Selten hat mich ein Buch so beeindruckt: Es ist einfach ein authentisches Buch, das eben nicht sensationsheischend ist.
Kalka versteht es, den Leser emotional zu packen. Immer wieder wechselt der Leser die Position, er fühlt sich in die einzelnen Protagonisten hinein versetzt, spürt die Angst, den Schmerz, die Ohnmacht. Kalka bringt das seltene Kunststück zustande, den Leser mit Empathie in die emotionale Lage des Opfers und einer ganzen Kleinstadt zu versetzen. In dieser emotionalen Situation der Identifikation spiegelt Kalka dann wieder sehr sachlich, fast kühl, die Berichterstattung und den Umgang der Medien mit den Opfern anhand von eindrucksvollen Beispielen und Fakten. Fast hat man das Gefühl, dass er selbst erschrocken ist, wie diese Seite aussehen kann. Kalka - selbst Journalist - hat in diesem Buch die Perspektive gewechselt und stellt nun auch kritisch die Frage wie wir, mit welchen Mitteln und vor allem auf wessen Rücken und zu wessen Kosten unsere Sensationsgier befriedigen, solange wir nicht persönlich betroffen sind.
Dieses Buch eröffnet dem Leser eine emotionale Perspektive, die er sich nicht ausdenken könnte, wenn er nicht selbst unmittelbar betroffen wäre. Absolut lesenswert.