Klappentext:
Ein Telegramm ruft Fanny Mayer von ihrer Dienststelle im vornehmen Basler Haus durch Wind und Schnee auf den rauhen Feldberg. Dort oben erwartet sie ein mutterloses Kind, ein angeschlagener Bruder, ein verlassenes Gasthaus, ein paar alte Pfannen und dieser elende Winter, der sie wie lebendig begraben von der Welt trennt. Bis eines Abends ein seltsamer Gast anklopft...
Mit fast übermenschlicher Energie fügt sie sich in das ihr aufgedrängte Schicksal, wendet es zum Besten und wird als Feldbergmutter weit über die Landesgrenzen hinaus zum Sinnbild Schwarzwälder Gastlichkeit. Sie macht sich den Winter zum Freund und den Feldberger Hof zum Nabel der Welt. Es ist die Geschichte einer Frau, die ihrer Zeit immer einen Gedankenschritt voraus war und ihre Träume verwirklichte - eine Geschichte vom Leben und Überleben im Schwarzwald um 1900 vor dem Hintergrund des entstehenden Fremdenverkehrs und Skisports, der durch Fanny Mayers Initiative auf dem Feldberg seinen Anfang nahm.
Zum Buch:
Was in der kleinen überschaubaren Welt rund um den Feldberg passiert, erzählt die Autorin in poetischer und doch ganz realistischer Sprache, deren überragende Aussagekraft ein winterliches Gemälde zeichnet, das es dem Leser ermöglicht, "hautnah" Zeitzeuge zu sein.
"Man kann alles, wenn man nur will!" Das Motto der Feldbergmutter mit dem sie den Menschen um sich herum Mut machte, zieht sich wie ein schönes Mantra durch das Buch. Bis auf Armand Truffaut und Alfredo haben alle hier beschriebenen Personen tatsächlich existiert und der Autorin ist es gelungen, alle Charaktere mit ihren individuellen Eigenheiten sehr lebensnah darzustellen.
[Spoiler]
Vor dem Haus geht Direktor Jordan ungeduldig auf und ab, zieht an seiner Zigarre, bläst den Rauch in die Luft und wartet darauf, dass endlich seine Frau aus dem Hause käme.
"Ilse", ruft er zur Haustür hinein, "haste denn immer noch nich alle Karten jeschrieben! Wat stehste denn bloß in die Schlange hier! Zuhause in Berlin machste det doch och nich, in die Schlange stehen!"
Dann geht er wieder auf und ab.
"Jaja", sagt er zu sich selbst, "da merkt man halt, dat man da janz nah an die italienische Grenze ist. Allet jeht en bisschen langsamer."
"Ilse!" , ruft er dann wieder. "Ick will jetzt zum Titisee!"
Als Zeitform wurde die Gegenwart gewählt. Oft spielt die Autorin gekonnt mit dem Konjunktiv I. Das hat mir besonderen Lesegenuß bereitet, denn so hatte ich sehr oft das Gefühl, diese Geschichte wird mir von einer guten Bekannten hinter vorgehaltener Hand erzählt.
[Spoiler]
Die Skiläuferin müsse zwei Punkte im Auge behalten, liest Oliv aus den Vorschriften für gutes Benehmen: Die Haare müssten so fest sitzen, dass sie sich nicht leicht lösten, und sie müssten so angeordnet sein, dass sie sich ganz unter die Mütze bringen ließen, weil dies bei Schneefall unbedingt notwendig sei. Denn das schönste Haar - in Unordnung gebracht - mache aus holden Skigöttinnen die abscheulichsten Struwelpeter.
Eine tiefe Verbundenheit der Feldbergmutter zu der Prosa des Mundartdichters Johann Peter Hebel - der das Hochalemannisch am badischen Hofe salonfähig machte - führte zum Bau der heute noch bestehenden Hebelstube mit wunderschönen Wandbildern. Einzelne Elemente der Hebelschen Dichtung fließen in Knoblichs Texte ein und werden im hinteren Buchteil ins Hochdeutsch übersetzt. Fotografien aus dem Familienalbum - die neben Fanny Mayer auch im Buch erwähnte Mitglieder der Familie zeigen - runden neben einer hochwertigen, stabilen Aufmachung und einer Zeittafel das Buch ab.
Heidi Knoblich lässt uns teilhaben an Dramatik, leiser Heiterkeit und der
Normalität des Lebens in harten Zeiten.
Eine anspruchsvolle Lektüre, die man gerne ein zweites Mal liest.