Seit Jahren veröffentlicht eine große Band wie Locas in Love herausragende Musik, ohne dafür von den Medien oder vom großen Publikum gewürdigt zu werden. Winter" sollte eigentlich nur eine EP werden, die die Zeit bis zum nächsten richtigen Album überbrücken helfen sollte. Dann stellte man aber fest, dass man doch genügend gute Stücke hatte, um einen Longplayer daraus zu machen. Wie Björn Sonnenberg und seine Band Songs von dieser Qualität aus dem Ärmel zu schütteln scheinen, ist wirklich unglaublich. Dieses Mal ist es ein Konzeptalbum zum Titel der Platte, alle Songs haben etwas mit Winter und/oder Kälte zu tun. Dabei verarbeitet die Band aber auch Themen, um die ihre Songs schon immer kreisen, um die Macht der Erinnerung, die einen bei der Rückkehr an Orte der Kindheit überkommt, oder um den Versuch des emotionalen Überlebens in der Gesellschaft. Musikalisch sind die Stücke im Vergleich zum Vorgänger Saurus" kürzer, aber opulenter arrangiert. Es gibt Bläser, Streicher, Glockenspiel, was man eben für eine Winterplatte braucht. Stefanie Schranks und Jan Niklas Jansens Stimmen harmonieren mit der Zeit immer besser mit der Sonnenbergs, auch ihre Stücke haben an Qualität gewonnen. Meine Favoriten sind Maschine" mit der herrlichen Textzeile Aber du kannst ihren Staat nur zersetzen durch deine Hoffnung / schreib es auf ein Kalenderblatt / ritz es in Schulbänke / ich will diese Parole auf Wänden sehen und auf Rucksäcken / und Kälte hin oder her, ich will nicht aufgeben / ich bin keine Maschine / ich werde nicht funktionieren", göttlichem Harmoniegesang, Velvet-Underground-Gedächtnis-Riff und Flügelhorn im Background und Bushwick", das Spicks and Specks" von den Bee Gees zitiert. Music from and for the Great German Songbook.