Produkt: DVD (1) / Qualität TOP
Filmtitel: Winnetou 1
Produktionsland: Deutschland, Jugoslawien, Frankreich
Premiere: 1963
Mit: Lex Barker, Pierre Brice, Mario Adorf, Marie Versini, Ralf Wolter u. A.
Literarische Vorlage: nach dem gleichnamigen Roman von Karl May
Regie: Harald Reinl
Musik: Martin Böttcher
Kamera: Ernst W. Kalinke
Bild: gut / Farbe / Breitbildformat / Cinemascope / Originalformat
Sprache: keine Originalsprache
Synchronisation: deutsch, englisch und pseudo-indianisch
Untertitel: deutsch und englisch
Genre: Western > Literaturverfilmung > Pro-Indianischer Western
Filmlänge: 97 Minuten
Winnetou ist DER MYTHOS. Winnetou sind die ZWEI unbesiegbaren, glorreichen HELDEN der zwei Welten in einer harmonischen Symbiose der friedlichen Koexistenz. Winnetou ist das Modell Nordamerikas, in dem sowohl Indianer als auch Weiße miteinander und nebeneinander existieren können.
Winnetou aber ist auch das Beispiel des Indianers, der sich nicht nur mittels instinktiver Stärke, sondern genauso mittels des Intellekts einer originellen Persönlichkeit durchzusetzen vermag im angespannten Dialog mit den Weißen. In gleicher Weise ist Old Shatterhand das Beispiel des Weißen, der sich der grundsätzlichen Mängel der zivilisierten Kultur bewußt ist und sich als selbstkritisches Subjekt die Werte einer natürlichen Weltanschauung aneignet.
Natürlich müssen die zwei Helden unbesiegbar sein und letzlich unsterblich, zumindest für eine Weile. Sie müssen die Unzulänglichkeiten der Mitmenschen miteinander unvereinbar erscheinender Kulturen ausgleichen, zurechtrücken, ergänzen, berichtigen, geradebiegen. Und das machen sie einträchtig als Blutsbrüder und filmisch gut.
Es ist ein mythisches Modell, das über die negative, historische Wirklichkeit hinausweist. Der Mythos der unbesiegbaren, unsterblichen Helden symbolisiert die Geschichte, wie sie hätte sein können, sofern sich das Gute durchgesetzt hätte. In jenem Fall aber war es nicht der Fall. Die Bisons wurden fast alle ausgerottet, das freie Leben der Indianer völlig eingekerkert in den Reservaten, viele Millionen Indianer ermordet oder ausgehungert.
Winnetou bleibt aber als eine mythische Verheißung von Etwas, das sich einst von Neuem offenbaren wird, einer Erneuerung des Ursprungs, eines Neubeginns der Nativität in brüderlicher Einheit mit gesunder Zivilisation.
Sehr schön, romantisch und passend zum filmischen Erlebnis ist die gute Begleitmusik.
Die jugoslawischen Indianerkomparsen sind um nichts schlechter als die oft stereotypen Indianer amerikanischer Westernfilme und insofern aufgrund des pro-indianischen Anspruchs sogar kreativer und stellenweise lebendiger. Vor Allem ist Pierre Brice ideal für den edlen Apachenhäuptling und Lex Barker sein würdig ergänzender Kontrast. Winnetou in weißer Indianerkluft und Old Shatterhand in lederner Westmankleidung überragen das filmische Geschehen und wirken überirdisch.
Es ist ein filmisches Wunder, dass ein Indianerfilm solcher Pracht und Güte in Jugoslawien zustande gebracht werden konnte.
Ein Indianerhäuptling, der auch freiherzig lächelt und nicht immer steinerne Miene aufgesetzt hat.
Die Landschaften sind imposant und ebenbürtig mit den amerikanischen Territorien.
Die Kameraführung, Schnitt und Drehbuch sind für einen Western allesamt äußerst routiniert.
Der Film ist schnittig, rasant, nie langweilig und ein romantisches Erlebnis für Nostalgiker, Jugendliche, Indianerfans und Liebhaber toleranter, pro-indianischer Western.
Die FSK-6 Freigabe ist höchst bedenklich, da der Film viele Gewaltszenen beinhaltet.
Eine Eisenbahnlinie soll gebaut werden. Lex Barker achtet als Ingenieur darauf, dass die Linie nicht durch das Land der Apachen führt, sondern deren Gebiete umrundet. Selbstverständlich mühen sich kriminelle Schurken um Destabilisierung des Friedens mit der Absicht, reich zu werden. Winnetou ist gezwungen, die Weißen in ihrem Vordringen zu bekämpfen. Lex Barker vermag ihn zunächst nicht zu überzeugen, dass er auf seiner Seite steht. Erst als er sich bei einem Zweikampf mit seinem Vater als Sieger herausstellt und dessen Leben verschont, gewinnt er Winnetous Vertrauen und wird sein Blutsbruder. Es ist die Geburtsstunde des Westmanns Old Shatterhand und seiner ewigen Freundschaft mit Winnetou.
Die Szenen mit der gallopierenden Bisonherde und dem Abschuß einzelner Bisons sind entnommen dem amerikanischen Western "Die letzte Jagd".
Vor Allem die indianischen Kostüme sind sehr liebevoll gemacht.
Mehrere technisch-inszenatorische Fehler und Mängel muß man toleranterweise verzeihen (z. B. sieht man in einer Kampfszene, wie sich ein von einem Pfeil getroffener Mann, verspätet den Pfeil mit der Hand zurechtrückt).
Der erste Teil von Winnetou verlangt nach Fortsetzungen.