bräuchte das Land mehr.