Lange hat die Fan-Gemeinde auf die in der Regenbogenpresse schon seit Jahren angekündigten Lebenserinnerungen von "Winnetou" Pierre Brice warten müssen. Nun sind sie endlich da, und, Fan oder nicht, man sollte sich die Lektüre nicht entgehen lassen.
Es handelt sich um ein 460 Textseiten umfassendes Werk mit einem guten Dutzend Hochglanz-Bildtafeln, gegliedert in einen Winnetou- und einen privaten Bereich, sowie einige an den passenden Stellen im Text verstreuten Abbildungen. Angesichts dieses Umfangs freut man sich auf ein ausgedehntes Lesevergnügen, muß dann aber feststellen, daß man doch allzubald auf der letzten Seite angelangt ist. Die Seiten sind nicht sehr eng bedruckt, und und der flüssige Stil trägt zu einer ebenso flüssigen Lesegeschwindigkeit bei.
Neben einem kurzen Ausflug in die Familiengeschichte wird der Zeitraum vom Geburtsjahr des Schauspielers bis zum Anfang des Jahres 2004 umfaßt. Bei den Schilderungen, die die Kriegserfahrungen und später die Erlebnisse im ehemaligen Jugoslawien betreffen, fühlt man sich ein wenig an die Art erinnert, in der Karl May von den Heldentaten seines Old Shatterhand berichtet. Dazwischen aber wird der Stil deutlich lockerer und humorvoller. Hier wird dem Leser ein Blick auf einen so gar nicht Winnetou-kompatiblen lebens- und sinnenfrohen Schwerenöter gegönnt, der auch mal weniger hehres Gedankengut, sprich: Unsinn, im Sinn hat. Vom leichten Schmunzeln bis zum schallenden Gelächter erfährt man alle Stadien der Heiterkeit.
Breiten Raum nimmt natürlich die Darstellung des "Winnetou" sowohl im Film als auch auf der Freilichtbühne ein.
Alles in allem liegt hier ein interessanter und vergnüglicher Lesestoff vor, und man würde sich freuen, wenn es dazu käme, daß man von diesem Autoren auch noch weitere Anekdötchen lesen dürfte.